Golden Globe Race: Britin Susie Goodall (29) aktiviert Notsignal – 65 Knoten Wind

Sorgen um Susie

Susie Goodall, eine von nur noch acht im Golden Globe Race verbliebenen Teilnehmern, hat am Morgen um 11 Uhr GMT ihren EPIRB-Notfall-Sender aktiviert.

+++Update 15:45 Uhr: Susie hat sich gemeldet. Sie sei Okay nach einer Durchkenterung. Das Rigg ging dabei verloren. Es sei aber gesichert, so dass Deck und Rumpf nicht mehr beschädigt werden können. Allerdings sind die Spinnaker-Bäume über Bord gegangen. Sie kann also wohl kaum ein Notrigg bauen. Die Sicherheitsausrüstung sei aber intakt.+++

Das MRCC Rettungszentrum Chile ist für die Abwicklung der Notsituation verantwortlich. Die Organisatoren des Golden Globe Race haben zur Klärung der Umstände eine SMS an die 29-jährige Skipperin geschickt, aber noch keine Antwort erhalten.

Goodall, Golden Globe

Goodalls aktuelle Position direkt an der Grenze zur Eis-Ausschluss-Zone in schwerem Wetter.

Goodall, segelt mit ihrer Rustler 36 DHL “Starlight” in schwerstem Wetter zwischen Neuseeland und Kap Hoorn direkt an der Grenze des von der Wettfahrtleitung definierten Ausschluss-Gebietes mit verstärktem Eis-Gang.

Golden Globe Race

Susie Goodall © Christophe Favreau/PPL/GGR

Sie befindet sich unter dem Einfluss eines massiven Tiefdruck-Systems, das Böen mit mehr als 65 Knoten Wind und bis zu neun Meter hohe Wellen über sie hereinbrechen lässt. Ihre letzte Nachricht von Bord lautete: “Das Wetter schlägt auf mich ein. Was zum Teufel tue ich hier draußen?”

Susie Goodall mit ihrer Rustler 36. © GGR

Vor zwei Tagen hatte sie sich noch im obligatorischen Rundruf von Bord gemeldet. Dabei galt ihre größte Sorge dem fehlenden Wasser an Bord. Ihr Vorrat betrage nur noch 20 Liter, und sie warte auf Regen. Da für das Zubereiten der gefriergetrockneten Nahrung ebenfalls Wasser notwendig ist, hofft sei die Lage durchaus problematisch. “Eine frustrierende Woche”, sagt die Britin.

Aber nun scheint sie ganz andere Probleme zu haben. Und ihre Fans halten den Atem an.

Die Segellehrerin ist die einzige Frau im Feld, das von 18 Teilnehmern inzwischen auf acht zusammengeschrumpft ist. Sie hat einige Zeit mit dem Lasersegeln verbracht, stellte aber schnell fest, dass sie sich auf Hoher See deutlich heimischer fühlt.

Mehr Zeit auf dem Wasser als an Land

Die sei nämlich ihr Zuhause, schreibt sie (SR-Porträt). Nicht nur deshalb, weil sie schon als Dreijährige auf wochenlange Törns von ihren Eltern mitgeschleppt wurde und sich die familiäre Fahrtensegelei durch ihre gesamte Kindheit und Jugend zieht, sondern auch, weil sie in ihrem jungen Leben eigentlich mehr auf dem Wasser war als an Land. 

Susie Goodall holte sich ihr „Rüstzeug“ für die 30.000 Seemeilen der Weltumsegelung als Bootsfrau und Überführungsskipperin im nördlichen Atlantik.

Sie startete ihre berufliche Karriere als Segellehrerin auf der Isle of Wight (Goodall: „Ganz nett, bringt dich aber nicht richtig weiter“), arbeitete dann im Superyacht-Business (Goodall: „Nice, mehr aber auch nicht“) und fand schließlich ihr Glück für mehrere Jahre auf diversen Yachten, die sie im nördlichen Atlantik, bevorzugt von und nach Island, segelte. 

Traum von der Weltumsegelung

Auf der Vulkaninsel hörte sie  auch zum ersten Mal von der anstehenden Jubiläumsregatta, worauf sie sich ein paar Tage Auszeit und ein Boot nahm, um in aller Ruhe bei einem Törn entlang der isländischen Küsten über eine Teilnahme nachzudenken. 

„Seit meiner Kindheit träume ich von einer Weltumsegelung. Und das GGR ist die einzige Regatta rundum, die mir irgendwie finanzierbar scheint,“ sagte sie in einem TV-Interview. Für alle anderen, vergleichbaren Regatten seien Millionenbudgets nötig, die auf Jahre hinaus im Prinzip immer in der gleichen Szene verteilt würden. 

Als sie ein paar Wochen später wieder in heimatlichen Gefilden unterwegs war, gestand sie Eltern und Brüdern ihren Entschluss am GGR teilzunehmen. Was keineswegs Jubelstürme in ihrer Familie verursachte. Doch als allen (zukünftig) Beteiligten klar wurde, dass es Susie „bierernst“ meinte, hielt die Familie zusammen. Auch wenn ihre Mutter sich manchmal fragt, auf was für eine Reise sie ihre Tochter da eigentlich „schickt“.

Golden Globe Tracker

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *