Großbrand: J/70-Star Claudia Rossi verliert ihr Schiff – Liebeseklärung an “Petit Terrible”

"Ein Stück meines Herzens"

Ein Großfeuer im Hafen von Ancona hat großen Schaden angerichtet. Dabei ist auch ein besonderes Boot zerstört worden. Die Italienerin Claudia Rossi trauert emotional um ihre J/70 “Petit Terrible”, mit der sie große Erfolge eingefahren hat.

“Petit Terrible” als sie noch klein war.

“In der Asche verbleibt ein Stück meines Herzens”, schreibt Claudia Rossi (27). Die dreifache italienische Europameisterin in der J/70-Klasse hat bei einem Großfeuer im Hafen von Ancona ihr Schiff verloren. In einem Social-Media-Post beschreibt sie eindringlich, was das für sie bedeutet.

J/70 EM

Claudia Rossi gewinnt 2016 mit der “Petite Terrible” die J/70-EM im Rahmen der Kieler Woche. © Kieler Woche © segel-bilder

“Zwei Uhr, das Telefon klingelt. Jemand sagt, ‘Alles ist in die Luft geflogen. Es ist nichts mehr da’. Diese Worte klingen einfach immer wieder in mir nach. Ich springe auf, haste zu meinem Auto und rase zum Hafen, um nachzusehen. Die Schuppen stehen in Flammen, überall Feuerwehrmänner – und ein Stück meines Herzens in der Asche. Ja, da drin war eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben: ITA-853.

Der Brand in Ancona.

Dieses Boot stürzte mit einem großen Überraschungseffekt in mein Leben. Es ist unbezahlbar. Mit ihm begann unsere Geschichte von ‘Petite Terrible’. Sie hat mir die Leidenschaft für diesen Sport gebracht, der heute einen großen Teil meines Lebens ausmacht.

Nur noch ein Aschehaufen

Sie ließ mich eine Flut von sehr befriedigenden Momenten erleben. Gleich dreimal führte sie uns an die europäische Spitze. Und, was noch wichtiger ist, sie hat mich den wahren Wert eines Teams entdecken lassen.

Aber nun ist sie nur noch ein großer Aschehaufen. Mir ist es unmöglich, die Tränen zurückzuhalten. Ich musste zusehen, wie sie verbrennt, aber die schönen Erinnerungen an diese Jahre mit ihr nie vergehen.

J70, Europameisterschaft, Rossi

Claudia Rossi und ihr Team im Sieger-Glitsch © Wyeth RSYC

Eine kleine Stimme in meinem Kopf hat es geschafft, mich zu trösten. Sie sagt: “Vergiss nicht, dass du selbst ‘Petite’ bist. Mit diesem Gedanken Satz konnte ich schlafen gehen.  In der Hoffnung, dass die Gelben eines Tages zurückkommen werden”.

Geld schießt Tore

Claudia Rossis Stern ging bei der J/70 Europameisterschaft 2016 auf, die im Rahmen der Kieler Woche veranstaltet wurde. Nur drei Monate nach dem Einstieg in die Klasse holte sie den Titel. Das Prinzip: Geld schießt eben doch Tore.

Claudia Rossi mit Matteo Mason beim Mixed Ofshore Event. © Petit Terible

Mit der Hilfe ihres Vaters Alberto, der seit vielen Jahren Profi-Teams insbesondere in der Farr40-Klasse unterhält, konnte sie ein Team zusammenstellen, das zu den besten der Welt gehört. Sie trainierte viel – auch mit ihrem Vater. Der gewann dann ebenfalls den EM-Titel in der J/70 2018. Ein Jahr später am Gardasee jagt sie ihm die Trophäe wieder ab und gewinnt vor Markus Wieser.

Zwischenzeitlich versuchte sie sich auch an einer 49er FX-Kampagne, brach sie aber schnell wieder ab. Nun scheint das Augenmerk eher auf 2024 liegen. Das olympische Offshore-Mixed Event ist ein Ziel. Dafür hat Rossi schon eine erste Regatta gesegelt. Vor Genua absolvierte sie die dreitägige Langstreckenregatta EMOEC, die als Europameisterschaft in der L30-Klasse ausgetragen wurde. Ohne viel Training segelte sie mit ihrem J/70 Vorschoter Mateo Mason auf Rang vier unter acht Nationenteams.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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