65 Hanse-Yachten starteten vor Greifswald

Hanse Cup: Geschichte vom Sieger


Der Autor grinst in die Kamera, Steuermann Tom Bollmann konzentriert sich auf die schnellere Konkurrenz voraus, nur Sohn Lovi schläft - und verschläft den ersten Etappensieg © Uwe Röttgering.

Werftregatten hatten für mich bisher etwas Gezwungenes. Nur Boote aus einem Haus – das ist eher Eignertreffen als Rennsegeln und Konjunktur für die Ausrüster. Es wird ja wohl meist ein Boot mit hochwertigen Segeln und Trimmeinrichtungen gewinnen, so dass der eine oder andere Eigner am Ende denken mag: brauch ich auch.

Vom 4.-7. September war Hansecup. Für mich, der ich in Greifswald wohne, ist das eine Veranstaltung direkt vor der Haustür. Trotzdem nicht mein Fall – dachte ich. Aber seit einiger Zeit segle ich auf einer Hanse 400 an der Großschot. „Asia de Cuba“ gehört Jörg Krohn, einem Quereinsteiger und ehemaligem Tennismeister. Jörg baut seit zwei Jahren eine Crew auf und rüstet Stück für Stück sein Boot auf.

Die Fahrtenyacht kommt in elegant grauem Rumpf daher, hat ein Teakdeck, eine Rollreffanlage und unter Deck einen Flachbildschirm zum Fernsehen nebst Espressomaschine. Normalerweise wäre ich damit aus dem Spiel. Aber das Boot verfügt auch über Karbonsegel und drei Spinnacker.

Weiterhin erleichtert ein großer Traveller im Cockpit zusammen mit kräftigem Achterstag den Trimm und ein großes Ruderrad macht das Steuern bequem. Der Rollanlage kann man die Trommel abnehmen und die Segel im Profil fahren. Die 105%Genua lässt sich über hochwertige Holepunktschienen mit leichtgängiger Leinenverstellung exellent trimmen. So ist es schon eher mein Fall.

In diesem Jahr bin ich drei Regatten auf dem Boot mitgefahren. Eine eher aus Spaß mit meinem Sohn und die anderen mit Crew und Messer zwischen den Zähnen rund Rügen. Letztere haben wir gewonnen.

Die Hanse Flotte kurz nach dem Start. Das Feld liegt noch eng beisammen. Es weht kräftig auf dem Greifswalder Bodden. © Uwe Röttgering

Nun steht der Hansecup an. Dort wird nur mit hansetypischer Standardbeseglung Groß und Selbstwendefock gesegelt. Ein Protest kostet den Protestierenden eine Menge Bier, ist den Regeln zu entnehmen. Hier wäre ich eigentlich wieder draußen – und lasse mich dann doch überreden.

Der Hansevertrieb mit  Karsten Baas in der Geschäftsführung richtet die Regatta alljährlich aus. Letztes Mal ging es Rund Rügen. Nun sind vier Etappen im Bodden angesetzt. Abends soll es reichlich zu essen und zu trinken geben. Somit kommen alle Teilnehmer auf ihre Kosten.

Was ich nie für möglich gehalten hätte: auch Regattasegler müssen sich nicht langweilen. Einerseits sind nett zu segelnde Mittelstrecken auf dem Programm, andererseits ist durchaus ernsthaft segelnde Konkurrenz am Start. Besonders die größeren Boote verfügen fast alle über Segel, die mindestens radial geschnitten sind. Oder sie fahren gar Membrantücher.

In unserer Gruppe starten nur die 12 Meter Boote, die allerdings recht zahlreich vertreten sind. Gut die Hälfte ist auf Regatta gebürstet. Durch unseren Sieg auf den Boddenetappen in der Woche zuvor sind wir als Favoriten dabei. Nach zwei Tagessiegen scheinen wir dem Ruf gerecht zu werden, tippen aber am dritten Tag an der Kreuz auf die falsche Seite und fahren vorerst hinterher.

Unser Vorsprung beträgt am Morgen des letzten Rennens einen mageren Punkt. Unser direkter Gegner heißt „Hale Bob“ und hat wie wir Carbonsegel am Mast. Das wird nicht leicht. Frischer Wind weht zwischen 20 und 25 Knoten aus Südwest und verspricht eine lange Kreuz von Stralsund zurück nach Greifswald.

Wir starten in der vierten Gruppe. An der ersten Tonne liegen wir an zweiter Position hinter unserem direkten Konkurrenten „Hale Bob“. Das ist nicht gut, aber wir haben einen Mann mehr auf der hohen Kante und den besseren Starkwindtrimm gefunden. Zumindest scheint unser Gegner Kontrollprobleme zu haben, nachdem er unter uns gewendet hat.

Dort sitzt er eine halbe Schiffslänge voraus perfekt in sicherer Leeposition und obwohl unser Boatspeed etwas besser scheint, würde uns ein Luvdurchbruch kaum gelingen. Also in Lee. Ich nehme kurz Druck aus dem Groß, Steuermann Tom fällt knapp hinter dem Heck des verwunderten Widersachers ab und durchbricht schnell den Windschatten.

Fünf Minuten später ist der Leedurchbruch geschafft und vor uns liegt kein Boot unserer Gruppe mehr. Die 10 Tonnen schwere „Asia de Cuba“ kreuzt wir eine Dampframme gegen die kurzen Wellen des Strelasund und kurz hinter der Glewitzer Fähre liegt auch aus den anderen Gruppen keiner mehr vor uns.

Hinter uns sind die 5 Minuten später gestarteten Hanse 470 in Sicht, scheinen aber nicht näher zu kommen. Tatsächlich beenden wir den Lauf gesegelt und berechnet als schnellstes Boot der gesamten Flotte, was uns einen Sieg in der Klasse und einen zweiten Platz über alles beschert.

Sieger wurde Dietmar Wendel auf seiner Hanse 370 „Relax de Luxe“. Gegen den hatte bei leichtem und mittleren Wind niemand auch nur den Funken einer Chance. Aber bei starkem Wind schien kein Kraut gegen unser Boot gewachsen.

Damit bin ich endgültig zum Hansefan geworden. Eigner Jörg Krohn freut sich riesig und hat allen Grund stolz zu sein. Er hat eine tolle Crew zusammengestellt und ein herrliches Schiff. Nächstes Jahr (vielleicht mit Messbrief bewaffnet) werden weitere Projekte in Angriff genommen. Werftregatten sind schon was tolles, denke ich, als ich noch am selben Tag im Auto sitze und zu meinem nächsten Engagement fahre.

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https://northsails.com/sailing/de/

2 Kommentare zu „65 Hanse-Yachten starteten vor Greifswald“

  1. avatar Axel sagt:

    Wurde der Bericht auch von Hanse gesponsport?
    [SCNR]

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    • avatar Carsten sagt:

      hmm, hört sich das so an? das wäre doof. autor und knipser sind jedenfalls über alle zweifel erhaben. und bei mir ist auch noch kein scheck eingegangen. aber kann ja noch kommen.

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