Interview mit dem ex Partner von Boris Herrmann

Felix Oehme: Vom Weltumsegler zum Match Racer

Felix Oehme (r) führt nach dem Sieg bei der Weltumsegelung jetzt ein Match Race Team © Jakica Jesih

Felix Oehme hat vor einem Jahr das Portimao Race um die Welt zusammen mit Boris Herrmann auf einer Class 40 Yacht gewonnen. Nun ist er intensiv in das Match Racing eingestiegen und feierte seinen ersten größeren internationalen Erfolg in Slowenien. Im Interview spricht er über seine neuen Herausforderungen.

Felix, wie schwer ist dir der Abschied vom Offshore Segeln gefallen? Vermisst du den Southern Ocean?

Unser Beluga-Racer Projekt war eine so runde Sache, dass ich mich gerne an die Zeit zurück erinnere. Aber Wehmut habe ich nicht. Komisch, als wir unterwegs waren, wurde ich oft gefragt, was ich am meisten vermisse. Nun werde ich an Land gefragt, ob ich den Southern Ocean vermisse. Aber um auf die Frage zu antworten: Der Abschied ist mir nicht schwer gefallen, nicht weil es mit keinen Spaß gemacht hat, sondern gerade weil es das perfekte Jahr zum richtigen Zeitpunkt war.

Du hattest während des erfolgreichen Verlaufs  beim Portimao Race kurz mit einer Profi-Karriere im Hochseesegeln geliebäugelt, die Boris Herrmann nun durchzieht. Warum ist daraus nichts geworden?

Noch als wir als wir in Charleston waren, hatte mich ein Professor der Helmut Schmidt Universität in Hamburg informiert, dass ein Forschungsprojekt mit Airbus zustande käme und er dringend einen Mitarbeiter dafür suchen würde. Ich habe ihm zugesagt, was ich bis heute nicht bereue. Es geht um Brennstoffzellen zur Hilfsenergieversorgung für die nächste Flugzeugeneration. Wir sind ein großes Team aus drei Hamburger Unis und einer Airbusabteilung.

Wie ist dein Kontakt zu Boris Herrmann, der jetzt eine weitere Zweihand-Weltumrundung beim Barcelona World Race mit einem Open 60 plant? Wärst du gerne an seiner Seite?

Ich war letzte Woche bei ihm in Frankreich und bin mit seinem Partner Ryan und ihm auf dem neuen Open60 gesegelt. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt. So gut es halt geht, wenn einer in Frankreich der andere in Hamburg lebt und wir viel unterwegs sind. Gerade das Barcelona World Race reizt mich sehr. Aber für mich wäre das jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.

Du bist bei der Kieler Woche Formel 18 Katamaran an der Vorschot von Andreas John gesegelt und planst weitere Rennen. Was reizt dich daran?

Wir wollen nächstes Wochenende in Flensburg zusammen an den Start gehen. Für mich ist es eine tolle Möglichkeit Steuertechnik und Trimmwissen bei einem erfahrenen Steuermann abzuschauen und schnell zu segeln. Die F18 Klasse ist extrem sportlich und innovativ und hat trotzdem große Felder auf Ranglistenregatten, was mich beim 49er immer etwas genervt hat.

Dein Haupt-Segel-Projekt ist das NRV Match Race Team. Du hast dich vom längsten denkbaren Regattakurs um die Welt auf den kleinstmöglichen beim Match Race begeben. Das ist ein unglaublicher Spagat. Wie groß ist die Umstellung?

In den Jahren vor dem Portimao Global Ocean Race (PGOR) bin ich ein paar Jahre Match Race gesegelt. Daher ist es eher ein back to the roots. Ich glaube, dass der Trend bei aktiven Segeln ist, vielseitig zu sein.

Hübsche Gegner beim Match Race in Slowenien. © Jakica Jesih

Die Vorbilder machen es vor: Frank Cammas segelt auf seinem riesigem Tri in Rekordzeit um die Welt und ist dann auch im F18 vorne mit dabei. 49er Olympiasierger Iker Martinez nimmt nun beim Volvo Ocean Race teil. Und Match Race Weltmeister Adam Minoprio segelt das Volvo Ocean Race. Da die Offshoreboote immer jollenähnlicher werden und die Kommunikation bei Offshoreregatten immer ähnlicher zu Kursregatten, wachsen die ursprünglich sehr unterschiedlichen Disziplinen immer mehr zusammen.

Das große Problem beim Match Race ist die Organisation einer funktionierenden Crew auf einem hohen Niveau. Wie konntest du so schnell gute Segler rekrutieren?

Die Crew bestand und suchte einen Steuermann.

Ihr habt gerade mit Platz drei beim Grade 3 Macht in Izola/Slowenien euren größten internationalen Erfolg gefeiert. Wie ist das zu bewerten?

Wir wollen am Ende dieses Jahres zu den besten drei deutschen Match Race Crews gehören. Die Deutsche Meisterschaft ist ebenfalls als Grade3 eingestuft. Der Kurs stimmt!

Wie ist die Veranstaltung in Slowenien gelaufen?

Es war eine Regatta von Seglern für Segler. Wir haben uns extrem wohl gefühlt.

Beim Match Race fallen Reisekosten an. Wie kommt ihr damit klar? Bekommt ihr Unterstützung?

Die Firma Bockholdt und der NRV unterstützen und finanziell. Da wir quasi noch alle studieren haben wir zwar Zeit aber nur kleines Geld zu Segeln. Ohne unserer Förderer wären Regatten in Slowenien nicht drin. Segelbekleidung bekommen wir von Musto. Musto hat Boris und mich auch beim PGOR warm und trocken gehalten.

Wie bereitet ihr euch auf die Wettkämpfe vor? Habt ihr eine Chance zu trainieren?

Wir trainieren wöchentlich mit J22 auf der Alster. Diese Trainingseinheiten sind unsere solide Basis. Wir freuen uns immer, wenn es klappt, dass wir mit Silke Hahlbrock trainieren können. Das ist unheimlich intensiv.

Anfang Oktober startet die Deutsche Match Race Meisterschaft am Tegernsee. Titelverteidigerin  Kathrin Kadelbach und Deutschlands beste Match Racerin Silke Halbrock werden am Start sein. Seit Match Race die neue Olympia Frauen Disziplin ist bereiten sich die Damen deutlich professioneller vor als die Männer. Seit ihr am Tegernsee jetzt die Underdogs?

Ziel ist es unter die TOP 3 zu kommen. Die alte MatchRace Weisheit lautet doch. Ab Viertelfinale werden die Karten neu gemischt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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