Audi Med Cup Cartagena: Mitgesegelt bei “Quantum”. An-Bord-Reportage

"Die Kiste beginnt zu surren"

Autor Andreas Kling begleitetet das Team von "Quantum" aus der Heck-Perspektive (in rot) als 13. Mann.

Mitsegeln hat ja gemeinhin etwas von nicht so richtig dazu zu gehören und trotzdem an Bord zu dürfen. Nicht viel anders ist das beim Audi MedCup und doch ein wichtiger Bestandteil, gar feste Regel dieser fünfteiligen Regattaserie auf TP 52- und Soto 40-Yachten. Jedes Boot muss einen 13. Mann (oder Frau) im Heck mitnehmen.

Der Gast darf während der Rennen weder dumme Fragen stellen, noch kluge Ratschläge geben. Er muss immer hinter dem Traveller bleiben und möglichst nicht über Bord fallen, wenn er artig bei Wenden und Halsen die Sitzseite wechselt.

Und obwohl ich schon ein paarmal sogar selbst segeln durfte, war es doch ein besonderer Reiz, in Cartagena einmal beim America’s Cup-Gewinner von 2007, Ed Baird, auf der „Quantum Racing“ dabei zu sein. Schließlich führen die Amis in der Saisonwertung. Sie müssen es ja können.

Mit Q-Kappe und -Shirt ausgestattet, durch ein rotes Leibchen und Schwimmweste gekennzeichnet verpasse ich zunächst das Ablegen an der Pier. Es war unklar geblieben, wann es denn nach der Startverschiebung wirklich losgeht.

Okay, dann fällt das Warmmachen und Quatschen mit der Crew vorher eben aus. Ein Riesen-Schlaucher verteilt die „zahlenden Gäste“ auf die Rennziegen, erst zwölf Minuten vor dem Ankündigungssignal sind wir da.

„Hello Mister Kling“ begrüßt mich Genuatrimmer Luis alias Grant Loretz, ein Kiwi durch und durch und schon zu Willi Illbrucks Zeiten Söldner auf der Leverkusener „Pinta“. Fühle mich sofort wie zu Hause und muss doch husch, husch gleich nach hinten in die Ecke.

Dann teilt sich die Mannschaft in zwei Grüppchen, Arbeiter und Afterguard. Kevin Hall, der Navigator, gehört auch dazu. Alles große Namen mit America’s Cup-Leviten im Logbuch. Die Denker und Lenker hecken die Rennstrategie aus. Einer vom Volk ist oben im Mast und überschaut die Bahn nach dem Wind.

Taktiker Adrian Stead aus Großbritannien gibt den Ton an. „Ich sehe mehr Druck auf der rechte Seite.“ Er ist aber auch Diplomat und fragt vorsichtig, ob jemand widerspricht. Doch dann ist klar, es soll direkt am Startschiff losgehen und gleich nach rechts raus gewendet werden. Es sind leider nur acht Knoten Wind aus 220 Grad. Aber die Kohlekiste wackelt in der Vorstartphase bei unruhigem, aufgewühltem Wasser ruckartig hin und her.

Noch 30 Sekunden. Skype-Gründer Niklas Zennström, der üblicherweise seine Frau und Mit-Eignerin Catherine als „Gast“ dabei hat, macht mit seiner „Rán“ zunächst das Loch vor der Linie zu. „Das klappt nicht“, sagt einer noch und dann geht’s mit angezogenen Schoten gleich voll Power mit 20 bis 30 Grad Lage los.

Die TP 52 springen super an. Jetzt nur festhalten, und keine Nummer bauen. Baird spitzelt die „Quantum Racing“ hauteng in die sich öffnende Lücke genau am Boot der Wettfahrtleitung vorbei.

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5 Kommentare zu „Audi Med Cup Cartagena: Mitgesegelt bei “Quantum”. An-Bord-Reportage“

  1. avatar Marc sagt:

    Wie kommt man denn zu der Ehre? Kann man sich da bewerben oder geht das nur über Vitamin B oder einen entsprechenden Kontoauszug als Empfehlung? 😉

    Macht bestimmt Spaß und ist sehr interessant. Toll wäre wenn da mal einer filmen würde.

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  2. avatar Andreas sagt:

    Da sind entweder Gäste der einzelnen Teams an Bord, Sponsoren, Freunde was auch immer, oder Medienvertreter, je nachdem, wer an dem jeweiligen Tag das Recht hat, “den 13.” zu stellen.

    Gefilmt wird reichlich. In jedem Rennen ist auch auf einem Boot ein Kameramann an Bord. Die Rennen werden live im Internet übertragen, und das Finale in Barcelona höchstwahrscheinlich auch auf http://www.segelreporter.com. Archiv-Filme gibt es bei http://www.medcup.org.

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  3. avatar hanseatic sagt:

    Klasse Bericht von Andreas! Damit das vor lauter wie, warum und weshalb mitfahren hier auch mal erwähnt wird 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Marc sagt:

      Ja das sollte nicht unter gehen. Wirklich ein super Bericht. Darum habe ich ja auch gefragt wie man es schafft dort mit zu fahren. Dann können vielleicht noch mehr Berichte hier auftauchen.

      PS: Ich finde es übrigens immer wieder faszinierend was für ein breites Themengebiet hier an News aufkommt und wie nah ihr am Geschehen seid. Das fing an mit den vor Ort Berichten von der Präsentation des ACs in San Francisco und gipfelt jetzt in einem “live” Bericht vom MedCup. Darum ja auch meine Frage, dachte da kommt man wirklich ganz ganz schwer an eine Mitfahrgelegenheit. Umso toller das ihr es geschafft habt und uns davon berichten könnt.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  4. avatar Kersten sagt:

    klasse Text! Hat Spaß gemacht zu lesen

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