Golden Globe: Favorit Péché dreht ab nach Kapstadt – 1500 Meilen ohne Selbststeuerung

"Wenn dein Schiff verwundet ist, bist du es auch"

Der Zweitplatzierte Philippe Péché (57) hat seine Notlage bei der Golden Globe auf dem einigermaßen behoben, muss aber einen Stopp in Kapstadt einlegen. Er fällt damit aus der Gesamtwertung.

Philippe Péché auf seiner “PRB”. Rot umkreist die Alu-Stange, die an der Windfahnen-Selbststeuerung brach. © Christophe Favreau

Der Franzose Philippe Péché aus La Trinité Sur Mer, der das Golden Globe Race (GGR) seit dem Start von Les Sables d’Olonne am 1. Juli fast ununterbrochen angeführt hatte, muss den bitteren Weg nach Kapstadt antreten. Bei 25 Knoten Gegenwind kommt er nur mit 2,9 Knoten voran, und erwartet, dass der Schlag bis zum Kap noch  13 bis 17 Tage dauert. Dabei muss er auf die Hilfe der Selbststeueranlage verzichten. Die Reparatur am Aluminium-Gestänge seiner Rustler 36 “PRB” ist fehlgeschlagen.

Péché hatte die Organisatoren am Freitag zum ersten Mal über die gebrochene Pinne informiert. Aber seine Probleme mit der Windfahnen-Steuerung hatten schon früher in der Woche begonnen. Reparaturversuche mit einem Ersatzrohr scheiterten. Als auch noch die Pinne am Ende vergangener Woche bei 45-50 Knoten Wind brach, fehlten ihm die Ersatzteile.

Péché schickte am Freitag um 18:10 UTC einen Notruf an das Golden Globe Race Hauptquartier, indem er ein Satellitentelefon benutzte, das alle Teilnehmer für den Einsatz in solchen Situationen mit sich führten. Die Skipper können die Rennleitung und die Rettungsdienste auf diese Weise jederzeit erreichen, aber das Benutzen des Satellitentelefons zählt als Bruch der strengen Regeln dieses Retro-Nonstop-Weltrennens. Zumal er auch mit seinem Team an Land telefonierte, um wohl auch die Reparaturmöglichkeiten zu diskutieren.

Unerlaubte Kommunikation

Der Rennleiter Don McIntyre bestätigt, dass Péché schon deshalb aus der Gesamtwertung genommen wurde und nur in der Chichester-Klasse geführt wird. Die unerlaubte Kommunikation wird so gewertet, als wenn er einen Halt gemacht hätte.

Der Ire Gregor McGuckin auf seiner Biscay 36 Ketsch MARY LUCK. © Gregor McGuckin/GGR/PPL

Wenn er jetzt also nach Kapstadt fährt, wäre das ein zweiter Verstoß und er scheidet aus dem Rennen aus. McIntyre sagt: “Er könnte allerdings eine Zeitstrafe für den Anruf beantragen (wie es Istvan Kopar nach seinem Aufenthalt auf den Kapverdischen Inseln vor zwei Wochen getan hat), und wir werden das noch einmal überdenken.

Denn soweit wir feststellen können, hat er keine andere materielle Unterstützung als psychologische Unterstützung erhalten. Wenn das gelingt, wird er wieder in das GGR aufgenommen und kann nach seinem Aufenthalt in Kapstadt in der Chichester-Klasse weitermachen.”

“Nutzloses Stück Ausrüstung”

Nabil Amra, der in den USA lebende Palästinenser, der sich vor zwei Wochen nach einem ähnlichen Schaden an seiner Windfahnen-Steuerung aus dem GGR zurückziehen musste, äußert großes Verständnis für die Situation von Philippe.

“Ich drücke Philippe die Daumen. Seine Position auf dem Wasser ist ein schlechter Ort für einen solchen Schaden. Ich kenne die Gefühle, die in ihm aufsteigen, wenn er das nutzlose Stück Ausrüstung sieht, das an seinem Heck hängt. Wenn er die 1.500 Meilen bis Kapstadt geschafft hat, wird er komplett zerstört sein.

Alle sagen, dass man das Rigg so ausbalancieren soll, dass das Boot selbst segelt. Aber es wird nicht einfach sein. Bei jeder dritten Welle kommt man vom Kurs ab. Er wird nicht lange dafür brauchen, um zu erkennen, wie sinnlos das ist. Er nuss wohl 18 Stunden am Tag per Hand steuern. Jetzt beginnt das Seelensaugen! Nun startet das eigentliche “Rennen” von Philippe. Ich bin aber sicher, er wird uns alle überraschen. Aber wenn dein Schiff verwundet ist, bist du es auch! Er ist in meinen Gedanken!”

Gesund nach Kapstadt

Jean-Jacques Laurent von Péchés PRB-Team fügt hinzu: “Philippe hatte seit dem Start von Les Sables d’Olonne ein bemerkenswertes Rennen. Wir wussten, dass dieses Golden Globe Race besonders schwierig sein würde. Es ist ein extremes Rennen. Philippe hat nach guter Seemannschaft entschieden. Unsere Priorität ist, dass er gesund in Kapstadt ankommt und dass er PRB reparieren kann. Wir wissen, wie wichtig dieses Rennen für ihn ist und er hat unsere ganze Unterstützung, um wieder in der Chichester-Klasse zu starten.”

Der Franzose Jean-Luc Van Den Heede, der auf seiner Rustler 36 “Matmut” am nächsten bei “PRB” segelt, führt das Rennen weiterhin an. Der 73-Jährige liegt rund 575 Meilen vor dem zweitplatzierten Niederländer Mark Slats (Rustler 36 “Ohpen Maverick”), der sich für die längere westliche Passatroute entschieden hat.

Er versucht gerade, auf einem Südkurs, ein Hochdrucksystem zu umfahren, das Van Den Heede noch große Probleme bereiten kann.  Slats könnte mit dem nächsten Tiefdrucksystem von Westen die Lücke zur Spitze schließen oder sogar in Führung gehen.

Die Norwegerin Are Wiig (OE 32 “Olleanna”) hat sich am Wochenende auf den 3. Platz vorgearbeitet und die Estin Uku Randmaa (Rustler 36 “One and All”) verdrängt. Die Britin Susie Goodall, die am vergangenen Freitag berichtete: “Ich habe ein ganz tolles Windloch im Südatlantik gefunden” ist nun wieder in Fahrt gekommen. Zwölf Einhandsegler befinden sich noch offiziell im Rennen. Sie alle liegen deutlich vor der virtuellen Position der “Suhaili”, mit der Robin Knox-Johnstone 1968 das erste Rennen einhand um die Welt bestritt.

Tracker Golden Globe Race

Van den Heede in Führung, Péché neben ihm (orange) kommt wieder gut voran.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Golden Globe: Favorit Péché dreht ab nach Kapstadt – 1500 Meilen ohne Selbststeuerung“

  1. avatar Andi sagt:

    Die Norwegerin Are Wiig (OE 32 “Olleanna”) hat sich am Wochenende auf den 3. Platz vorgearbeitet und die Estin Uku Randmaa (Rustler 36 “One and All”) verdrängt.

    Mal die Bilder der beiden angesehen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

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