Audi Medcup Sardinien: Gesamtsieger Schümann, “Container” auf Platz vier

"Wir mussten lernen, schnell zu segeln"

All4one gibt Vollgas im Finale bei über 30 Knoten. © Ian Roman/Audi MedCup

Jochen Schümann steuert das Audi Sailing Team powered by All4One bei der Sardinia Trophy zum ersten Regattasieg im Audi MedCup Circuit 2011. Markus Wieser sichert Udo Schütz’ „Container“ Rang vier und holt in der Saisonwertung weitere vier Punkte auf Spitzenreiter „Quantum Racing“ auf.

Jochen Schümann hat mit dem Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) überlegen die Sardinia Trophy im Audi MedCup gewonnen. Der 57-jährige Steuermann glänzte mit der deutsch-französischen Mannschaft auch am Sonntag (24. Juli) in Cagliari/Italien und siegte nach neun Wettfahrten mit neun Punkten Vorsprung vor dem italienischen Audi Azzurra Sailing Team.

Schümi macht den Adler. © Ian Roman/Audi MedCup

Die „Container“ von Udo Schütz aus Selters erlebte an fünf Regattatagen vor Sardinien ein Auf und Ab, machte als Gesamtvierte knapp hinter der „Bribón“ (Spanien) aber vier Punkte auf die „Quantum Racing“ (5.) gut. Die TP 52-Yacht aus den USA führt nach drei von fünf Events im Audi MedCup Circuit 2011 nur noch mit sieben Zählern vor der von Markus Wieser gesteuerten „Container“.

Starker bis stürmischer Mistralwind sorgte auch am Schlusstag vor der schroffen Felsenküste Sardiniens für Drama pur auf der Regattabahn der rasanten Hochseeyachten. Das azurblaue Wasser war von schneeweißen Schaumkronen übersät.

Große Freude an Bord von All4One nach dem überraschenden Comeback in den Medcup Circuit. © Ian Roman/Audi MedCup

Feuerrot stach nur ein Schiff aus dem hochkarätigen Feld der 15,85 Meter langen TP 52-Yachten heraus: Die überragende, neue „All4One“ des Audi Sailing Teams mit dem geborenen Berliner Schümann am Steuer.

Manch Schelte, gar Häme hatte der dreimalige Olympia-Sieger und zweifache America’s Cup-Gewinner einstecken müssen, nachdem er zu Saisonbeginn bei der Cascais Trophy in Portugal deutlich hinterher gesegelt war. Bei der Marseille Trophy im Juni in Frankreich ging es bergauf – nur noch nicht in der Endabrechnung.

Doch aller guten Dinge sind drei! Mit der konstantesten Leistung aller Mannschaften hatte „Schümi“ den Gesamtsieg schon vor dem Start des letzten Rennens vor Cagliari in der Tasche. Doch das war der deutsch-französischen Mannschaft mit Taktiker Sebastien Col nicht genug. Sie gewann kurz vor der Ziellinie einen hochspannenden Dreikampf und holte Platz zwei hinter der letzten Tagessiegerin, dem Audi Azzurra Sailing Team mit Guillermo Parada.

Und das Vrolijk-Design ist doch schnell. Rolf Vrolijk gratuliert seinem alten Alinghi Weggefährten Schümann. © Ian Roman/Audi MedCup

Zwar reichte das in der Saisonwertung noch nicht ganz, den vorletzten Rang zu verlassen. Doch seinem erklärten Ziel, auf dem Podium zu landen, ist Deutschlands erfolgreichster Segler aller Zeiten ein großes Stück näher gekommen. Der zuckersüßer Sieg zur Halbzeit des Audi MedCups hat ihn nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf die richtige Fährte gebracht.

„Zu gewinnen ist immer etwas ganz Besonderes. Das macht uns stolz, glücklich und mehr als zufrieden“, so Jochen Schümann, „vor allem nach unseren Startschwierigkeiten zu Beginn des Jahres. 2010 sind wir zweimal Zweiter geworden und haben dann ein neues Boot gebaut. Wir mussten erst lernen, es schnell zu segeln, denn das Design (von Judel/Vrolijk aus Bremen, d. Red.) ist schon außergewöhnlich. Doch damit kommen wir nun immer besser zurecht. Das macht uns optimistisch für die beiden letzten Regatten in Spanien.“

“Container” gelangen drei Tagessiege in neun Rennen. Es war mehr drin als Platz vier. © Ian Roman/Audi MedCup

So gemischt wie die Einzelergebnisse fiel auch die Wochenbilanz von Markus Wieser aus. Drei Tagessiegen der „Container“ folgten zwei letzte Plätze sowie ein vorletzter Rang zum Schluss.

„An der allerletzten Tonne waren wir noch insgesamt Zweite, doch hatten nicht das beste Vorsegel für den wechselhaften Wind“, so Wieser. Siegpotential sei zweifelsfrei vorhanden, konnte jedoch zu oft nicht umgesetzt werden. „Wir haben nicht gut genug gesegelt“, gab der Starnberger unumwunden zu, „aber wir konnten auch selten frei segeln.“

Konsequent habe sich die „Quantum Racing“ auf die „Container“ draufgelegt, das heißt mit einer Wende oder Halse deren taktische Bewegungsfreiheit eingeengt, wann immer es die Möglichkeit dazu gab. Dass das Endergebnis der Sardinia Trophy dennoch positiv ausfiel, tröstete Wieser: „Unterm Strich blieb der Regattaverlauf im grünen Bereich. In Cartagena und Barcelona ist noch alles möglich.“

Leetonnenrundung der “Container”. Die deutsche Yacht holte vier Punkte in der Gesamtwertung auf “Quantum” auf. © Ian Roman/Audi MedCup

Das musste auch Ed Reynolds, Teamchef von „Quantum Racing“ zugeben. Nach einem rabenschwarzen Tag für das US-Syndikat wird es im Audi MedCup immer spannender. „Ich kann mich nicht erinnern, wann wir überhaupt einmal einen Materialbruch hatten, oder einen Strafkringel drehen mussten. Und nun passiert gleich beides an einem Tag“, so Reynolds.

Beim Start des vorletzten Rennens war eines der beiden Backstagen gebrochen. Steuermann Ed Baird konnte zwar noch wenden, doch bei einer weiteren Wende zurück zur Luvtonne wäre sicher der Mast gebrochen, da das Spinnakerfall als Ersatz bei den harten Bedingungen nicht gehalten hätte. In der Pause wurde repariert, und die US-Boys waren gleich wieder vorne mit dabei.

Allerdings begingen sie an der letzten Wendemarke der Regatta ein dummes Foul, indem sie der russischen „Synergy“ mit Steuermann Eugeniy Neugodnikov in deren vorfahrtberechtigten Weg wendeten. Reynolds: „Wir hatten es selbst in der Hand, unseren Vorsprung im Audi MedCup auszubauen. In Cartagena könnte es die härtesten Kurzrennen der Saison überhaupt geben. Da gibt es keine Favoriten mehr.“

Dreikampf zwischen “Bribon”, “All4One” und “Container”. © Ian Roman/Audi MedCup

Die Soto 40-Klasse sah den dritten überlegenen Saisonsieg der „Iberdrola“ aus Spanien. Nur im letzten Rennen „patzte“ sie noch einmal. Nachdem die Zwölf-Meter-Yacht Steuermann Jose María Torcida in einer Bö aus dem Ruder gelaufen war, wurde sie am Ende nur Zweite hinter der „Noticia IV“ von Iñaki Castañer (ebenfalls Spanien), die im Endklassement sechs Zähler zurück Gesamtzweite wurde.

„Diese Leistung hätten wir uns nicht mal in unseren kühnsten Träumen auszumalen gewagt“, sagte „Iberdrola“-Projektleiter Agustín Zulueta, „aber ich bin sicher, die Konkurrenz wird aufholen, und wir haben in den kommenden beiden Monaten noch engere Rennen zu erwarten.“

Der vierte Event des Audi MedCup Circuit 2011 findet vom 23. bis zum 28. August im spanischen Cartagena statt. Das Saisonfinale in der TP 52- und der Soto 40-Klasse steht vom 12. bis 17. September in Barcelona/Spanien auf dem Programm.

Ergebnisse

 

Eventseite

Sardinia Trophy (dritte von fünf Regattaserien)

TP 52-Serie (Endstand nach neun Wettfahrten)
1. Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel), Jochen Schümann, (4/1/3/3/1/5/1,5/6/2) 26,5 Punkte
2. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), Guillermo Parada, (5/3/6/7/5/2/4,5/2/1) 35,5
3. Bribón (Spanien), Gonzalo Araujo, (7/4/5/2/2//5/6/3/4) 37
4. Container (Selters), Skipper Markus Wieser, (1/2/7/4/7/1/9/1/6) 38
5. Quantum Racing (USA), Ed Baird, (6/6/2/1/3/6/3/DNF/7) 42
6. Ràn (Schweden), Niklas Zennström, (2/5/4/6/6/3/10,5/4/3) 43,5
7. Synergy Russian Sailing Team (Russland), Eugeniy Neigodnikov, (3/7/1/5/4/7/7,5/5/5) 44,5
8. Gladiator (Großbritannien), Anthony Langley, nicht angetreten, 85,5

Soto 49-Serie (nach sieben Wettfahrten)
1. Iberdrola Team (Spanien, 1/1/2/1/1/1/2) 9 Punkte
2. Noticia IV (Spanien, 2/2/3/2/3/2/1) 15
3. Ngoni (Großbritannien, 3/3/4/4/2/3/3) 21
4. XXII Sardegna (Italien, 4/4/1/3/4/4/4) 24
5. Patagonia (Argentinien) nicht angetreten 42

Gesamtstand im Audi MedCup Circuit 2011 (nach drei von fünf Regatten)

TP 52-Serie
1. Quantum Racing (USA), 91 Punkte
2. Container (Selters), 98
3. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), 105
4. Synergy Russian Sailing Team (Russland), 121
5. Ràn (Schweden), 122,5
6. Bribón (Spanien), 125,5
7. Audi Sailing Team Powered by All4One (Kiel), 128
8. Gladiator (Großbritannien), 218

Soto 40-Serie
1. Iberdrola Team (Spanien), 36
2. Noticia IV (Spanien), 62
3. XXII (Italien/Spanien), 73
4. Ngoni (Großbritannien), 81
5. Patagonia (Argentinien), 87

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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

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