Finn EM: Finn Dinghies vor Cadiz am Limit – Das harte Los von Kronprinz Wright

"Ich habe jede Sekunde genossen"

Finnsegler sind die Härtesten. In Cadiz erhielten sie bei der EM das Spielfeld, auf dem sie sich wohlfühlen: 30 Knoten Wind und eine aufgewühlte See. Achtung: Das Video könnte seekrank machen!

Der Brite Ed Wright befindet mit 40 Jahren für einen Finnsegler schon im biblischen Alter. Und man könnte sich wundern, dass gerade er den Titel bei der zweit wichtigsten Klassen-Regatta des Jahres gewonnen hat. Denn das Video zeigt, wie brutal die Bedingungen waren. Es gibt zahlreiche jüngere Kollegen, deren schiere Kraftwerte die seinigen übertreffen und die zuletzt im olympischen Rampenlicht glänzen konnten.

Olympia-Bronze-Gewinner Caleb Paine (USA) bei 24 bis 30 Knoten im Medalrace:

Wright dagegen erleidet ein hartes Schicksal. 13 Jahre lang segelt er schon Finn Dinghy, und sein einziges Problem ist es, im falschen Land geboren zu sein. Zwar ist er ein großartiger Segler, aber immer wenn es wichtig wird und die Olympiafahrkarte auf dem Spiel steht, gibt es noch größere.

Ed Wright bohrt seinen Bug in eine Welle. © Robert Deaves

In England musste er sich bis 2012 zuerst mit dem fast gleichaltrigen Ben Ainslie auseinandersetzen, danach übernahm dann Giles Scott dessen Zepter. Und es hat den Anschein, dass der das kurz vor Peking erneut tun will.

Punkten, wenn der König fehlt

Wright scheint sich aber mit der Kronprinzen-Rolle abgefunden zu haben. Er punktet eben einfach dann, wenn der jeweilige König nicht am Start ist. So wurde er vor acht Jahren Weltmeister, als Ainslie fehlte und holte in der Folge immerhin vier WM-Medaillen.

Finn Dinghy

Die Top Ten auf der harten Kreuz vor Cadiz. © Robert Deaves

Nun war in Cadiz bei der EM Olympiasieger Giles Scott nicht am Start, und Wright segelte besonders motiviert zu seinem zweiten EM-Titel. Seit Januar ist er auch in der Weltrangliste die Nummer eins und dennoch gilt er in der Segelwelt als eher unbeschriebenes Blatt.

Finn Dinghy

Wright mit starkem Start im Medalrace. © Robert Deaves

In Spanien half ihm die Erfahrung. Denn die neun Rennen in der 91 Boote-Flotte waren beileibe nicht alle von Starkwind geprägt. Zu Beginn musste man auch bei Leichtwind punkten. Und das gelang im Gegensatz zur Konkurrenz nur ihm und dem zwölf Jahre jüngeren Holländer Nicholas Heiner.

Tragischer Held

Auch der ist ein tragischer Held. Denn 2014 wurde er nach relativ kurzer und steiler Karriere im Laser zwar Weltmeister und war damit auch Olympia-Gold-Kandidat, aber er  verlor schließlich das interne Rennen um die Fahrkarte nach Rio. So stieg er vor gut einem Jahr in das Finn Dinghy um, nahm deutlich mehr als 10 Kilogramm an Körpergewicht zu, und scheint sich in der neuen Klasse ziemlich wohl zu fühlen.

Finn Dinghy

Finn mit Foils? Erstaunlich, wie agil die älteste olympische Bootsklasse sein kann. © Robert Deaves

Finn Dinghy

Im Wellental. © Robert Deaves

Finn Dinghy

Heiner kentert am Titel vorbei. © Robert Deaves

Das Medalrace bei den brutalen Cadiz-Bedingungen war dann aber für den Sohn des Olympia-Finn-Bronze-Gewinners 1996 Roy Heiner zu viel. Er kenterte zweimal und wurde Letzter. Damit verlor er Gold an Wright.

“Das war ein verrücktes Rennen”, sagt der Brite. “Ich sah Heiner schon beim Fünf-Minuten-Schuss kentern und realisierte, dass die Bedingungen nicht nur für mich hart waren. Dann hatte ich einen guten Start, überholte Heiner sofort und versuchte, ihn etwas zurückzusegeln, aber trotzdem beim Feld zu bleiben. Denn ich musste Punkte zwischen uns bringen. Dann gings nur noch darum, oben zu bleiben. Diese Wellen und das Rennen waren großartig. Ich habe jede Sekunde genossen. Ich bin so glücklich, erneut diesen Titel gewonnen zu haben.”

Die drei deutschen Segler konnten noch nicht punkten, wie erhofft. Philipp Kasüske verpasste nach einem Frühstart im letzten Rennen die Top 20 als 24. Max Kohlhoff wurde nach zwei Frühstarts 35. Simon Gorgels segelte auf Rang 47.

Fun Fact am Rande: Zwei America’s Cup “Radler” vom Team New Zealand zeigen, dass sie durchaus segeln können. Josh Junior wurde Vierter und Andy Maloney 11.

Final Results (Top 10 von 91)
1 GBR 11 Edward Wright 57 (5)
2 NED 89 Nicholas Heiner 60 (9)
3 SWE 33 Max Salminen 71 (2)
4 NZL 24 Josh Junior 73 (1)
5 USA 6 Caleb Paine 73 (3)
6 GBR 91 Ben Cornish 92 (6)
7 BRA 109 Jorge Zarif 97 (DSQ)
8 CRO 1 Josip Olujic 99 (4)
9 FRA 112 Jonathan Lobert 101 (7)
10 GRE 77 Ioannis Mitakis 110 (8)

Ergebnisse Finn Dinghy EM 2018 Cadiz

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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