Finn Dinghy WM: Giles Scott bester Segler der Welt? – Studie über die stärksten Athleten

Der Dominator

Giles Scott (28) dominiert die Finn Dinghy Klasse mit 13 Siegen in Folge. Dem 100 Kilo Athleten aus England gehört die Zukunft. Philipp Kasüskes Olympiatraum ist dagegen nur noch theoretisch existent.

Finn Dinghy Worlds

Ausreiten bis zu den Kniekehlen. Giles Scott, der Dominator. © Robert Deaves

Heutzutage wird es eigentlich immer schwerer im Segelsport, dominante Karrieren aufzubauen. Das Material ist in den Einheitsklassen nahezu ausgereizt, immer mehr Segler und Nationen haben Zugriff darauf und immer mehr Athleten betreiben den Sport als Vollprofis.

Da ist es umso erstaunlicher, wenn es Seglern gelingt, in einer Olympiaklasse eine langjährige Dominanz aufzubauen. Man muss schon über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. So wie Peter Burling und Blair Tuke im 49er, die seit 16 Rennserien ungeschlagen sind oder Mathew Belcher, der sechsmal hintereinander Weltmeister wurde im 470er und zwischendurch noch Olympia-Gold holte.

45 Punkte Vorsprung

Auf diesem Niveau bewegt sich auch Giles Scott (28), der bei der Finn Dinghy WM im neuseeländischen Takapuna schon zwei Rennen vor Schluss Gold gesichert hat und schließlich einen Vorsprung von 45 Punkten aufwies. Er ist der absolute Dominator der Klasse. Seit 2011 feierte er unglaubliche 17 Siege und musste nur einmal mit Rang zwei vorlieb nehmen. Der WM Sieg in Takapuna war jetzt schon der dritte WM Titel in Folge.

Der 1,98 große und 100 Kilo schwere Modell-Athlet hat bei der WM nur ein Rennen von 11 gewonnen, aber ihm gelang im Gegensatz zur Konkurrenz bei sehr unterschiedlichen Bedingungen eine unglaublich konstante Serie. Ohne Streicher hätte er gleich 75 Punkte vorne gelegen.

Sorgen muss ihm vielleicht nur der Franzose Jonathan Lobert machen. Bei Starkwind gelangen dem Olympia Bronze Gewinner von 2012 zwei überlegene Siege und der Sprung auf Rang zwei. Aber Scott musste sich zum Schluss auch nicht mehr vollends verausgaben.

Mittendrin im America’s Cup

Der Brite scheint immer noch besser zu werden. Und das hängt auch damit zusammen, dass er zu einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere schon mittendrin im America’s Cup Geschehen ist. Nach der knapp verlorenen Olympiaqualifikation 2012 gegen Ben Ainslie im Finn konnte der jungen Brite schon früh am Wissen der Erstliga-Profis teilhaben.

Finn Dinghy Worlds

Die Medaillengewinner (v. l.) Vasilij Zbogar (SLO). Giles Scott (GBR)und Jonathan Lobert (FRA) © Robert Deaves

Erst bestritt Scott einige AC45 Rennen für das Korea Team, dann wechselte er zu Luna Rossa und segelte mit dem AC72 in San Francisco. Vor einem Jahr holte ihn schließlich Ben Ainslie in sein America’s Cup Team.

Der Hüne ist prädestiniert für die kraftraubenden Aufgaben auf den schnellen Katamaranen inklusive Taktik-Verständnis. Die Zeit der Taktiker, die auf dem Achterschiff nur ihren Kopf einsetzen brauchten, ist längst vorbei.

Starboot-Vorschoter ganz stark

In einem ähnlich professionellen Umfeld kann Max Salminen aus Schweden arbeiten. Er ist beim Artemis Team engagiert und stand bisher aber immer im Schatten von Frederik Loof, mit dem er als Starboot-Vorschoter Gold in Weymouth 2012 gewonnen hatte.

Nun rutschte der 16. der Weltrangliste mit nur einem Punkt Rückstand am Bronze-Platz vorbei, zeigte aber einen nicht für möglich gehaltenen Aufstieg. Bronze holte schließlich Vasilij Zbogar mit 40 Jahren der älteste Segler aus der Finn Dinghy Weltspitze, der als einer der bekanntesten Sportler aus Slowenien schon zwei Olympia Medaillen (Silber 2008, Bronze 2004) im Laser gewonnen hat.

Die vier vakanten Olympia-Plätze sind nun an die Niederlande (6.), Griechenland (9.), Estland (11.) und Uruguay (17.) vergeben worden. In diese Regionen konnte Philipp Kasüske als einziger Deutscher am Start mit seinem 41. Platz dann doch nicht vordringen.

Kasüske verpasst Olympia-Ticket

Ein Platz wird zwar noch beim Weltcup in Palma vergeben, und das liegt im Bereich des Möglichen, da der nächste Anwärter Italien bei der WM 25. wurde. Aber das DOSB Kriterium ist nur schwer zu schaffen.

Bei der letzten Quali in Hyères müsste Kasüske mindestens Rang 12 erreichen, was sicher möglich ist. Aber bei der Gesamtwertung aus EM, WM und Hyères soll Deutschland unter den Top Ten Nationen liegen.

Aber dafür müsste sich schon eine sehr günstige Konstellation ergeben. Aber das deutsche Finn Dinghy Team ist noch jung, und es besteht die Hoffnung, dass sich für 2020 eine schlagkräftige Mannschaft formiert.

Härteste Segelklasse

Dafür ist besonders harte Arbeit im Fitness-Bereich notwendig. Eine aktuelle Untersuchung der Klasse belegt, dass das Finn Dinghy die körperlich anspruchsvollste olympische Klasse ist. Seit der Einführung der freien Pumpregel über 10 Knoten Wind, sind die Athleten noch fitter geworden.

Sie erreichen während des Rennens Herzfrequenzen von 80 Prozent des Maximums und bis zu 200 Schlägen in der Minute. Die Werte der Top Athleten bei Rudertests zeigen, dass sie auf höchstem Niveau liegen.

Auch die körperlichen Voraussetzungen ähneln denen der Ruderer. Die besten Finnsegler sind um 1,90 Meter groß und bringen im Durchschnitt 96,9 Kilogramm auf die Waage.

Ergebnisse Finn Dinghy Worlds 2015

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Finn Dinghy WM: Giles Scott bester Segler der Welt? – Studie über die stärksten Athleten“

  1. avatar Anwalt sagt:

    “Der Hühne ist prädestiniert für….”

    Vermutlich ist der “Hüne” gemeint, der auf das Reitervolk der “Hunnen” zurückgeht und einen grossen, muskulären Menschen beschreibt. 🙂

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