Golden Globe: Norweger erreicht Kapstadt unter Notrigg – Franzose gibt verletzt auf

Wie auf Beton gefallen

Are Wiig, der norwegische Golden-Globe-Skipper, der vor gut einer Woche auf seiner OE 32 im Süd-Atlantik den Mast verlor, hat sich selbst gerettet. Er baute ein Notrigg und lernte ein wichtiges Utensil schätzen.

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Der Norweger Are Wiig kommt nach 400 M;eilen unter Notrigg in Kapstadt an.© Eban Human

Die 400 Meilen zum rettenden Hafen in Kapstadt hat der 58-jährige Norweger Are Wiig sicher gemeistert. Nach seiner Durchkenterung inklusive Rigg-Verlust dockte er mit dem letzten Tropfen Sprit beim Royal Cape Yacht Club an.

“Seine Yacht ‘Olleanna’ hat eine höllische Tracht Prügel einstecken müssen”, sagt Peter Müller, ein Segler aus Kapstadt, der Wiig bei einbrechender Dunkelheit am Steg erwartete. “Der Mast ist an mindestens zwei Stellen gebrochen und die Teile sind an Deck festgezurrt. Ein Fenster ist zerbrochen und das Deck aufgerissen. Die Schäden und Risse auf der Steuerbordseite gehen durch das ganze Boot gingen.” Eine solche Art von Schäden habe Müller bei seiner Arbeit als Yachtgutachter nur gesehen, als Boote an Land auf Beton gefallen sind.

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Das zerschmetterte Fenster und das gerissene Deck auf Are Wiig’s OE 32 Yacht Olleanna
© Peter Muller

Wiig lässt noch einmal die schicksalhafte Episode Revue passieren. Er lag beigedreht im Sturm und hatte begonnen, zum zweiten Mal in zwei Tagen die Selbststeuerung zu reparieren. Er stand im Niedergang, wo er oben den Schraubstock montiert hatte. Ein beschädigtes Teil der Anlage war eingespannt. Dann plötzlich, ohne Warnung, wurde das Boot von einer riesigen Welle hochgehoben und fiel dann tief ins Tal.

“Beeindruckende Person”

“Olleanna” erlitt einen Schaden am Heckkorb und konnte nur noch teilweise gesteuert werden. Schließlich schaffte es der Skipper doch noch, die Selbststeueranlage zu reparieren und sie funktionierte sogar mit dem Jury-Rigg, das er mit zwei Spinnakerbäumen so bauen konnte, wie er es vor dem Start geübt hatte. So konnte er etwas schlafen.

Der Haupttank für Diesel war verschmutzt und unbrauchbar. Deshalb hatte er nur die 15 Liter aus dem Tagestank zur Verfügung, was ihm 20 Stunden langsames Fahren ermöglichte. Muller schildert seinen Eindruck von dem Norweger. “Ihm geht es gut. Er ist ohne Beschwerden und schildert sehr sachlich und freundlich. Eine beeindruckende Person!”

Radarreflektor

Ein aufblasbarer Notfall-Radarreflektor vom Typ Echomax. © Echomax

Wiig betont, wie wichtig das Yellow Brick Satelliten-Tracking-System für ihn ist. Es zeigt der Wettfahrtleitung jede Stunde seine aktuelle Position, und darüber können auch Textnachrichten zwischen dem Boot und Rennleitung verschickt werden. “Es ist gut zu wissen, dass die Leute auf uns aufpassen.”

Als besonders nützliches  Ausrüstungsteil hat sich ein aufblasbarer Notfall-Radarreflektor vom Typ Echomax erwiesen, den Wiig nach dem Riggverlust im Heckbereich seiner Yacht platzierte. Damit machte er sich bei einem vorbeifahrenden Schiff bemerkbar, das ihn einige Tage vor der Ankunft in Kapstadt ortete. Der Kapitän bot seine Hilfe an, aber Wiig lehnte das Unterstützungsangebot höflich ab. Er schaffte es schließlich ohne fremde Hilfe in den Hafen.

Schulter- und Fußverletzungen

Ein weiterer schwer gebeutelter Golden Globe Teilnehmer ist annähernd gleichzeitig auf der anderen Seite des Südatlantiks in Sicherheit gelangt. Der Franzose Antoine Cousot lief unter vollen Segeln in Rio de Janeiro ein. Er laboriert an Schulter- und Fußverletzungen, seitdem auf dem schwer stampfenden Vordeck seiner Biscay 36 Ketsch “Métier Intérim” ein Vosegel-Wechsel schief gegangen ist. Cousot sagt, dass er seine Lektion gelernt hat, und man sich eben doch besser mit einer Rollfock statt Stagreitern auf einen solchen Törn begibt. 

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Antoine Cousot kommt auf dem Weg nach Rio de Janeiro am Zuckerhut vorbei. – Foto © Gustavo Pacheco / GGR / PPL

Francesco Cappelletti, der den Start der GGR um 21 Tage verpasst hat und der Flotte außer Konkurrenz folgt, segelt nun ebenfalls nach Brasilien. Der Italiener hat in der vergangenen Woche berichtet, dass die Windfahnen-Stuerung ausgefallen ist. Er vertraut auf den gleichen Typ Beaufort Lynx, der den palästinensischen Teilnehmer Nabil Amra und den Franzosen Philippe Péché ihre Rennen kostete. Schweißfehler am vertikalen Gelenkarm erwiesen sich auf See als nicht reparabel.

An der Spitze der Flotte segelt weiterhin der französische Veteran Jean-Luc Van Den Heede, der auf See 73 Jahre alt geworden ist. Sein Vorsprung auf den Niederländer Mark Slats beträgt gut 700 Meilen. Der ärgert sich über weiteren Gegenwind. “Schon wieder 20 Knoten aus Ost im Southern Ocean. Wo sind die Westwinde?”

Auch der Holländer bereut inzwischen, keine Rollfock-Vorsegel dabei zu haben. Der Windchill-Faktor liege südlich von 38 Grad deutlich unter dem Gefrierpunkt. Ohne Handschuhe – Slats merkte vor zwei Wochen, dass er sie vergessen hat – muss er die Segelwechsel an den Stagreitern mit bloßen Händen hinter sich bringen.

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Ein Kommentar „Golden Globe: Norweger erreicht Kapstadt unter Notrigg – Franzose gibt verletzt auf“

  1. avatar breizh sagt:

    Einerseits sehr faszinierend, wie die Teilnehmer sich dann mit Defekten in einen Hafen schleppen anderseits teilweise verstörend, wenn man sich deren Vorbereitung bzw. Einstellungen zu dem Rennen vor Augen führt (Aufgabe wegen Einsamkeit nach fünf Tagen, keine Rollfock, vergessene Handschuhe für den Southern Ocean, etc.).

    Nach dem GGR wird wohl keiner mehr die oben erwähnte Windfahnensteuerung verwenden.

    Allen weiterhin gutes Gelingen und eine gesunde Heimkehr.

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