F18 Weltmeisterschaft auf dem Plattensee / Ungarn

Der Balaton zeigte sich von seiner ungewöhnlichen Seite

Vielleicht der ungekrönte König der Katamaransegler 'Bundi' Bundock (AUS) mit seinem Vorschoter Jeroen van Leeuwen (NED), gemeinsam die neuen F18 Weltmeister 2011 © Aron Szanto

Fast wäre der Plattensee seinem Ruf gerecht geworden, aber dann kam es doch anders. Nach der Qualifikation bei der Groupama Garancia Formula18 Weltmeisterschaft in Balatonfüred gab es einen Tag Warten auf Wind und dann am letzten Tag konnten bis 14:00 Uhr, der letzten Startmöglichkeit, vier Wettfahrten bei Trapezwind durchgezogen werden.

„Es war eine sehr spannende Meisterschaft, weil die Windrichtung immer wieder, teilweise unvorsehbar, drehte,“ so Darren Bundock (AUS), der wieder Weltmeister wurde, diesmal mit Jeroen van Leeuwen (NED). Mittlerweile ist das für Bundock sein 13. Weltmeistertitel in verschiedensten Katamaran Klassen (u.a. Tornado und F18).

Die Niederlänger Heemskerk und Tentij mit ihrem neuen Cirrus kurz vor dem Gennakersetzen @ Aron Szanto

Die Niederländer Mischa Heemskerk und Bastiaan Tentij, die seit Jahren die WM Krone anvisieren, wurden 2. Darüber war der junge Tentij dann letztendlich sehr glücklich. Sie hätten wirklich alles für ihr großes Ziel getan, aber Darren und Jeroen waren einfach ein wenig besser. Es macht riesigen Spaß, mit Darren diese Schlachten auf dem Wasser führen zu dürfen.

Die deutsche Hoffnungen lagen bei den Gebrüder Sach aus Zarnekau. Sie waren 2006 vor Hyères/FRA F18 Weltmeister geworden und sind immer gut für einen Top10 Platz. Zu ihrem 18. Gesamtrang meinte Christian, Vorschoter und verantwortlich für die Taktik: „Ich war nicht gut drauf, einfach zu viel los im Leben, auf dem Hinweg noch eine Erkältung eingefangen und dann 4 Finalrennen an einem Tag – ganz schön heftig. Taktisch hatten wir nicht den Mut, stumpf auf eine Seite zu fahren. Immer wieder sind wir gut gestartet und dann haben wir mit sauberem Speed irgendwann in der Mitte der Kreuz einkassiert, aber zu früh. Wir hätten bis auf die Layline glühen sollen.“

Die Gebrüder Sach geben Gas zur Ablauftonne © Aron Szanto

Helge Sach, der Steuermann, ergänzt: „Wir hatten taktisch schwierige Verhältnisse. Aber wieder haben die besten gewonnen. Viele junge Mannschaften, wie die Sieger der letzten Travemünder Woche Bissaro/Cesari vom Gardasee/ITA, waren stark verbessert und gerade dieses Team zurecht mit Platz 3 auf dem Podium. Wir hatten zu wenig Gewühle dieses Jahr trainiert. Zuhause haben wir den Luxus, dass wir ab der 2. Runde vorweg segeln dürfen, das hat uns sicher eine Top10 Platzierung gekostet.“

Technisch, die Formula18 Klasse ist eine Konstruktionsklasse, wurde der letzte Evolutionsschritt (längere, schmalere Schwerter und vollere Rümpfe, die schneller zum Gleiten kommen) feinjustiert. Von den Marken war unter den Top20 alles dabei. Und entscheidend war es, wie man den letzten Tag mit 4 Wettfahrten überstand. Der zweimalige Weltmeister der letzten Jahre, Koning/Visser (NED), der die Qualifikation noch gewonnen hatte, fand sich nach 4 kurzweiligen Final-Rennen dann auf Platz 6 wieder.

Gesittete Starts waren in einem Feld von 101 Cats mit zwei Gruppenstarts möglich. Bei WMs mit den üblichen 180 Cats leiden Mann und Material gerade beim Start. © Aron Szanto

Zu vorangegangenen WMs, die in Europa statt fanden, fehlten gut 70 Cats, vorwiegend aus England, Spanien, Holland, USA und Canada. Der Plattensee hat eben seinen Ruf weg. Die leistungsorientierten Amateure fehlten. Das Risiko quer durch Europa zu reisen und dann im schwülwarmen Windstau mehrere Tage zu warten, erschien vielen zu groß. Bei den etwa 25 Profiteams (Werksfahrer, Segelmacher) gehört das zum Berufsrisiko.

Diesmal schien der Plattensee eine Reise wert gewesen zu sein.

Ergebnisse Gold- und Silber Gruppe (total acht deutsche Teams mit Platzierungen in der Mitte des Feldes)

Bizarre Kunstfotos von der F18 WM 2011 gibt es auch auf  www.f18photos.com .

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Andreas John

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5 Kommentare zu „F18 Weltmeisterschaft auf dem Plattensee / Ungarn“

  1. avatar Martin sagt:

    Bissaro/Cesari haben die Travemuenderwoche 2010 doch gewonnen. Sowohl bei den Wildcats als auch F18.

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    • avatar Andreas sagt:

      Edit… Danke, Martin. Der Chef hat so etwas im Kopf, aber der steuert gerade Göteborg an.

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  2. avatar Christian sagt:

    warum hat der Plattensee in Sachen Wind einen so schlechten Ruf? Der nicht allzu weit entfernte Neusiedler See ist als Starkwindrevier bekannt. Und auch der Balaton ist bei informierten Seglern nicht als Flautenrevier berüchtigt.

    Im übrigen sind es oft die angeblich so windsicheren Reviere, bei denen es zu den größten Entäuschungen kommt. Was bin ich schon am Gardasee oder in Warnemünde rumgedümpelt. Und was war 2003 am angeblichen Top-Revier Hauraki-Golf (AC)? Flaute, Flaute, Flaute…

    Und was für ein Desaster war die 505-WM in angeblichen Paradies Hamilton Island: Drei Tage Sturm mit Dauerregen….

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  3. avatar Matthias sagt:

    Was ist ein Trapezwind? Da hilft sogar Google nicht. Danke euch!

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    • avatar Andreas sagt:

      Ab 2,5 Bft. beginnen Steuermann und Vorschoter gleichzeitig an der Kreuz im Trapez stehen zu können. Ab diesem Moment herrscht Trapezwind vor.

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