IMOCA-Plattbug Version 2.0: Jérémie Beyou zeigt seine neue Charal von Designer Manuard

So schmal, wie keine andere

Jérémie Beyou gehörte zu den großen Unglücksraben bei der vergangenen Vendée Globe. Nun hat er ein neues Sportgerät, das den Sieg bringen soll. 

Die Anleihen aus der Formel 1 sind unübersehbar. Das Enthüllen der neuen Rennyacht von Jérémie Beyou (46) wird wie bei einem Rennwagen inszeniert. Die neue IMOCA “Charal” schiebt sich effektheischend durch den Qualm von Fackeln aus dem Tor der CDK-Werfthalle in Lorient.

Ist das nun der erhoffte große Wurf, mit dem Beyou endlich seine Vendée-Globe-Karriere krönen kann? Viermal war er dabei, einmal erreichte er Platz drei – 2016/17 hinter Armel Le Cleac’h und Alex Thomson – dreimal wurde er durch Bruch gestoppt. Zuletzt im November 2020. Als großer Favorit gestattet, ausgestattet mit einem 15-Millionen-Euro-Budget über vier Jahre, musste er schon kurz nach dem Start umdrehen . Er segelte der Flotte nach einer Reparatur im Hafen noch gequält hinterher, konnte mit seinen Leistungsdaten auf dem Kurs um die Welt aber schließlich nicht bestätigen, dass er die Konkurrenz mühelos in Grund und Boden gesegelt hätte.

Jérémie Beyou vor seinem neuen Spielzeug. © Charal

Seine Strategie ging nicht auf. Sie war ungewöhnlich. Anstatt die technischen Entwicklungen in der IMOCA-Klasse nach dem Ende der Vendée Globe 2017 abzuwarten, ließ er sich als erster der Spitzensegler vom Konstruktionsbüro VPLP eine neue Rennmaschine bauen. Schon im August 2018 lief Charal 1 vom Stapel, startete folgerichtig gegen die älteren Yachten der Konkurrenz eine Serie von vier Siegen in fünf Rennen.

Der dreifache Figaro-Sieger, der 2018 auch zum siegreichen Volvo Ocean Race Team Dongfeng mit Skipper Charles Caudrelier und Kevin Escoffier gehörte, optimierte seine Yacht permanent und setzte auf die größere Zuverlässigkeit. Deshalb war es eine besondere Tragödie, gerade Beyou so früh aus dem Rennen ausscheiden zu sehen.

Die Bootsbauer mit der neuen Charal. © Charal

Aber auf dem Weg um die Welt scheint sich bei ihm die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Konstrukteure von VPLP nicht die beste Arbeit abgeliefert haben. Jedenfalls war auch ihr zweites Schiff der neuen Generation – die “Hugo Boss” von Alex Thomson – nicht ein so großer Wurf wie ihn sich der Skipper erhoffen konnte. Die Verdier-Konstruktionen von Daling und Ruyant waren in einigen entscheidenden Phasen bei der Vendée Globe schneller.

Für Beyou war das offenbar Grund genug, den Designer zu wechseln, nachdem er von seinem Sponsor, dem Fleischfabrikanten Charal, grünes Licht für einen neuen Vertrag bis 2026 bekommen hatte.

Die neue “Malizia” hat die Multiplast-Werft in Vannes verlassen und ist nach Lorient gebracht worden. © Team Malizia

Auch wenn Boris Herrmann das anders sieht.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „IMOCA-Plattbug Version 2.0: Jérémie Beyou zeigt seine neue Charal von Designer Manuard“

  1. avatar meerkater sagt:

    auf dem letzten Foto kann man gut erkennen, das der Moter aus der Mitte hinter dem Kiel ins Heck verschoben wurde, um damit den Schwerpunkt zu verschieben.

    • avatar Till sagt:

      Naja der Motor ist ja per Reglement ohnehin nur noch ein Elektromotor, damit ist ja ein Großteil des Gewichts in Form der Batterien frei platzierbar. Auffällig ist auch das exterem weit achtern liegende Cockpit und Kabienendach, das ganze liegt deutlich weiter hinten als bei den Verdiner und vor allem VPLP Entwürfen der letzten Generation. Man vergleiche Mal mit der alten Charal oder vor allem mit dem Cockpit der Ex Hugo Boss. In den letzten Jahren gibt es wieder größere Abweichungen zwischen den Yachten, nicht wie 2012 und 2016 wo faktisch alle Neubauten von 2 Architekten kamen und sich im Layout sehr stark ähnelten. Die nächste VG wird wirklich spannend.

  2. avatar meerkater sagt:

    Auch spannend ist, das Manuard die Foils nicht oben angesetzt hat wie bei L`Occitain sondern unten.
    Beim ersten Boot war noch das Argument, man könne die komplett aus dem wasser holen bei wenig oder sehr viel Wind.

    • avatar Till sagt:

      Das stimmt wohl, war für Charal aber unter Umständen nicht so wichtig, oder liegt daran dass der Rumpf nochmal ein gutes Stück schmäler als bei der letzten Generation geworden ist, bei der vorletzten Hugo Boss meinte Alex Thomson schonmal das die Yacht nach dem Foil Bruch nicht mehr segelbar gewesen wäre wenn der Rumpf noch schmäler wäre, zwischen damals und heute liegen aber vermutlich gute 60-80cm, verlässliche Angaben zur breite der neuen Charal sind noch nicht zu finden. Wahrscheinlich ist das Boot mittlerweile an einem Punkt an dem die foils sehr früh gebraucht werden und diese auch gleichzeitig durch mehr Fläche und vor allem Optimierungen deutlich früher funktionieren, an dem es gar keinen Sinn mehr macht die foils komplett aus dem Wasser zu ziehen. Die andere Möglichkeit wäre natürlich dass es irgendeinen nicht direkt offensichtlichen Nachteil mit den hohen Foilschächten gibt und man sie deshalb nicht übernommen hat.

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