Audi Medcup Cartagena: Schümann mit Tagessieg, “Container” rückt auf Treppchen vor

Up and down für deutsche Teams

Wie bei der Startsequenz geht es für "Container" (l.) und Audi All4One auch mit den Ergebnissen hoch und runter. © Guido Trombetta_Studio Borlenghi/Audi MedCup

Mit zunehmendem Wind haben sich am Freitag (26. August) beim Audi MedCup in Cartagena/Spanien auch die Leistungen der deutschen Segler verbessert. Jochen Schümann rehabilitierte sein Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) nach dem Desaster des Vortags mit einem Tagessieg und wurde danach zweimal Fünfter.

In der Gesamtwertung bedeutet das jedoch vorerst nur Rang sechs, 14 Punkte hinter der einheimischen „Bribón“ von Steuermann Gonzalo Araujo an der Spitze. Auch bei Udo Schütz’ „Container“ (Selters) zeigt der Trend mit den Einzelplätzen vier, drei und zwei eindeutig nach oben.

Der in Berlin wohnende Starnberger Markus Wieser steuerte die TP 52-Yacht aufs Podium, hat aber sechs Zähler Rückstand auf das zweitplatzierte „Audi Azzurra Sailing Team“ (Guillermo Parada) aus Italien, das ihm vor der Regatta in der Saisonwertung mit nur sieben Punkten Rückstand auf den Fersen war.

Mit zwei Tagessiegen, dem zweiten knapp vor der lange Zeit führenden „Container“, waren die Italiener Mannschaft des Tages. Für die größte Überraschung sorgte allerdings das schlechte Abschneiden der „Quantum Racing“ aus den USA.

"Container" mit dem deutschen Trimmer Matti Paschen (vorne sitzend) hat sich mit einer soliden Leistung auf Platz drei vorgearbeitet. © Guido Trombetta_Studio Borlenghi/Audi MedCup

Ed Baird, America’s Cup-Sieger 2007, hatte die Yacht beim Saisonauftakt im Mai in Cascais/Portugal zu einem überlegenen Sieg gesteuert. Inzwischen ist das einstmals komfortable Punktepolster bis auf zwei Zähler vor der „Container“ zusammengeschmolzen. In Cartagena belegt die Mannschaft vor dem Küstenrennen (1,5-fache Wertung) am Sonnabend (27. August) nur Platz fünf.

Ganz überlegen hatte die „Container“ das letzte Tagesrennen angeführt, schien ungefährdet. Nach wiederum erstklassigem Start hatte die zwölfköpfige Crew nach und nach einen zunächst beruhigenden Vorsprung vor der Konkurrenz herausgearbeitet. Doch auf dem Zielstück unter Gennaker wurde es plötzlich spannend.

Die blaue „Azzura“ kam mit Volldampf von hinten auf, war zeitweise zwei bis drei Knoten (ca. 5 km/h) schneller. Fast wehrlos wirkte die „Container“ und gab den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand. „Vielleicht hätten wir aggressiver trimmen sollen“, meinte der enttäuschte Skipper, „die Italiener haben alles aus ihrem Boot herausgeholt.“

Aber auch insgesamt war Markus Wieser mit der Vorwind-Geschwindigkeit nicht zufrieden. Bei den vorigen beiden Audi MedCup-Regatten immer eine Stärke der „Container“ hakt es nun. „Wir lassen auf den Teilstrecken einfach zu viele Meter und Punkte.“

Schwestern unter sich. Die italienische "Audi Azzurra" (l.) war mit zwei Siegen Tagesbeste und segelte den deutschen Rennstallkollegen davon. © Guido Trombetta_Studio Borlenghi/Audi MedCup

„Wir werden das in Ruhe analysieren und versuchen, abzustellen“, meinte Coach Frithjof Kleen, „aber ärgerlich war der Punktverlust auf der Zielgeraden schon.“ Gleichwohl spiegle dieser Freitag das drittbeste Saisonergebnis wider, rechnete Taktiker Hamish Pepper aus.

Insofern resümierte der Neuseeländer nicht unzufrieden: „Wer ein Rennen so lange so überlegen anführt, will es natürlich am Ende nicht mehr verlieren. Aber deswegen müssen wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir lernen ja immer noch viel über unser neues Boot.“

Das Absacken der „Quantum Racing“ wollte er nicht detailliert kommentieren. „Einmal haben wir uns auf sie draufgelegt und abgedeckt“, so Pepper, „aber das haben die vorher bei uns viel öfter gemacht. Da haben wir ‚noch ein paar gut‘.“

Das Momentum des hervorragenden Tagesauftakts konnte das Audi Sailing Team nicht nutzen. Zwar lag das rote Boot in der sechsten Wettfahrt dieser Serie einige Zeit in Führung, gab diese jedoch trotz guter Bootsgeschwindigkeit in mäßiger bis frischer Brise wieder ab.

„Uns fehlt es immer wieder an Konstanz“, bemängelte Teamchef Stephane Kandler, „wir zeigen manchmal, dass wir es können, aber dann auch wieder nicht. Wir brauchen nicht nur Einzelsiege, sondern mehr Podiumsplätze. Kontinuität entscheidet am Ende, wer auf dem Treppchen steht.“

Skipper Jochen Schümann sagte nach den beiden letzten Plätzen vom Donnerstag immerhin erleichtert: „Es lief schon viel besser für uns, auch wenn wir noch weiter vorne hätten landen können. Zwei Tagessiege waren möglich, aber an der ersten Wendetonne im letzten Tagesrennen fehlten uns wenige Meter, um vor den anderen vorbei zu ziehen.

Danach sieht es taktisch völlig anders aus. Statt eine knappe Führung zu verteidigen, was uns zuvor gut gelungen war, wurden wir in Positionskämpfe verstrickt. Und schon waren wir am Ende nur Fünfter.“

Drei packende Rennen bei gegen Ende vier Windstärken gab es auch in der Soto 40-Klasse. Hier überrascht weiter die britische „Ngoni“, die zwei Tagessiege landete und nur im dritten Rennen von der einheimische „Iberdrola“ geschlagen wurde.

Einen Achtungserfolg verbuchte die Deutsche Sabine Schumann aus Barcelona als Taktikerin auf der „cruiser-racer.com“. Einmal konnte ihr Team die australische „Patagonia“ hinter sich lassen. „Wir sind Newcomer auf der Soto 40 und müssen uns mit dem Boot noch zurechtfinden“, so Schumann, „aber es geht von Rennen zu Rennen besser.“

Die Region of Murcia Trophy im Audi MedCup wird am Sonnabend (26. August) um 13 Uhr in der TP 52-Klasse mit einer Mittelstrecke entlang der südostspanischen Küste fortgesetzt. Das Rennen wird mit dem Faktor 1,5 bewertet. Die Soto 40 sollen zwei weitere Kurzrennen segeln. Am Sonntag (28. Juli) fällt die Entscheidung in zwei abschließenden Wettfahrten.

Die Wettfahrten des Audi MedCups werden täglich per Video live im Internet auf der Eventwebsite übertragen und sind zudem über Facebook zu verfolgen und zu kommentieren.

Ergebnisse

Segeln in Zahlen, Ergebnisse von Freitag, 26. August

Audi MedCup Circuit 2011

Region of Murcia Trophy in Cartagena/Spanien (vierte von fünf Regattaserien)

TP 52-Klasse

Gesamtstand (nach sechs von neun Wettfahrten)

1. Bribón, Gonzalo Araujo (Spanien, 2/5/1/2/2/3) 15 Punkte

2. Audi Azzurra Sailing Team, Guillermo Parada (Italien, 5/1/4/5/1/1) 17

3. Container, Udo Schütz (Selters), Skipper Markus Wieser (7/4/3/4/3/2) 23

4. Synergy Russian Sailing Team, Eugeniy Neigodnikov (Russland, 1/3/5/3/7/6) 25

5. Quantum Racing, Ed Baird (USA, 3/2/6/6/4/7) 28

6. Audi Sailing Team Powered by All4One, Jochen Schümann (Kiel, 4/7/7/1/5/5) 29

7. Ràn, Niklas Zennström (Schweden, 6/6/2/7/6/4) 31

Soto 40-Klasse

Gesamtstand (nach fünf von acht Wettfahrten)

1. Ngoni (Großbritannien) 7 Punkte

2. Iberdrola (Spanien) 12

3. NH Resorts (Spanien) 12

4. Patagonia (Australien) 20

5. Cruiser-racer.com (Spanien) 24

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/byt-til-nyt-dag

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