Fastnet Race: “Störtebeker” hält Gesamt-Platz 9 – “Varuna” bestraft – Geschichte der Sieger

Seekrank zum Sieg

Die britische JPK 11.80 “Sunrise” wird das Rolex Fastnet Race gewinnen und die französische Dominanz brechen. Die kleinen Yachten können berechnet nicht mehr aufholen. So behält “Störtebeker” Klassen-Silber und den sensationellen Top-Ten-Platz.

Beim vergangenen Rolex Fastnet Race 2019 hatten noch die Franzosen dominiert, indem sie neun der zehn Klassen gewannen. Der Sieg des amerikanischen Wizard-Teams, das die seit 2013 andauernde französische Siegesserie in der IRC-Gesamtwertung des Rennens unterbrach, war nur ein kleiner Schönheitsfehler. Besonders die britischen Gastgeber ärgerten sich über die Seemacht der Nachbarn.

Die IRC Siegeryacht kurz vor dem Ziel. © RORC/Paul Wyeth

Ausgerechnet 2021, als das Rennen erstmals im französischen Cherbourg endet, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Während der Brite Tom Kneens mit seiner JPK 11.80 “Sunrise” mit berechnet gut zwei Stunden Vorsprung so gut wie sicher die Gesamtwertung gewinnt – kleinere Yachten befinden sich noch im Rennen, liegen aber aussichtslos zurück – sieht es so aus, als wenn sich überhaupt kein französisches Team unter die Top Ten schieben könnte.

Bei den drei Klassenwertungen der größeren Yachten (IRC Zero, IRC 1, IRC 2) ergibt sich das gleiche Bild. Aus deutscher Sicht ist insbesondere IRC Zero spannend. Die Carkeek 47 “Störtebeker” bestätigt ihren sensationellen Silber-Platz in der Klasse mit 24 Startern.

Varuna hat offenbar die Sperrzone am Fastnet Rock berührt und eine Strafe erhalten.

“Varuna” allerdings verliert Bronze, weil die Jury nachträglich feststellte, dass die Yacht von Jens Kellinghusen offenbar das Sperrgebiet am Fastnet Felsen durchfahren hat. Das Tracker-Bild bestätigt nur dass es eine knappe Annäherung der Südwest-Ecke gab. Die Jury verfügt offenbar über genauere Daten. Die Strafe: Zehn Prozent Zeit-Aufschlag, Verlust der Podium-Platzierung in der Klasse (Platz 12).

Olympiasiegerin knapp geschlagen

In IRC 3 immerhin sieht es so aus, als wenn der JPK 1030 “Leon” mit Aleis Loison und Guillaume Pirouelle ein knapper Sieg für Frankreich gegen die Briten gelingen wird. Die Vorjahressieger ließen damit auch in der Zweihand-Wertung die Sun Fast 3300 “Swell” mit Doppelolympiasiegerin Shirley Robertson und Henry Bromby hinter sich. Robertson und Bromby hatten ihre Hochsee-Projekt eigentlich im Hinblick auf eine mögliche Olympia-Kapagne für Marseille 2024 gestartet.

Auch in IRC 4 liegen zwei französische Yachten vorne. Sie haben das Rennen allerdings noch nicht beendet.

Wie schwierig der Rennkurs zum Fastnet Felsen zu berechnen ist und wie viel Glück man benötigt, günstige Strömungen und entsprechenden Wind für eine gute Handicap-Platzierung zu erwischen, zeigt die Geschichte des Gesamtsiegers.

Sieger-Skipper Thomas Kneen hatte am ersten Tag schwer mit Seekrankheit zu kämpfen. © RORC/Paul Wyeth

Nach dem Start funktionierte die Kurswahl für “Sunrise” noch überhaupt nicht. Die Tide spielte nicht mit. Und Skipper Thomas Kneen sagt, er und ein weiteres Crewmitglied habe am ersten Tag schwer mit Seekrankheit zu kämpfen gehabt. “Ich bin der schwache Teil dieser Crew.”

Aber dann führte die Entscheidung, an der Ostseite des Verkehrstrennungsgebiets bei Land’s End zu passieren zum Erfolg. Nur eine weitere Yacht aus der Gruppe der Schnellsten entschied sich für diese Option.

Die Sieger-Crew beim Feiern. © RORC/Paul Wyeth

Als Sunrise am Dienstagabend den Fastnet Rock rundete, hatte sie bereits einen Vorsprung von 1 Stunde und 12 Minuten nach korrigierter Zeit herausgefahren. Doch der eigentliche Schlüsselmoment des Rennens kam nach der Passage des Lizard Points zum Ende des Rennens.

Dave Swete, der einzige Profisegler an Bord, erklärt: “Wir wurden von einem großen Hochdruckgebiet gejagt, das etwa 10 Knoten schnell war. Wir mussten also den ganzen Weg über schneller als 10 Knoten segeln. Uns hat es nicht erwischt, aber den Rest der Flotte.” Auch kurz vor dem Ziel passte das Timing. Sunrise erwischte ein perfektes Strömungsfenster, um die Linie bei leichtem Wind zu überqueren.

Rolex Fastnet Race Sieger: JPK 1180 “Sunrise” © RORC/Paul Wyeth

Der Rest der IRC 2-Flotte trieb dagegen westlich und südlich der Scilly-Inseln zu einem engen Pulk zusammen, der sich nicht aus der Umklammerung des Hochdrucks befreien konnte. Erst am frühen Morgen kam es zu einer Art Neustart in der Gruppe.

Die Parkplatz-Situation bei den Scilly-Inseln hatte auch verheerende Auswirkungen auf die kleineren IRC 3 Yachten. Sie trafen auf eine meteorologische Mauer und verloren die Aussichten auf den möglichen IRC-Gesamtsieg.

Ergebnisse IRC gesamt

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Fastnet Race: “Störtebeker” hält Gesamt-Platz 9 – “Varuna” bestraft – Geschichte der Sieger“

  1. avatar Weil von der Ahe sagt:

    Ich finde Sie sollten etwas mehr auf den Sieg von Störtebeker eingehen. Die Preise für schnellstes Ausbildungsschiff, bestes Schiff mit einer Crew ( Amateur) unter 30 und erstes Schiff mit einen weiblichen Skipper – Katrina Westphal neben Platz 9 in der Gesamtwertung scheinen mir mehr als nur eine Zeile würdig.

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