Golden Globe Race: Susie Goodall am Kopf verletzt – Rettung erst in zwei Tagen

"Verletzt. Rumpf OK"

Susie Goodallist treibt nach ihrem Riggverlust beim Golden Globe Race manövrierunfähig im Southern Ocean. Aber Hilfe ist auf dem Weg. Wie die Kenterung passiert ist.

“Wir sind sehr traurig über den Vorfall, der sich am 5. Dezember an Bord von Susie Goodalls Boot DHL Starlight ereignet hat”, heißt es in dem offiziellen Statement des Teams von Susie Goodall, nach der Kenterung beim Golden Globe Race, die zum Notruf geführt hat.

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Die Skipperin auf ihrer “Starlight”. © Goodall

“Aus den Informationen, die wir zu diesem Zeitpunkt haben, wissen wir, dass Susie im Pazifischen Ozean, 2.000 Meilen westlich von Kap Horn bei 60 Knoten Wind segelte, als ihre Windfahnen-Steuerung brach. Die genaue Höhe der Wellen ist unbekannt, aber es wurde massiver Seegang gemeldet.”

Ohne Selbststeuerung habe die Skipperin das Großsegel geborgen und den Treibanker ausgeworfen, um das Schiff zu stabilisieren, aber das funktionierte nicht. Offenbar ist die Verbindung gerissen. Die Rustler36 surfte eine Welle herunter und stach mit dem Bug ins Tal, wo sie abrupt abbremste.

Das Heck hob sich, und die rote “Starlight” kenterte über das Vorschiff. Goodall befand sich in der Kajüte als das Boot kopfüber ging. Die gesamte Ausrüstung schleudert unter Deck nach vorne. Dabei wurde die Britin am Kopf getroffen.

“Was um alles in der Welt mache ich hier draußen?”

Sie erlitt eine leichte Kopfverletzung und verlor kurz das Bewusstsein. Dreimal wurde sie erfolglos von der Rennleitung am Satellitentelefon gerufen, und man vermutete schon das Schlimmste. Goodalls letztes Lebenszeichen zuvor war eine SMS: “Ich werde arg mitgenommen. Ich frage mich, was um alles in der Welt ich hier draußen mache.”

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Goodalls frisch überholte Rustler36 auf der London Boat Show. © DHL/GGR/PPL

Aber dann folgte doch noch noch ein Lebenszeichen per SMS. “Verletzt. Rumpf OK. Kein Not-Rigg möglich.”

Nach einer stabilen Situation klang das noch nicht. Aber die Verletzung war offenbar dann doch nicht so schlimm, wie zuerst angenommen. Susie berichtet später von Schnitten, Kratzern, einer großen Beule am Kopf  und schweren Prellungen. Inzwischen steht sie in Kontakt mit dem Medizinischen Versorgungszentrum des Golden Globe Races. Ärzte haben die Betreuung übernommen.

In den Stunden zuvor war es Goodall gelungen, die Trümmer der Takelage zu entfernen, um weitere Schäden am Boot zu vermeiden. Die 29-jährige Seglerin aus Falmouth hatte erst gedacht, das der Rumpf ein Leck aufweisen würde. Denn in der Kajüte schwappte viel Wasser. Aber bei der näheren Überprüfung konnte sie keinen dauerhaften Wassereinbruch feststellen.

Rettung in zwei Tagen

“Das Boot ist zerstört”, sagt sie am Telefon.  Der Bau eines Notriggs sei nicht möglich, da unter anderem die Spinnakerbäume über Bord gegangen sind. “Nur Rumpf und Deck sind noch intakt.”

Die chilenischen Behörden haben nun eine Rettungsaktion koordiniert und ein Schiff etwa 480 Meilen südwestlich der Havarie-Position um Hilfe gebeten. Der Kapitän erwartet, dass er zwei Tage benötigt, um das Gebiet zu erreichen.

Laut Rennleitung soll die junge Seglerin am Telefon sehr emotional geklungen haben aber auch kontrolliert. Die Sicherheitsausrüstung liege bereit, und sie benötige keine unmittelbare Hilfe.

60 Knoten “genossen”

Zuvor habe sie die Bedingungen geradezu genossen auch wenn es mit 60 Knoten wehte. Das Schiff sei im Griff gewesen. Aber als das Rohr an der Selbststeueranlage vom Typ Monitor brach (Erklär-Video zur Monitor-Anlage) habe sich die Lage abrupt geändert.

Inzwischen hat der Winde auf 45 Knoten abgenommen und die Bedingungen sollen sich weiter verbessern. Der Sturm zieht nach Osten

Nächster Konkurrent ist der Este Uku Randmaa etwa 400 Meilen vor Goodall. Er segelt vor dem Sturm, der Goodall zum Opfer gefallen ist. Deshalb ist es ihm nicht möglich, der Britin zu Hilfe zu eilen.  

Der US-Ungar Istvan Kopar segelt 780 Meilen westlich der Havaristin und wird seinen Vorwindkurs fortsetzen. Er könnte in sechs Tagen vor Ort sein. Bis dahin sollte sich die Kollegin allerdings schon auf dem Frachter befinden.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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