Fastnet Race: Überholmanöver vor dem Ziel – “Edmond de Rothschild” 58 Sekunden vor “Macif”

Vorbei geflogen

Die Ulitm-Trimarane haben beim Rolex Fastnet Race für ein spektakuläres Finish gesorgt. Auf den letzten Metern raste der Maxi “Edmond de Rothschild” noch an Franck Gabart vorbei. Die neue “Sodebo” konnte noch nicht mithalten.

Francois Gabart dürfte es wie ein Déjà-vu vorgekommen sein, als er mit seinem 32 Meter langen Trimaran “Macif” kurz vor dem Ziel des Rolex Fastnet Races mächtig unter Druck geriet. Auch ein James Spithill am Steuer von Macif konnte nicht verhindern, dass der jüngere Dreirumpfer aus dem Gitana Rennstall noch auf den letzten Metern vorbei flog. Bei der Route du Rhum hatte Gabart schon ein Foto-Finish gegen Francis Joyon verloren, und nun kann er erneut die knappe Führung  nicht verteidigen.

Während allerdings im November 2018 noch Flaute herrschte, Macif beschädigt war und Joyon im Einhand-Modus mit seinem deutlich älteren Ultim-Trimaran vorbei segelte, musste Gabart diesmal im Crew-Modus dem überlegenen Design den Vortritt lassen.

Bei “Edmond de Rothschild” handelt es sich um eine radikale für das Offshore-Foiling ausgelegte Konstruktion, Macif dagegen wurde erst im vergangenen Jahr nach dem Fabel-Rekord um die Welt aufwendig refittet, um mit der neuen Generation noch mithalten zu können.

Neustart von Gitana

Dazu gehörte “Banque Populaire”, die allerdings inzwischen nach dem Route du-Rum-Crash ein Wrack ist, und auch “Edmond de Rothschild” hatte mit schweren Schäden aufgeben müssen. Aber der Gitana-Rennstall hatte die Reparatur gemeistert, und er konnte nach der Trennung von Skipper Seb Josse mit dem Duo Caudrelier und Cammas einen Neustart angekündigen.

Der ist nun mit dem Fastnet-Race-Sieg auf spektakuläre Weise geglückt. Das Überholmanöver der seit der Rundung des Fastnet-Felsen führenden Macif gelang erst auf den letzten Metern. Dabei war es insbesondere ein günstiger Windeinfallswinkel, der es dem neueren Schiff erlaubte, seine Tragflächen effektiver zu nutzen als die Konkurrenten.

Gabart hatte schon auf die Anliegelinie zum Ziel gehalst und lag direkt vor dem Gegner. Da ist normalerweise nichts mehr zu machen und Franck Cammas bestätigte: “Bis fünf Minuten vor Schluss hätten wir nie gedacht, dass noch etwas möglich wäre.”

Aber dann segelte “Edmond de Rothschild” deutlich schneller einfach am Gegner vorbei. “Sie konnten abheben, während wir ein Problem mit unserem System zum Anstellen der Tragflächen hatten”, sagt Francois Gabart. “Wir lagen zwischen ihnen und dem Ziel und hatten einen Vorsprung von gut zwei Meilen. Aber dann wurde es schnell klar, dass wir sie nicht halten würden können.” Die Differenz betrug schließlich 58 Sekunden.

Gitana

Das Überholmanöver. Der Gitana-Tri rutsch in Lee vorbei. © Rolex / Carlo Borlenghi

Gitana

Verlorener Zweikampf. Macif muss den Gitana-Multi in Lee ziehen lassen, als der sich auf die Flügel hebt. © Rolex / Carlo Borlenghi

Mit der Zeit von 1 Tag 4 Stunden 2 Minuten unterbot Cammas den Fastnet Race Mehrrumpf-Rennrekord von Loick Peyron und der Crew von “Banque Populaire”  2011 um 4 Stunden 45 Minuten.

Fisch um Schwert gewickelt

Tatsächlich segelten die beiden riesigen Ultim-Trimarane während des gesamten Rennens absolut auf Augenhöhe und waren nie mehr als vier Meilen voneinander entfernt. “Edmond de Rothschild” wurde allerdings durch zwei Vorfälle gebremst.

Erst liefen sie  kurz nach der Solent-Passage mit einem Speed von 25 Knot in führender Position auf Grund und beschädigten die Spitze ihres Schwertes. Dann trafen sie kurz nach der Fastnet-Rundung einen großen Fisch und mussten stoppen, um ihn vom Schwert zu lösen. Dabei segelte Macif vorbei.

Gitana

Die siegreiche Gitana-Crew (v.r.): Franck Cammas / Charles Caudrelier, David Boileau, Erwan Israël, Morgan Lagraviere, Yann Riou © Paul Wyeth

Volvo-Ocean-Race Sieger-Charles Caudrelier sagt zum Sieg: “Es ist immer gut, Francois zu schlagen. Er ist ein starker Gegner mit einem guten Boot und gutem Team. Unser Boot ist unter bestimmten Bedingungen manchmal schneller, aber sie haben die Geschwindigkeit ihres Bootes verbessert und segeln sehr gut. Es war ein großer Kampf und hat viel Spaß gemacht.”

Spithill an Bord

An Bord von Macif segelte auch America’s Cup Sieger Jimmy Spithill, der zurzeit in Diensten von Luna Rossa steht, aber schon mehrfach mit Gabart gesegelt ist. Er war in letzter Minute für Pascal Bidegorry eingesprungen, der mit einer Rückenverletzung passen musste.

Gitana

Macif überholt Edmod de Rothschild kurz nach dem Fastnet Felsen. © Gitana

Spithill sagt: “Das war mein erstes Fastnet-Rennen. Es war sehr schnell und ich werde es wohl nie wieder so schnell absolvieren. Die Kraft dieser Boote ist unglaublich.”

Mit großer Erwartung war der erste große Rennauftritt des jüngsten Ultim-Trimarans der neuesten Generation erwartet worden – Sodebo. Der radikale Mittelcockpit-Foiler sollte auf dem Papier durchaus in der Lage sein, die Konkurrenz anzugreifen. Er konnte aber nie in das Duell an der Spitze eingreifen. Thomas Coville kam schließlich 1 Stunde 24 Minuten nach dem Sieger ins Ziel.

Rolex Fastnet Race Tracker

So segelt der Maxi:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Fastnet Race: Überholmanöver vor dem Ziel – “Edmond de Rothschild” 58 Sekunden vor “Macif”“

  1. avatar Roar sagt:

    Tja. Mich persönlich interessiert ja eher das Abschneiden der deutschen Jachten:

    Aktuell liegt bsw. die später gestartete, ohne Foils segelnde “Einstein” nur 19 sm hinter der Malizia.

    Riechers ist mit Ruderbruch ausgefallen.

    Line Honoers Monohull:

    13. Malizia
    19. Einstein
    25. Outsider

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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