Deutscher Barcelona World Race Teilnehmer auf dem Weg zum Start

Herrmanns Ziel: Top fünf

PM Andreas Kling

Tschüss Frankreich, auf geht´s nach Barcelona. © Th. Martinez

Der Countdown zur zweiten Auflage der internationalen Hochseesegelregatta Barcelona World Race über 25.000 Seemeilen (mehr als 46.000 Kilometer) läuft: Knapp ein Monat vor dem Start des Nonstop-Rennens rund um die Welt an Sylvester (31. Dezember um 13 Uhr) sind sieben der 15 teilnehmenden Zwei-Personen-Crews mit ihren Yachten bereits in der katalanischen Hauptstadt eingetroffen.

Der Hamburger Boris Herrmann, der als erster Deutscher überhaupt an einer Weltregatta für die 18,29 Meter langen Rennziegen der Klasse IMOCA Open 60 teilnehmen wird, ist mit dem US-Amerikaner Ryan Breymaier auf der „Neutrogena“ am  1. Dezember aus Frankreich nach Barcelona aufgebrochen. Damit ging eine rund einjährige Vorbereitung beim Team Kaïros in Concarneau in der Bretagne zu Ende.

„Die vergangenen Monate im französischen Rennstall von Roland Jourdain waren sicher die lehrreichsten in meiner bisherigen Laufbahn als Hochseesegler“, meinte Boris Herrmann respektvoll vor dem Überführungstörn. In der Talentschmiede traf der 29-jährige Sieger des Portimão Global Ocean Race (2009 mit Felix Oehme) auf seinen neuen Crewpartner Ryan Breymaier.

Der 34-jährige gehört zur Stammmannschaft im Team Kaïros und kennt das Boot, die vormalige „Veolia Environnement“, aus dem Effeff. Jourdain hatte es mit Jean-Luc Nélias bei der Premiere des Barcelona World Race 2007-08 gesegelt. „Ich habe großes Vertrauen in die beiden Jungs“, lobte Jourdain den Einsatz des Duos während der gesamten Vorbereitung, sie haben sich richtig reingekniet und das Zeug, beim Rennen eine sehr gute Figur abzugeben.“

Während die seglerischen Aufgaben an Bord von beiden Skippern zu gleichen Teilen wahrgenommen werden, ist Herrmann mehr für die elektronischen Arbeiten zuständig, Breymaier für die mechanischen. Er war bei Jourdain nicht nur als Rigger für Mast und stehendes Gut (Verstagung) verantwortlich, sondern segelte auch bei einigen Regatten selbst dabei.

„Ich liebe diese Boote genauso wie den Wettkampf und freue mich auf die Herausforderung mit Boris“, so Breymaier, für den es die erste Weltumseglung sein wird. „Das Barcelona World Race gibt mir die Chance, mir in der IMOCA Open 60-Szene einen Namen zu machen.“

Große Namen im internationalen Hochseezirkus machten sich zeitgleich mit der „Neutrogena“ auf den Weg nach Barcelona. Aus La Rochelle/Frankreich segelt die Mixed-Crew Dominique Wavre (Schweiz) und die Französin Michèle Paret mit der „Mirabaud“ ins Mittelmeer; ebenfalls aus Frankreich ist die „Président“ der französisch-spanischen Mitfavoriten Jean Le Cam und Bruno Garcia unterwegs.

Der Engländer Alex Thomsen startete mit seinem Co-Skipper Andrew Meiklejohn (Neuseeland) auf der „Hugo Boss“ aus Gosport/Großbritannien. „Wir fliehen mit Volldampf vor dem nordeuropäischen Winter“, beschrieb Thomsen die harschen äußeren Bedingungen.

Auch Herrmann und Breymaier hatten Eis an Deck der „Neutrogena“, als sie in Concarneau die Leinen loswarfen. Vor der Küste nahm das Schiff schnell zwölf Knoten Fahrt mit Kurs Biskaya auf. „Wir wollen vor dem heranziehenden Sturmtief durch die Straße von Gibraltar sein“, erklärte Boris Herrmann die Wetteraussichten, von daher werde die Überführung kein Spaziergang. Die fünfköpfige Crew rechnet mit einer Reisezeit von sieben bis acht Tagen.

Unterwegs sollen vor allem die technischen Systeme noch einmal getestet werden. Dazu gehören unter anderem der Hydrogenerator, ein winziges, aber effizientes Wasserkraftwerk unterm Rumpf, aber auch die Selbststeueranlagen sowie die Navigationsgeräte bis hin zur Meerwasserentsalzung. Aber auch die Erstellung und Übermittlung von Videos, Audiointerviews, Fotos und Erlebnisberichten von Bord gehört zum Tages- und Nachtprogramm an Bord der „Neutrogena“.

Dass es auch bei solchen Touren richtig zur Sache gehen kann, erlebten Boris Herrmann und Ryan Breymaier während eines 2.000 Seemeilen langen Qualifikationsrennens, als ein orkanartiger Sturm und unangenehme Kreuzseen herrschten. Während andere Mitbewerber bei den Bedingungen aufgeben mussten, hielt die neue deutsch-amerikanische Freundschaft auch dem Schlechtwetter stand und ging gestärkt daraus hervor. „Ein Platz unter den ersten fünf ist unser großes Ziel“, stapelt das Team Neutrogena gar nicht erst tief.

Unterdessen akklimatisierten sich die Topfavoriten der Regatta schon vor Ort in Barcelona. Die extremen Neubauten „Foncia“ von Michel Desjoyeaux und François Gabart sowie „Virbac-Paprec 3“ von Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron (alle Frankreich) waren nach der berühmten Einhandregatta Route du Rhum gemeinsam per Frachter nach Barcelona gebracht worden.

Das Rennen hatte jedoch Roland Jourdain mit seiner zweiten, neueren, aber nicht neuen „Veolia Environnement“ gewonnen. „Es reicht nicht, wenn nur die Boote bei bestimmten Bedingungen schneller sind. Langzeitstrategie und Kleinraumtaktik sowie das Material nicht überzustrapazieren sind genauso wichtige Erfolgsfaktoren“, weiß Jourdain. Auch das gibt er Boris Herrmann und Ryan Breymaier mit auf den Weg zum Barcelona World Race 2010-11.

Die Teilnehmer am Barcelona World Race 2010-11

Central Lechera Asturiana : Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien)

Estrella Damm : Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien)

Foncia : Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich)

Fòrum Marítim Català : Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich)

Fruit : Kris Owczarek / Armand Coursodon (Polen/Frankreich)

GAES Centros Auditivos : Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich)

Groupe Bel : Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich)

Hugo Boss : Alex Thomson * / Andrew Meiklejohn (Großbritannien/Neuseeland)

Mirabaud : Dominique Wavre* / Michèle Paret* (Schweiz/Frankreich)

Neutrogena : Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA)

Président : Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien)

Renault : Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien)

Virbac-Paprec 3 : Jean-Pierre Dick* / Loïck Peyron (beide Frankreich)

We are Water : Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien)

www.iker-xabi.com: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien)

* diese Skipper haben auch am ersten Barcelona World Race teilgenommen


Eventseite Barcelona World Race

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Carsten Kemmling

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