Sailing Team Germany Aufsichtsrat tritt zurück

Gunther Persiehl mit traurigem Abgang

Verdienter Förderer des Segelsports. NRV Commodore Gunther Persiehl © Persiehl

Am Montag steht für das Sailing Team Germany (STG) mit der Vorstellung des neuen Sponsors ein Höhepunkt an, und nun das. Der Aufsichtsratsvorsitzende Gunter Persiehl tritt zurück. Ihm passen die Kriterien für die neue Segel-Nationalmannschaft nicht. Er will kein Gießkannen-Prinzip sondern eine gezielte Förderung von wenigen Leistungsträgern.

Diesen Standpunkt vertritt er schon länger. Aber sein Rücktritt in diesem Zusammenhang überrascht. Die Situation eskalierte, weil die Entscheidung über die Zusammensetzung der Jugend- und Jüngsten-Nationalmannschaft ansteht. Vor der Kieler Woche sollen insgesamt rund 140 Athleten benannt werden. Aber Persiehl sagt in den Kieler Nachrichten: “Ich glaube, dass es zu früh ist für den Aufbau der Jugend-Nationalmannschaften. Wir sollten uns auf den Olympiakader konzentrieren.”

Nach diesem Prinzip hatte Persiehl seine Idee vom NRV Olympic-Team umgesetzt. Intensive Betreuung der Top-Athleten für den schnellen Erfolg. Es funktionierte. In Athen starteten bei Olympia gleich drei Boote für den NRV. Aber dieses Prinzip sollte nicht die Grundlage des Sailing Team Germany sein. “Von Anfang an war uns der Nachwuchs wichtig”, sagt Aufsichtsrat-Kollege Abdul Adib gegenüber SEGELreporter. “Es geht ja nicht nur um die Ausstattung mit finanziellen Mitteln sondern insbesondere um die Motivation.” Am Mittwoch tritt der verbliebene Aufsichtsrat bestehend aus Jochen Schümann, Abdul Adib und Thorsten Haverland in Starnberg für weitere Beratungen zusammen.

Das Konzept hätten alle getragen. Es sei in Zusammenarbeit mit dem DSV und allen Beteiligten entwickelt worden. Die Führungsspitze hatte wohl die Hoffnung, Persiehl noch zur Zustimmung bewegen zu können. Aber jetzt drängt die Zeit, um vor der Kieler Woche und der Sponsor-Vorstellung zu einem Abschluss zu kommen. Die Nationalmannschaft soll offiziell vorgestellt werden.

Umso erstaunlicher ist es, dass Persiehl einen solch traurigen Abgang wählt. Das Thema scheint nicht so brisant, dass man darüber im Streit auseinander gehen müsste. Auch die “Meinungsverschiedenheiten über geschäftliche Abwicklungen”, die er anführt, wirken wenig brisant für ein Unternehmen wie die STG, das bis jetzt ohne Sponsor noch keine Einnahmen generiert hat. Deshalb mögen für Persiehl andere ungenannte, vielleicht auch persönliche Dinge eine Rolle spielen, die zu dem Bruch geführt haben.

Persiehls Beziehung zu den STG Protagonisten war immer sehr eng und persönlich und sein Einsatz für den Sport enorm. Äußerliche Anerkennung war 2008 die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz g für sein herausragendes Engagement im Segelsport. Mehr als vier Jahrzehnte setzte er sich als NRV-Vorstand speziell für den Segelnachwuchs ein. Auch als Vizekommodore des Deutschen Challenger Yacht Clubs hatte er seine Finger bei der ersten deutschen America´s Cup Teilnahme im Spiel.

Was auch immer die wahren Gründe für den Rücktritt sind. Es ist einfach nur schade, dass bei so einem großen und guten Projekt für den deutschen Segelsport nicht alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Infos zum Sailing Team Germany: www.sailing-team-germany.de

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Carsten Kemmling

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