Faszination 470er-Segeln: Höchstleistungen im Sturm vor Palma – Entscheidung gefallen

Überlebensbedingungen

Simon Diesch und Anna Markfort haben eine starke 470er-WM auf Platz vier abgeschlossen, aber den ganz großen Coup verpasst. Sie lassen der deutschen Konkurrenz ein Türchen offen.

Nach dem unglaublichen Doppelsieg-Tag von Simon Diesch und Anna Markfort schien für sie der Weg geebnet, eine echte Vorentscheidung im Kampf um das deutsche Olympia-Ticket sorgen zu können. Zudem konnten sie, fast schon nebenbei, Weltmeister werden.

Sie hatten die besten Karten in der Hand. Die Rennsieg kamen bei stärkeren auflandigen Bedingungen zwischen 14-16 Knoten zustande, bei denen sie schon immer zu den besten Crews der Welt gehören. Die führenden Japaner dagegen schwächelten bei Starkwind. Und der Wind sollte für die letzten beiden Tage zunehmen.

Diesch/Markfort lassen am vorletzten Tag zu viele Punkte liegen. © Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Tatsächlich weht er über 20 Knoten, dreht noch etwas weiter nach links und lässt dadurch noch größere Brecher in die Bucht von Palma rollen. Überlebensbedingungen sagt man dazu. Einige Crews kommen deutlich an ihre Grenzen. Insbesondere die afrikanischen Segler die auf den hinteren beiden Plätzen der gesamten Flotte um das Olympia-Ticket für ihren Kontinent kämpfen. Angola gewinnt schließlich vor Mosambik, obwohl sie am letzten Tag nicht das Ziel erreichen.

Die Bedingungen sollten dem Nord-Süd-Duo eigentlich bestens passen für einen Angriff auf die Medaillen. Aber dann läuft es auf der rechten Kreuzseite deutlich schlechter als erhofft und von Platz 25 an der Luvtonne endet die Aufholarbeit auf Rang 16. Im zweiten Lauf liegen sie dann nach der ersten Kreuz aussichtsreich auf 6, kommen aber auf dem ersten spitzen Spikurs nicht gut zurecht und verlieren untypisch auch noch vor dem Wind. Platz 17 im Ziel ist eine Enttäuschung, zumal tatsächlich die führenden Japaner bis auf Gesamtplatz 8 zurückfallen.

Die führenden Japaner segeln bei Starkwind im gelben Leibchen hinterher. © Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Aber Spanier und Briten trumpfen groß auf und auch die WM-Titelverteidiger aus Japan ziehen in der Gesamtwertung vorbei. Den Rückstand von drei Punkten wäre locker im Medalrace wettzumachen gewesen – aber wie es dann manchmal so ist, es läuft ganz besonders blöd. Der Wind weht am Sonntag so stark, dass Tonnen und Startschiff nicht verankert werden können. Das Medalrace fällt aus.

Platz vier bei einer WM ist für Diesch/Markfort immer noch herausragend, insbesondere mit dem zusätzlichen Druck der Olympiaqualifikation. Allerdings wäre so viel mehr möglich gewesen, auch im Hinblick auf die DSV-Ausscheidung.

Für Platz 4 sammeln sie nun 17 Punkte und führen die interne Tabelle deutlich an. Aber ein Sprung auf das Podium hätte ein beruhigendes Punktepolster und schon fast eine Vorentscheidung bringen können.

Das DSV-Punktesystem für die Olympiaqualifikation. Viele Bonuspunkte werden für WM-Podiumsplatzierungen vergeben.

Aber diesen Gedanken wollen die Quali-Sieger gar nicht erst zulassen. Markfort (30) sagt: „Unser Aufwärtstrend, den wir natürlich mit dem Gipfel im Sommer planen, setzt sich fort. Wir waren bei der WM besonders stark an den Tagen, an denen wir die Bedingungen gut verstanden und unseren Plan auch sauber umgesetzt haben.“

Diesch/Markfort am Wind. © Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Sie verweist darauf, dass der Teamgeist in ihrer Crew gestärkt sei: „Wir haben viel Zeit in die Arbeit mit unserer Sportpsychologin investiert. Das hat unser gegenseitiges Verständnis nochmal verbessert und uns gemeinsam noch stärker gemacht, als wir es ohnehin schon waren.“

Steuermann Simon Diesch sagte kurz nach der Finalabsage: „Wir hatten bis zuletzt gehofft. Wir sind hier angetreten, um unsere beste Leistung abzurufen. Was wir hier abgeliefert haben, zeigt auf jeden Fall, dass die Performance gut genug ist, Medaillen zu gewinnen. Wir stehen jetzt nicht auf dem Podium. Da wollen wir aber im Sommer stehen. Entsprechende Aufgaben liegen vor uns.“

Diesch/Markfort.
© Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Diesch freut sich über die 17 Punkte, aber er weiß, dass sie sich nicht zu sicher sein dürfen. „Das Blatt hat sich minimal zu unseren Gunsten verschoben. Aber die anderen beiden Crews sind auch sehr gut in der Lage, sich bei ein oder zwei Events nach vorne zu schieben.“

Winkel/Winkel auf dem Weg zum Starkwind-Sieg. © Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Die innerdeutsche Konkurrenz gibt sich längst nicht geschlagen. Insbesondere das letzte Starkwindrennen hat gezeigt, dass Winkel/Winkel und auch die Weltmeister Wanser/Autenrieth längst noch nicht aufgegeben haben. Sie sammelten als 12. und 13. jeweils 9 und 8 Punkte für die DSV-Wertung und liegen vor den nächsten beiden Regatten nicht so dramatisch zurück, wie es im Verlauf dieser WM zeitweise aussah.

Das entscheidende Finale im 11. Rennen GER 13 vor GBR 4 und GER 10. Alle Teams haben das Spifall gelöst um auf dem spitzen Kurs zum Ziel aufrecht segeln zu können. © Bernardí Bibiloni / www.bernardibibiloni.com

Stand in der 470er-Mixed-Ausscheidung für die Olympischen Spiele nach der ersten von drei Regatten:
1.    Anna Markfort/Simon Diesch (WYC/VSaW, JSC):    17 Pkt
2.    Malte Winkel/Anastasiya Winkel (SYC/NRV):            9
3.    Luise Wanser/Philipp Autenrieth (NRV/BYC):           8
4.    Theres Dahnke/Matti Cipra (PWV):                              4
5.    Theresa Löffler/Christopher Hoerr (DTYC/SCBC):    3

Besonders das letzte Rennen zeigt, auf welch hohem Niveau die deutschen Teams segeln.  An der Spitze kam es zu einem dramatischen Zweikampf. Wanser/Autenrieth schienen einen souveränen Rennsieg anzusteuern. Aber Winkel/Winkel holten von Platz 9 an der Luvtonne immer weiter auf und schoben sich schließlich kurz vor der letzten Tonne noch vorbei:

Guter Vorsprung für GER 10 an der letzten Luvtonne. Winkel/Winkel folgen auf Platz 4…

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Carsten Kemmling

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