Halbe deutsche Führung beim Olympia Weltcup in Weymouth

Frithjof Kleen auf Siegkurs nach Trennung

Bild aus besseren Tagen. Alexander Schlonski und Frithjof Kleen. © EWE

Bei dem britischen Olympic Worldcup Sail for Gold auf dem zukünftigen Olympiarevier in Weymouth läuft es für die deutschen Starter eher durchwachsen. Aber ein deutscher Segler behauptet zur Halbzeit eine zehn Punkte Führung an der Spitze. Starboot-Vorschoter Frithjof Kleen hat acht Weltmeister unter Kontrolle. Allerdings ist er nicht mit Stamm-Steuermann Alexander Schlonski am Start. Das deutsche Erfolgs-Duo hat sich getrennt.

Frithjof_Kleen, einer der besten deutschen Starboot-Vorschoter © EWE

Die Entscheidung fiel kurz vor der Kieler Woche. Frithjof Kleen schreibt auf seiner Homepage: „Das Aus kam für mich überraschend“. In England segelt Kleen mit dem irischen Steuermann Peter O’Leary zusammen, dem 13. der vergangenen Olympischen Spiele.

Die Verbindung kommt über den deutschen Starboot-Olympiateilnehmer Marc Pickel zustande, der als Coach für O´Leary arbeitet und ein eigenes Starboot-Design auf dem Markt hat. Außerdem ist Kleen Sportsoldat und hat Zeit an seiner Segel-Karriere zu feilen.

Der aktuelle Erfolg des internationalen Mixed Teams scheint überraschend. Aber O´Leary und Kleen haben schon intensiv miteinander trainiert. Kleen erklärt: „Wichtig war und bleibt mir, auch in Zukunft auf höchstem Niveau Starboot zu segeln. Weil das in Deutschland zumindest aktuell unmöglich scheint aber weiter oberste Priorität hat, habe ich Anfang Juli eine Woche mit dem irischen Steuermann Peter O’Leary vor Weymouth trainiert.

So bleibe ich auf Ballhöhe und entwickle mich weiter. Als Coach war in England Marc Pickel im Einsatz, dessen neuen von ihm entwickelten P-Star O’Leary segelt. Von Marc habe ich sehr viel gelernt und der P-Star scheint ein großartiges Boot zu sein. Zu unserer Trainingsgruppe zählten Falvio Marazzi aus der Schweiz, Weltmeister Hamish Pepper aus Neuseeland, Diego Negri aus Italien und Weltmeister Xavier Rohart aus Frankreich.

Der Ire Peter O´Leary mit dem Berliner Frithjof Kleen im gelben Trikot beim Weymouth Weltcup © On Edition

Anschließend habe ich am Gardasee mit Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt gesegelt und trainiert. Als Sparringpartner war unter anderen der schwedische Weltmeister Freddy Lööf mit dabei. Ich nutze diese Einsätze als Trainingsmöglichkeit auf höchstem Niveau, profitiere sehr davon.

Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass auch einer der deutschen Steuerleute mal einen Ausfall zu verkraften hat und einen guten Ersatzmann braucht. Ich möchte weiterhin fit bleiben und vorbereitet sein.
“

Es ist immer schade, wenn sich ein Segelteam trennt. Besonders diesem Duo Schlonski/Kleen war eine großartige Zukunft vorausgesagt worden, nachdem es in der ersten gemeinsamen Saison 2009 auf Anhieb vierte bei der WM geworden waren und sich auch 2010 mit WM Platz zwölf in der Weltspitze behaupten konnten.

Schlonski hatte 2008 mit einer herben Enttäuschung zu kämpfen, als sein überragender sechster Platz bei der Laser Weltmeisterschaft nicht für die Olympiafahrkarte nach China ausreichte. Aber er stieg mit Kleen in das Starboot um und war auf Anhieb erfolgreich.

Kleen hat nun den ex Steuermann Alexander Schlonski inzwischen von der ehemals gemeinsamen Website verbannt, die Kurs2012.de hieß und viele Spuren der gemeinsamen Segelzeit gelöscht. Dabei sind Trennungen in der Olympischen Segelszene keine Besonderheit. Ein Duo muss schon sehr genau zusammen passen, damit es den Belastungen einer vierjährigen Olymiakampagne aushält.

Alexander Schlonski in Weymouth mit neuem Vorschoter Finn-Segler Mathias Bohn. © OnEdition

Schlonski segelt in Weymouth mit dem Rostocker Finnsegler und NDR Redakteur Mathias Bohn zusammen, der auf einer spannenden privaten Homepage über seine Segelerlebnisse berichtet. Auf der NRV Seite sagt Schlonski:  „Nach Weymouth wollen wir entscheiden, ob wir weiter zusammen segeln. Wir müssen schauen, ob es passt“.

Bis jetzt kommt das neue Team in England aber noch nicht optimal zurecht. Es liegt nach acht Rennen auf Platz 30. Immerhin gelang ein achter Rang als Talentplatz. Bestes deutsches Team ist Polgar/Koy auf Rang neun.

Olympische Perspektive hat die Verbindung zwischen Kleen und seinem irischen Steuermann nicht, solange der Berliner nicht die Staatsbürgerschaft wechselt. Aber wer weiß? Vielleicht versucht sich ja Marc Pickel noch einmal in der Olympiaklasse? Die Fähigkeit, vorne mitzuspielen hat der Kieler schon oft bewiesen. Und vielleicht baut er in seiner Werft noch einen weiteren Wunder-Star zusammen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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