Golden Globe: Mit Tape den Mast gerettet – Wie Van Den Heede die Aufgabe verhinderte

"In meinem Alter nicht in Ordnung"

Jean Luc Van den Heede wird als Seeheld gefeiert, seit er das Golden Globe Race nach 211 Tagen als Sieger beendet hatte. Er berichtet, wie knapp es war. Siebenmal kletterte der 72-Jährige in den Mast.

Jean Luc Van Den Heede in Triumph-Pose. © Christophe Favreau/GGR

Es passierte im November mitten im Südpazifik. Bei 65 Knoten Wind und 11 Meter hohem Seegang schlug Van Den Heedes Rustler 36  mit dem Rigg auf das Wasser.  Der Mast blieb zwar senkrecht, aber es brach ein Verbindungsbolzen, der die Unterwanten auf der Backbordseite des Profils befestigte. Der Franzose konnte keine Spannung mehr auf das Rigg geben.

So wollte er nicht weiter segeln. Er wendete den Bug Richtung Chile, um dort den Schaden zu beheben. Das hätte wohl den Sieg gekostet.

Die Baustelle an der Saling. Tape hilft. © Christophe Favreau/GGR

“Drei Tage lang dachte ich darüber nach, wie ich das Boot retten könnte”, sagt Van den Heede bei der Pressekonferenz. “Dabei bin ich vom Kurs abgekommen. Ich begann, meinen Zwischenstopp in Chile zu planen…. und dann sagte ich mir: Es ist jetzt einfach so…. verdammt noch mal! Ich dachte, ich versuche es. Schließlich hatte ich bis dahin noch nie ein einziges Rennen aufgegeben. Aber ich gebe zu, das Klettern ins Rigg ist in meinem Alter nicht mehr in Ordnung. Ich bin siebenmal hoch! Das Schlimmste war, dass ich versuchen musste, die Bolzen zu lösen. Es ist schon nicht einfach in einer Werkstatt an Land, aber sechs Meter weit oben auf einem schwankenden Mast…”

© Christophe Favreau/GGR

© Christophe Favreau/GGR

Van Den Heede segelte “Matmut” danach auf dem Atlantik sehr langsam gen Norden. Besonders auf dem Bug mit dem Rigg-Schaden nahm er viel Druck raus, um die notdürftige Reparatur nicht zu gefährden. Dabei reduzierte der Niederländer Slats den Rückstand von fast 2.000 Meilen auf weniger als 100. Mitte Januar wies der Tracker einen theoretischen Vorsprung von nur noch 49 Meilen aus. Aber Van Den Heede lag deutlich besser zum Azoren-Hoch positioniert.

Empfangskomitee in Les Sables. ©GGR

So konnte Van Den Heede konnte seine Führung in den letzten Wochen behaupten. In der Biskaya wurde seine Reparatur noch einmal bei 50 Knoten Wind und 7 Metern hohen Wellen getestet, aber schließlich erreichte er die Ziellinie vor Les Sables, wo er in einer Wohnung am Meer wohnt. Trotz anhaltenden Regens und beißenden Kälte säumten die Fans den berühmten Kanal der Hafeneinfahrt und feierten ihren Lokalhelden. Solche Geschichten lieben sie.

Die Rustler 36 erreicht in bestem Zustand unter Spi die Ziellinie. © Christophe Favreau/GGR

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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