Golden Globe Race: Susie Goodall in Sicherheit – Sollte das Rennen gestoppt werden?

"Jeder kontrolliert sein eigenes Schicksal"

Die Britin Susie Goodall (29) ist nach ihrer Havarie beim Golden Globe Race in Sicherheit. Initiator Don McIntyre rechtfertigt die hohe Ausfallquote. 11 Skipper von 18 sind raus.

Susie Goodall

Susie Goodall bei der ungewöhnlichen Bergung von Bord ihrer Yacht. © GGR

Die Segelszene hat den Atem angehalten, als bekannt geworden war, dass junge Britin Susie Goodall Mitten im Pazifischen Ozean, 2.000 Meilen westlich von Kap Horn bei 60 Knoten Wind und sieben Meter hohen Wellen in Seenot geraten ist. Nach dem Bruch einer Stange an der Selbststeueranlage war ihre Rustler 36 von einem Brecher überrollt worden. Die  klassische Seemannschaft-Strategie, mithilfe eines Treibankers das Heck im Wind und das Schiff um rechten Winkel zur Welle zu halten, war offenbar nicht hilfreich. Der Bug stach in ein Wellental, und “Starlight” ging kopfüber. Bei der Kenterung flog die Skipperin durch die Kajüte, schlug sich den Kopf an und war zeitweise bewusstlos.

Aber ihre Rettung ist erfolgreich verlaufen. Der 38.000 Tonnen Frachter  “Tian Fu” wurde von der chilenischen Leitstelle zur Havaristin umgeleitet. Goodall wollte unter Motor eine Position in Lee des 199 Meter langen Transporters einnehmen und sich von einem der vier Kräne an Deck abbergen lassen.

Die 199 Meter lange “Tian Fu”. Goodall wurde mit einem der Kräne an Bord gehievt.

Doch der erste Versuch scheiterte. Ihre Maschine fiel aus, als sie gerade dabei war, ihre “Starlight” in die finale Position zu bringen. Schließlich klappte es doch noch. Goodall wurde mit einem Rettungsgurt von Bord gehievt. Sie befindet sich jetzt auf der “Tian Fu” und soll am 14. Dezember bei einem Stopp in Punta Arenas/ Chile von Bord gehen.

Sollte das Rennen abgebrochen werden?

Nach dem nun 11. Ausfall von 18 Startern ist das Golden Globe Race weiter in die Kritik geraten. Fünf Riggs gingen schon verloren und drei Skipper mussten abgeborgen werden. Sollte das Rennen gestoppt werden? Das fragt Don McIntyre, der Initiator und Chef-Organiastor des Golden Globe Races selber.

Der 63-jährige Australier gilt als einer der größten Abenteurer des Landes. Er wollte mit dem GGR das goldene Zeitalter des Alleinsegelns wieder aufleben lassen. Schon 1988 hatte er das Bicentennial Around Australia Yacht Race organisiert, das der verstorbene Sir Peter Blake gewann. McIntyre wurde 1990-91 außerdem Zweiter in seiner Klasse beim BOC Challenge Solo um die Welt. Und er leitete 2010 die erfolgreiche vierköpfige Talisker Bounty Boat Expedition, um die Reise von Captain Bligh  nach der Meuterei auf der Bounty nachzustellen.

Don McIntyre,GGR

Don McIntyre, der GGR Organisator und Abenteurer. © GGR

Die Frage nach dem GGR-Stopp ist für ihn nur rhetorischer Natur. McIntyre weist darauf hin, dass jeder Skipper zu jeder Zeit in jeden Hafen zurückkehren und die Regatta  aufgeben kann. “Jeder kontrolliert sein eigenes Schicksal.” Niemand der Skipper auf See werde anhalten, wenn man das Rennen abbreche.

Sie fordern sich selbst heraus

“Sie tun das weder für Geld noch für den Ruhm. Sie fordern sich selbst heraus. Sie suchen das Abenteuer.” Und Abenteuer bergen eben Risiken. Sie haben naturgemäß einen unbekannten Ausgang. “Ohne Abenteuer oder diejenigen, die bereit sind, sie zu erleben, ist die Welt schlechter dran. Man muss eben nur verantwortungsvoll vorgehen. Und genau das tun wir mit dem Golden Globe Race 2018.”

McIntyre verweist auf das Besipiel Susie Goodall. “Sie ist eine hochqualifizierte professionelle Skipperin mit großer Ozeanerfahrung. Sie segelt auf einer Yacht, die von einem der besten Bootsbauer der Welt gebaut und vorbereitet wurde.” Mast und Rigging entspräche ebenfalls dieser Qualität wie auch, ihr Training und das Wissen über Risikominimierung. Dazu komme eine Ausschreibung für das Rennen, die kürzlich von der französischen Schifffahrtsverwaltung als die beste aller Yachtveranstaltungen des Landes gewürdigt wurde.

“Seit über 50 Jahren segeln Menschen in kleinen, seetüchtigen Booten alleine um die Welt. Es sind normale Seeleute mit normalen Booten. Sie tun es aus den gleichen Gründen wie die GGR-Skipper. Und sie hören und lernen von den Erfahrungen beim GGR”

Dabei werde am Ende eine umfassende Untersuchung Sir Robin Knox Johnston helfen, in der er Antworten auf viele Fragen im Zusammenhang mit der Sturmtaktik von GGR-Teilnehmern, Rigg-Designs und den Renn-Ausfällen geben will. Der gründliche Bericht werde am Ende des Golden Globe Race veröffentlicht.

Sind moderne Racer sicherer?

“Es mag einige Menschen geben, die das Ethos oder die Fakten hinter dieser erstaunlichen Renaissance des Segelns beim Golden Globe nicht verstehen. Einige mögen sagen, dass es unsicher ist, weil diese GGR-Skipper nicht in schnellen 60-Fuß-Yachten und Multihulls konkurrieren. Aber man muss sich nur die Route du Rhum ansehen, bei der 35 Prozent der Flotte nach nur einem Sturm KO gegangen ist. Moderne Designs, neueste Komposit-Konstruktionen und Satellitentechnik hinderten diese Boote nicht daran, auseinanderzubrechen, die Riggs zu verlieren oder gerettet werden zu müssen.

Es ist nichts falsch an langsameren Yachten, traditionellen Navigationstechniken und hohen Sicherheitsstandards, die das Golden Globe Race voraussetzt. Das ist das wirkliche Leben mit echten Seglern in echten Booten. Es geht um Männern und Frauen, die ihre Träume leben, die andere inspirieren, ihnen zu folgen. Dabei ist das Golden Globe hart, wenn nicht sogar das härteste Rennen von allen.

Wir sind alle traurig, dass Susie ihr Boot aufgeben musste, und sehr dankbar für die Bemühungen vieler Menschen, sie sicher nach Hause zu bringen. Aber das GGR wird fortgesetzt. Die Unterstützung durch normale Segler auf der ganzen Welt ist groß, leidenschaftlich und wird jeden Tag größer! Bis zum Ziel ist es noch ein langer Weg. Alles kann passieren. Nur ein Boot beendete das erste Sunday Times Golden Globe Rennen vor 50 Jahren. Das ist es, worum es bei einem Abenteuer geht. Das Golden Globe Race 2018 ist ein sehr verantwortungsvolles Rennen. Die Ausgabe 2022 wird es noch mehr sein.”

 

 

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

3 Kommentare zu „Golden Globe Race: Susie Goodall in Sicherheit – Sollte das Rennen gestoppt werden?“

  1. avatar Nautiker sagt:

    Mal ehrlich … macht sowas alles Sinn … nur weil man es kann. Muss ich das wirklich Heldenhaft finden, Will hier nicht den Nörgler machen aber ein bisschen mache ich mir schon Gedanken ob das alles so sein muss: Silverrudder, Route der Rhum, Golden Globe usw. … nur weil man schon alles gemacht hat, weil man die persönliche Grenze austesten will. Altes Thema aber irgendwie kommen die Einschläge immer häufiger

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 11

  2. avatar Tom sagt:

    Naja ne imoca ist definitiv deutlich stabiler und sicherer als so ne alte kiste, bei der letzten VG gab es zwar auch einige Ausfälle aber bei weitem nicht so viele, immerhin sind es hier mittlerweile mehr als 60% Ausfallquote. Spannend ist es trotzdem und wenn die Herren und Damen mit sowas die Welt umsegelt wollen nur zu.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

  3. avatar Sailor sagt:

    „Goodall wollte unter Motor eine Position des 199 Meter langen Transporters einnehmen und sich von einem der vier Kräne an Deck abbergen lassen.“ … ist der Artikel mit dem Google Translator entstanden?

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *