Faires Segeln: “Neue Beweise” – Olympiasieger Martinez kommt an einer Sperre vorbei

Juristisches Schlupfloch

Nach dem bei der Nacra17-WM in Aarhus geahndeten Betrug-Versuch der spanischen Segellegende Iker Martinez (41) hat World Sailing nun den Abschlussbericht zum Disziplinarverfahren veröffentlicht.

Iker Martinez

Bruchlandung für Iker Martinez und Olga Maslivetz. © Princesa Sofía

Die Affäre um den baskischen Ausnahmesegler Iker Martinez, der mit Gold und Silber im 49er dekoriert ist (2004, 2008) und nach Erfolgen beim Barcelona World Race (2. 2010) und als Volvo Ocean Race Skipper (Mapfre) zum Weltsegler des Jahres 2011 gewählt worden war, gehört zu den großen Aufregern der vergangenen Segelsaison.

Martinez beim Foiling an der Kreuz. Der Anstellwinkel der Schwerter ist entscheidend. © Jesus Renedo

Martinez war mit Vorschoterin Olga Maslivets (40), einer ukrainischen nach Spanien eingebürgerten ehemaligen Spitzen-Surferin bei der olympischen Klassen-WM 2018 bei einem Betrug-Versuch erwischt worden. Im Rahmen ihrer Nacra17-Olympia-Kampagne für 2020 fiel bei der obligatorischen Vermessung vor dem ersten Rennen eine regelwidrige Veränderung am Schwertkasten auf. Ein unscheinbares Langloch überschritt den Toleranzbereich um fünf Millimeter. Dadurch ließ sich der Anstellwinkel der Tragfläche über einen größeren Bereich verändern. Ein großer Vorteil insbesondere bei beginnenden Foil-Bedingungen.

Die internationale Jury machte bei der folgenden Protestverhandlung ihre Überzeugung deutlich, dass die Veränderungen allein zum Zweck der Leistungssteigerung vorgenommen wurde. Sie sprach für das erste Rennen eine Disqualifikationsstrafe aus, die nicht gestrichen werden darf (DNE). Und es folgte ein Regel-69-Protest wegen grober Unsportlichkeit. Martinez und Maslivets reisten sofort ab.

Weitere Maßnahmen seien nicht gerechtfertigt

Sie mussten weitere Sanktionen des Weltseglerverbandes befürchten nach Verhandlungen, die automatisch einer Rule69-Bestrafung folgen. Aber nun ist World Sailing nach der Prüfung weiterer Beweise durch einen unabhängigen Untersuchungsausschuss zu dem Schluss gekommen, dass weitere Maßnahmen nicht gerechtfertigt sind.

Maslivets und Martinez holen 2018 beim Weltcup in Hyéres Bronze © WC Hyéres

Die Spezialisten prüften den Bericht der Internationalen Jury in Aarhus, wie auch Unterlagen des spanischen Verbandes (RFEV), dem der Fall ebenfalls vorlag. Bei der Prüfung wurde die notariell beglaubigte Erklärung einer “Dritten Partei” vorgelegt. Dieser gab an, dass er selber und nicht Martinez, die Änderungen an dem Nacra17  vorgenommen habe.

Diese neue Eingabe führte bei World Sailing zu der Entscheidung, dass weitere Disziplinarmaßnahmen nicht gerechtfertigt sind. Damit hat auch der spanische Verband die Akte Martinez geschlossen. Zuvor zog er eine neunmonatige Sperre in Betracht. Die hätte das Team wohl der Chancen beraubt, sich für die Olympischen Spiele 2020 zu qualifizieren.

Über die Identität der “Dritten Partei”, der die unerlaubte Modifikation am Katamaran vorgenommen hat, ist im Report von World Sailing nichts bekannt geworden. Martinez und Maslavets segelten schon Ende Januar wieder beim Weltcup in Miami und zeigten sich mit dem starken siebten Platz unbeeindruckt von der Aufregung um das Verfahren.

Keiner Schuld bewusst

Martinez ist sich offenbar nach wie vor keiner Schuld bewusst, so wie er schon in Aarhus äußerte. Es werde sich alles klären, wenn man der Sache mit gesundem Menschenverstand auf den Grund gehe. Geklärt ist jetzt allerdings nur, dass er offenbar beweisen konnte, nicht selber die technische Veränderung vorgenommen zu haben. Nur dieser Umstand schützt ihn vor einer Sperre.

Es spielt offenbar keine Rolle, dass der Vorgang keinen anderen Schluss zulässt, dass eine Betrug-Absicht vorgelegen hat. Warum sollte sich jemand an einem Boot zu schaffen machen, um es zu beschleunigen, und der Skipper weiß nichts davon?

World Sailing ist offenbar jetzt erst die juristische Lücke bewusst geworden. Der Verband will eine Kommission ernennen, die in Zukunft solche Schlupflöcher ausschließt. Skipper und Eigner müssten für das Handeln derjenigen verantwortlich gemacht werden können, die für sie arbeiten. 

World Sailing Report zu Iker Martinez

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Faires Segeln: “Neue Beweise” – Olympiasieger Martinez kommt an einer Sperre vorbei“

  1. avatar PeterB sagt:

    Stehe ich voll und ganz dahinter !!!

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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