Helga Cup: Wohin die Frauen-Regatta steuert – Viel Klasse, aber geht noch mehr Masse?

Gut in Schuss

Der Hamburger Staatsrat Christoph Holstein gerät auf dem Wasser in die Hitze eines Helga-Cup-Gefechts. “Sorry: Scheiß auf hanseatische Gelassenheit…” betextet er sein Video und ist wohl überrascht von der Lautstärke.

Nach dem Helga Cup ist vor dem Helga Cup. Es geht schon wieder weiter. Bei den Teilnehmerinnen gehen am Dienstag eine Mail ein, derzufolge umgehend die Plätze für nächstes Jahr verteilt werden. Sie sollen sich schnell entscheiden. Das Motto:  Noch größer, noch besser. 2020 wird die 100-Crew-Rekordmarke angepeilt. Kann das klappen? Ist das gut?

Die größte Frauenregatta der Welt steht an einem Scheideweg. Die zweite Auflage war durchaus wieder ein Erfolg. Flauten und Gewitter brachten das Programm zwar in Bedrängnis, aber wenn an drei Tagen zehn Rennen für fast alle 76 Crews in die Wertung eingehen, ist das ein ordentliches Ergebnis. Die Entscheidung, sich von den Seascapes zu verabschieden und allein auf J/70 zu setzen, wurde von allen Teams begrüßt.

Helga Cup

Staatsrat Christoph Holstein gibt den ersten Startschuss und hat Spaß auf dem Wasser. © Lars Wehrmann

Unglaublich, dass dafür 21 Schiffe plus Ersatzboote organisiert, bereitgestellt, eingetrimmt, und beklebt werden mussten und konnten. Unglaublich, dass die Alster groß genug ist, um auf gleich drei Bahnen parallel starten zu lassen. 120 Helfer ermöglichten den Ablauf. Und sie wurden belohnt durch viele lachende Gesichter. Der Helga Cup Spirit lebt.

Aber das Orga-Team um Sven Jürgensen muss aufpassen. Schon jetzt hat die schiere Größe zu Unwuchten geführt. Nach der kurzfristigen Absage von mehr als zehn Teams bekam das Wertungsformat mächtig Schieflage. Eigentlich waren sieben-Boote-Flotten vorgesehen, teilweise gingen aber nur drei Crews auf die Bahn. Dann wurde Rang eins mit 1 bewertet, Rang drei mit 7 und die Zweiten sollten ein Mittelwert bekommen. Keine befriedigende Lösung.

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Auch die Youngster fühlen sich vom Helga Cup angezogen. © Lars Wehrmann

Die Ergebnisse an der Spitze hat das nicht beeinflusst. Da spielte eher das unterschiedliche Material eine Rolle. Und es ist wahrlich eine Mammut-Aufgabe 21 gleiche Segelsätze bereitzustellen. Aber die Qualität variierte extrem. Glück und Pech spielten eine Rolle, welches Boot zugelost wurde. Bundesliga-Rennen könnte man auf diese Weise nicht bestreiten.

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Harte Böen zeigen einigen Crews die Grenzen auf.© Lars Wehrmann

Dieses Manko gerät umso mehr in den Vordergrund, je ernster man die sportliche Qualität des Helga Cups nimmt. In diesem Jahr hat sich das seglerische Niveau noch einmal deutlich verbessert. Liga-erfahrene Teams segelten naturgemäß vorne und die Bedeutung ist noch einmal angestiegen.

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Auch der HSC war als Wechselzone und wieder Unterstützer eng eingebunden. © Lars Wehrmann

Das ist prinzipiell eine gute Nachricht und gibt den starken deutschen Segelfrauen in Deutschland eine tolle Bühne. Es lohnt sich, ein Team zu bilden und für den Helga Cup zu trainieren. Und dieses Erfordernis setzten zahlreiche Crews sichtbar um.

Strategie: Mehr Masse

Aber der Erfolg des Helga Cups entscheidet sich eigentlich viel weiter hinten im Feld. Auch Anfängerinnen und Freizeitseglerinnen fühlen sich bisher angesprochen. Wenn sie abgeschreckt würden, weil die Spitze immer professioneller wird, wäre das ein echtes Manko für die Veranstaltung und die Bewegung.

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Organisator Sven Jürgensen. © Lars Wehrmann

Deshalb mag es keine schlechte Strategie sein, auf noch mehr Teilnehmer zu setzten. Das verringert die Angst, auf den hinteren Plätzen zu landen. Es würde die Einstiegshürde senken und Breitensportler mitziehen.

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Frank Schönfeldt stellt sein Helga-Cup-Lied vor. © Lars Wehrmann

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Textprobe. © Lars Wehrmann

Möglich ist der nächste Schritt bei der Vergrößerung der Teilnehmerzahl durch die Anerkennung der Veranstaltung im Active City Programm der Stadt Hamburg geworden. Auch deshalb sonnen sich die Spitzenpolitiker im Licht der strahlenden Segelveranstaltung. Und nicht nur Staatsrat Christoph Holstein zeigt schon fast symbolisch mit seiner Arbeit an der Start-Pistole, dass die Veranstaltung gut in Schuss ist. Durch die Benennung der Regatta als Top Ten Format ist die Stadt der wohl bedeutendste fördernde Partner des Helga Cups.

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Hamburg hängt sich im Rahmen des Active City Programms voll rein. © Lars Wehrmann

Schon deshalb ist es wichtig, dass der Status als Breitensportveranstaltung erhalten bleibt. Kein Wunder also, dass Organisator Jürgensen bei der Preisverteilung der zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank das Versprechen abringen wollte, dass es 2020 so weiter gehen kann mit dem Helga Cup.

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Action vor der Halse. © Lars Wehrmann

Die Grünen-Politikerin reagierte naturgemäß nicht sofort. Sie könnte aber ein wichtiger Adressat dieser Botschaft sein. Gut dass sie, das unglaubliche stimmungsvolle Segel-Finale live beim NRV erlebte. Das Wort, das sie für den Helga Cup einlegen könnte, bekommt möglicherweise noch mehr Gewicht. Schließlich wird ihr in Hamburg ein weiterer Karriere-Sprung in das wichtigste Amt der Stadt zugetraut.

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Fair Play: Die Zweiten gratulieren den Siegerinnen. © Lars Wehrmann

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Die Sieger müssen ins Wasser. © Lars Wehrmann

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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