IMOCA-Neubau: Warum „König“ Jean Le Cam ohne Foils segelt – „Extrem hat keine Zukunft“

Bis es einen Toten gibt

Jean Le Cam (64) weiß genau, warum er an seinen neuen IMOCA keine Foils anhängt: auf langen Strecken wäre der Zeitgewinn nur minimal, dafür der Stress- und Bruchfaktor umso höher. Dennoch ist sein neuer IMOCA kein „Back to the roots“-Projekt.

Le Cam auf seinem „hassgeliebten“ Hubert © Liot

Er ist einer dieser Helden, wenn nicht sogar DER Typ, ohne den die französische Hochseesegelei nicht das geworden wäre, was sie ist: technisch und sportlich tonangebend, emotional, eckig bis scharfkantig, mitunter allzu selbstverliebt.

Jean Le Cam, Le Roi/der König, wie er ehrfurchtsvoll von seinesgleichen genannt wird, hat wie kaum ein anderer Skipper vorwiegend die Vendée Globe- und somit die IMOCA-Szene geprägt. Er war einer der ersten, der gemeinsam mit Michel Desjoyeaux und anderen Größen des Segelsports aus dem bretonischen Port la Foret eines der wichtigsten Trainingszentren aufbaute.

Und er hat wie kaum ein anderer dafür gesorgt, dass der Begriff „Abenteuer“ bei den Weltumseglern der Vendée Globe weiterhin fest verankert bleibt. Ob er nun selbst aus höchster Seenot gerettet wurde wie bei der Weltumseglung 2008 oder ob er wie bei der letzten Vendée Globe-Ausgabe Kevin Escoffier auf Hoher See rettete, nachdem dessen Boot mal eben auseinandergebrochen war.

Keine Foils aber Class 40-Rumpf

Das Paradoxe in der Geschichte des Jean le Cam: Er prägte eine ganze Szene, indem er niemals gemeinsam mit ihr auf einer Mainstream-Welle ritt. Le Cam war, ist und bleibt anders, der „König“ lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben.

Le Cam, der Anti-Mainstream-Held © Liot

Eine Lebenseinstellung, die er in vielerlei Hinsicht unter Beweis gestellt hat. Und die er in mittlerweile unzähligen Interviews, TV-Gesprächen und zuletzt auch in seinem neuen Buch allen kundtat, die sich für ihn oder zumindest fürs Hochseeregattasegeln interessieren.

In den vergangenen Monaten und Wochen war er wieder öfter in den Medien präsent. Der Grund dafür ist einfach nachvollziehbar: Sein neues Boot steht kurz vor der Vollendung.

Dabei handelt es sich eben nicht um einen weiteren dieser wunderbar futuristischen IMOCA, mit ihren mehr oder weniger großen Flügeln respektive Foils. Mit deren Hilfe die 60-Fuß-Boote zumindest im Ansatz über die Wasser schweben.

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2 Kommentare zu „IMOCA-Neubau: Warum „König“ Jean Le Cam ohne Foils segelt – „Extrem hat keine Zukunft““

  1. Jörg Gosche sagt:

    Am besten ist die Perücke….

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    • Andreas Borrink sagt:

      Mann Jörg, JLC ist ein Held! Der hat keine Perücke; Helden brauchen sowas nicht. Habe ihn in den 80ern mal in Belgien beim F40 Cup kennengelernt. Der Mann ist Legende! Dass er allerdings mit seinem Lowrider gegen die neuesten IMOCA-Foiler was reissen wird, halte ich inzwischen auch für zweifelhaft. 640mls/24h geht ohne Foils wohl eher nicht wirklich. Und ob sich ALLE Foiler zerlegen, um das Podium für ihn frei zu machen….. da muss es schon richtig dicke kommen!

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