Golden Globe Race: Van Den Heede im Ziel – Strafe für Zweitplatzierten Slats

Hubschrauber auf Standby

Jean-Luc Van Den Heede (73) hat das Golden Globe Rennen nonstop um die Erde gewonnen. Er segelte seine Rustler 36 “Matmut” nach 221 Tagen ins Ziel vor Les Sables d’Olonne. Mark Slats hätte ihn noch fast überholt, ärgert sich aber nun über die Wettfahrtleitung.

Jean-Luc Van Den Heede hat eine heroische Tat vollbracht. Im Alter von 73 Jahren segelte er nach 221 alleine auf See inmitten einer riesigen Flotte von Begleitbooten als erstes Boot der Golden Globe Regatta über die Ziellinie in den Hafen von Les Sables d’Olonne.

Nach dem Abschluss seiner sechsten Weltumsegelung wurde er von seinem guten Freund Sir Robin Knox-Johnston empfangen, der das ursprüngliche Golden Globe Race  1968-1969 der Sunday Times gewann. Er machte darauf aufmerksam, dass Van Den Heede nun auch mit 73 Jahren den Rekord hält, als älteste Person eine Solo-Umrundung absolviert zu haben.

Reparaturen auf See gelungen

Der französische Skipper führt das Rennen seit August 2018 an, obwohl er seit konservativer segeln musste und schon eine Aufgabe erwogen hatte. “Matmut” war bei 11 Meter hohen Wellen und 65 Knoten Wind im Southern Ocean gekentert und hatte das Rigg schwer beschädigt.

Jean Luc Van den Heede mit seinem Vorgänger Sir Robin Knox Johnston. © GGR

Zunächst plante er, nach Chile zu segeln, um dort die nötigen Reparaturen vorzunehmen. Aber schließlich gelang es ihm doch, den Mast auf See zu sichern.

Van Den Heede hatte sich akribisch auf dieses Rennen vorbereitet. Er kaufte die Rustler 36 (Werftporträt) schon 2015 und machte sie in Les Sables d’Olonne für die extreme Langstrecke fit.  Er installierte einen neuen Mast, neue Takelage, neuen Motor, neue Segel, wasserdichte Schotten und neue Winschen.

Golden Globe Race

VDHs “Matmut” mit modifiziertem Rigg © PPL/GGR

Während von den 18 Startern nur noch 7 im Rennen sind, glaubt Van Den Heede, dass er den Erfolg insbesondere seiner bestens funktionierenden Selbststeueranlage zu verdanken hat. Aber auch das Kürzen des Mastes sei gut gewesen. “Im Atlantik war ich darüber noch nicht so glücklich, als der Wind eher schwach wehte. Aber sobald ich die Kanaren passierte, hatten wir guten Wind, und ich holte Mark Slats  und Philippe Péché schnell ein. Bei starkem Wind läuft mein Boot besser als andere.”

Van den Heede, der auch den Rekord für die schnellste Nonstop-Weltumsegelung gegen den Wind in West-Ost-Richtung hält, schaffte es bei seinen vier vorherigen Um-die-Welt-Regatten jeweils auf das Podium. Bei den Vendée Globes 1990 und 1993 wurde er jeweils Dritter und Zweiter. 

Mark Slats mit Strafe

Beim Golden Globe kam ihm zuletzt der Niederländer Mark Slats noch gefährlich nahe. Aber der hat nun doch mit größeren Problemen zu kämpfen. Ihn erwartet eine Zeitstrafe der Jury wegen verbotener Satellitenkommunikation mit seinem Teammanager Dick Koopmans.

Die Wettersituation in der Biskaya.

Während Van Den Heede noch knapp vor extrem schwerem Wetter in den Zielhafen einlief, stand Slats vor der Entscheidung, es auch zu versuchen, oder den Sturm abzuwettern bevor er sich einer Leeküste nähert.

Koopmans kontaktierte die Rennleitung und sprach die Bitte aus, die Ziellinie 50 Meilen vor die Küste zu verlegen. Das wurde aber abgelehnt. Wetfahrtleiter Don McIntyre kontaktierte Slats direkt, um das drohende Wetterszenario zu besprechen. Er empfahl dem Niederländer, seinen Weg in Richtung Ziellinie fortzusetzen.

Aber Koopmans antwortete nach Rücksprache mit dem niederländischen Wetterexperten Geerit Hiemsta per E-Mail, dass es nach dessen Meinung völlig unsicher sei, zurzeit in die Biskaya zu segeln. Ein Hubschrauber auf Standby sei sinnvoll. Diese Meinung über das drohende Wetter sollen auch Vertreter der niederländischen und britischen Küstenwache geäußert haben.

Nach La Coruna abgedreht

Koopmans machte seine Unzufriedenheit mit dem Rat deutlich und kündigte an, seinen Schützling per Iridium-Telefon zu kontaktieren. Das hätte eine Strafe zur Folge. Nur dem Wettfahrtleiter ist es erlaubt per Satellitenverbindung mit Teilnehmern zu sprechen. McIntyre bot sich auch als Relais-Station für die Nachrichten von Koopmans an, aber der lehnte ab und verbot der Golden Globe Organisation, in seinem Namen mit Slats zu sprechen.

Mark Slats hat nun erst einmal La Coruna angesteuert und wird versuchen, den Sturm abzuwettern. Ob er auch den Hafen anläuft ist nicht klar. Er dürfte dann nicht an Land gehen.

Golden Globe Race, van den Heede

Van Den Heede. Mit 73 Jahren ältester Nonstop-um-die-Welt-Segler. © favreau ggr

Inzwischen hat die Wettfahrtleitung bekannt gegeben, dass Slats für die Regelverstöße bei der Kommunikation mit einer Zeitstrafe belegt wird. Die Dauer ist nicht bekannt. Sie wird aber voraussichtlich keine Auswirkung auf die Platzierung haben, da der drittplatzierte EsteUku Randmaa mehr als einen Monat später im Ziel erwartet wird.

Wettfahrtleiter Don McIntyre machte in einer Stellungnahme klar: “Es gibt zwei Probleme. Eines davon ist die Sicherheit, und wir alle arbeiten alle im besten Interesse von Mark Slats. Das zweite sind die in der Notice of Race festgehaltenen Regeln. Die GGR bietet weiterhin allen Teilnehmern Sicherheitswetterhinweise an. Leider hat sich der Teammanager von Mark Slats entschieden, sich nicht an die Ausschreibung zu halten.”

Werftporträt: Rustler Yachts

Die erste Blauwasseryacht von Rustler stammt aus der Feder von Kim Holman, der 1964/65 eine neue Version seiner Twister 31 zeichnet – mit deutlichen Anleihen beim Folkeboot.

Holmans Rustler 31 wird in den 1970ern von verschiedenen Werften in England gebaut. 1980 entwirft Holman eine größere Version. Die Rustler 36 ist wiederum ein vom Folkeboot abgeleiteter Plattgatter. Auch die Rustler 36 wird zunächst auf verschiedenen Werften gebaut. Dann wird 1987 in Falmouth Orion Marine als Rustler-Werft gegründet. In den nächsten Jahren erarbeitet sich die Rustler 36 in der Szene einen Ruf als seegängige und hochwertige, wenn auch nicht ganz günstige Fahrtenyacht.

1992 rückt die Werft ins Rampenlicht, als die segelbegeisterte und -erfahrene Prinzessin Anne sich eine Rustler 36 kauft. Seitdem wächst die Werft langsam, aber beständig.

Mehr über die Werftgeschichte auf sail24.com

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Golden Globe Race: Van Den Heede im Ziel – Strafe für Zweitplatzierten Slats“

  1. avatar breizh sagt:

    Gratulation an Van Den Heede. Wirklich klasse Leistung.
    Im Gegensatz zu Bernard Moitessier hat er nach Norden abgedreht und den Sieg nicht gegen die Hängematte in der Südsee getauscht. Dann wollen mir einmal hoffen, das Mark Slats gut durch die Biskaya und damit einen nicht erwarteten zweiten Platz belegt.

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  2. avatar pl_urs.dudli sagt:

    JLvdH brauchte 221 Tage, sondern 212. Es sind auch nur noch 5 anstatt 7 Segler im Rennen.
    Plus einer in der Chichester Class. Slats wurde auch nicht empfohlen weiter zu segeln, er wurde von der Rennleitung lediglich über den Sturm informiert. Dies ist übrigens die sechste Solo Circumnavigation von JLvdH…
    Ein bisschen ungenau dieser Artikel. Sonst gefällt mir SR allerdings sehr. Urs Dudli, Zürich

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