Finn Masters Worlds: 353 Ü-40-Segler – Gus Miller ist der Älteste von fünf Super-Legenden

"Die Jahre fallen von mir ab"

Während die Segelwelt diskutiert, ob das Finn Dinghy noch einen Platz bei Olympia verdient hat, stehen in Spanien 353 Segler bereit, um die World Masters WM auszusegeln. Gus Miller ist mit 83 Jahren der älteste.

Gus Miller ,Finn dinghy

Die 85-jährige Finn Dinghy Super-Legende Gus Miller. © Robert Deaves

Ist das jetzt ein Argument für oder gegen das Finn Dinghy als Olympiaklasse, wenn 353 Segler älter als 40 Jahre bei der Masters WM im spanischen El Balís antreten? Einerseits zeigt es die Popularität der Klasse – und dass Männer im höheren Alter durchaus schon mal die 90 Kilogramm-Marke erreichen – andererseits macht es bewusst, wie lange es das Finn schon gibt – 69 Jahre! In der Zwischenzeit sollte die Zeit doch nicht still gestanden haben. Es müsste es etwas Moderneres geben, wenn man die Jugend der Welt begeistern will.

Wie auch immer, das Finn Dinghy ist ein Phänomen. Und keiner stellt es besser dar, als der Amerikaner Gus Miller, mit 83 Jahren der älteste Teilnehmer bei der Masters WM in Spanien. Er startet als einer von fünf Segler in der Kategorie “Super Legends”, die älter sind als 80 Jahre. Für ihn ist das Sportgerät ein “Jungbrunnen”.

Der pensionierte Lehrer erzählt im Interview mit Robert Deaves am zweiten Flautentag der WM über sich und sein Finn-Dinghy-Leben. Er sei relativ spät zum Segeln gekommen, und vielleicht reichte es deshalb nicht zu den ganz großen Siegen.

“Schritt in eine andere Welt”

Einmal sorgte er für Aufsehen, als er noch im Alter von 56 Jahren ein Rennen beim Gold Cup gewinnen konnte. Und 1976 stand er kurz davor, das Olympia-Ticket zu lösen. Schließlich kam er als Ersatzmann mit nach Montreal. Später startete er dann eine lange Karriere als Coach im Segeln. Unter anderem führte Miller ein Programm, um Segler aus der Dritten Welt zum Finn Dinghy zu bringen, oder er betreute eine Gruppe bei ihrer gemeinsamen Olympia-Kampagne. Der Italiener Luca Devoti, der 2000 sensationell eine Silbermedaille im Finn Dinghy gewonnen hat, nennt ihn seinen “ersten und liebsten Coach”.

Gus Miller Finn dinghy

Der Amerikaner mit Hänge-Hose. © Robert Deaves

Zur Faszination Finn Dinghy im hohen Alter sagt er: “Ich bin glücklich, dass ich in meinem Alter noch auf das Boot steigen und es segeln kann. Das ist immer ein Schritt in eine andere Welt.” Dabei stellt er einen Vergleich zum weltberühmten spanischen Cellisten Pablo Casals, der noch im Alter von 93 Jahren täglich vier bis fünf Stunden am Cello. Seine Antwort auf die Frage, warum er das noch mache, ist legendär: “Ich habe den Eindruck, ich mache Fortschritte.”

“Wenn Casals auch am Ende seiner Tage noch mit seinem Cello im Stuhl saß, war er wieder 30 Jahre alt”, sagt Miller. “Wenn ich auf das Boot steige fallen von mir auch plötzlich die Jahre ab. Die Konzentration kommt zurück und auch der Fokus. Mein Körper fühlt sich jünger an.

Gus Miller Finn dinghy

Miller mittendrin. © Robert Deaves

“Es ist so, wie beim Fahren eines Maseratis, dem besten Sportwagen, den man sich denken kann. Dieses Teil reagiert so feinfühlig, dass es sich großartig anfühlt. Es gibt sehr wenige Boote, die diese Sensibilität aufweisen. Das Finn ist so anspruchsvoll, dass niemand es jemals vollständig beherrschen kann. Und wenn man mit ihm Rennen segelt, tritt man nicht so sehr gegen die anderen an, sondern mehr gegen sich selbst.”

Vom Ringen zum Segeln

Vor dem Segeln war Miller ein Ringer. Als Soldat, der auch in Korea diente, nahm er 1956 an der Olympia-Ausscheidung teil und qualifizierte sich für die Finalrunde. Das Ticket verpasste er und versuchte es 1960 erneut, aber mit dem gleichen Ergebnis.

1964 war die Ringer-Karriere plötzlich beendet nach einer Schulter-Verletzung und Miller wechselte als Flying-Dutchman-Vorschoter zum Segeln. Ein fünfter Platz bei der kanadischen Meisterschaft qualifizierte ihn im Alter von 38 Jahren für einen Platz beim ersten Whitbread Round the World Race. Aber schließlich entschied er sich für eine ernsthafte Finn-Dinghy-Kampagne und blieb der Klasse seitdem eng verbunden.

Zwei Tage musste Miller wie seine Kollegen schon auf Wind warten. Aber für heute seen die Prognosen für El Balís besser aus. Maximal drei Rennen können an einem Tag gesegelt werden. Die WM dauert noch bis morgen an. Am 25.5. soll das Medalrace der Top-Ten ausgesegelt werden.

Aus deutscher Sicht können drei starke Segler weit vorne erwartet werden. André Budzien hat schon zweimal den Titel geholt,  Uli Breuer schon mal Bronze gewonnen und intensiv trainiert und auch ex Weltmeister Thomas Schmidt will es noch einmal wissen.

Event Website Finn World Masters

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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