SailGP St. Tropez: Outteridge und Bruni siegen für Japan – Dänen sind die großen Pechvögel

"Nicht einfach, wenn man ein Loch im Boot hat"

Eben noch haben sich die besten Speed-Steuerleute der Welt bei der Moth-WM gemessen, nun mussten sie wieder beim SailGP in Saint Tropez ran. Dabei erlebte insbesondere der überlegene Moth-Weltmeister und Führende der SailGP-Gesamtwertung Tom Slingsby, wie schnell man beim Segelsport auch auf diesem Niveau in eine andere Gefühlswelt abtauchen kann. Die Australier segelten nach zwei Event-Siegen diesmal auf den letzten Platz.

Team Dänemark mit starker Leistung vor St. Tropez. © SailGP

Schon nach dem ersten Tag, der bei leichtem Wind mit der 24 Meter Tragfläche und einer von fünf auf drei reduzierten Crew absolviert wurde, lagen die Aussies hinten. Computer-Probleme führten etwa zu Boundary-Panaltys für das zeitweilige Verlassen des Spielfeldes. Und es wurde nicht besser nach dem zweiten Tag, als die Wettfahrtleitung beschloss, erstmals den neuen 29 Meter Flügel und voller Crew zum Einsatz zu bringen.

Er ist 80 Kilo schwerer, entwickelt mehr Power und lässt den Luvrumpf früher ansteigen. Aber früheres Foilen erlaubt er laut AUS-Wingtrimmer Kyle Langford wegen des zusätzlichen Gewichts nicht. Aber neue Trimm-Einstellungen müssen gefunden werden. Und die Teams hatten wegen der generell limitierten Trainingszeit beim SailGP kaum Optionen, den neuen Antrieb zu testen.

Spanien rast ins Finale. © SailGP

Wozu das führen kann, zeigte der erste Start mit dem großen Flügel am zweiten Tag des SailGP in St. Tropez. Gleich sechs von acht Katamaranen segelten zu früh über die Startlinie. Die Teams berechneten beim Timing zur Linie überwiegend den Speed-Boost falsch. So kamen die Dänen zu einer unerwarteten deutlichen Führung.

Aber das Hochgefühl verstrich schnell, als die Fockschot brach. Mit flatterndem Vorsegel war nur noch Rang fünf möglich. Da nutzt auch der Rennsieg im letzten Rennen nichts mehr. Der erste mögliche Einzug in ein Dreier-Finale blieb aus.

Burling verpatzt Finaleinzug

Dabei patzten die Neuseeländer um Burling/Tuke mit Rang 8 im finalen Rennen und machten nach der Serie 4/3/3/2 die Türe zum Finaleinzug weit auf für die Konkurrenz. Japan und Spanien waren schließlich einen Punkt besser – die USA um zwei Punkte.

Im Finale schien der Sieg sicher für Spithill und sein US-Team. Aber Japan mit dem Australier Outteridge am Steuer, dem Briten Draper am Wing und dem Italiener Francesco Bruni als Flight Controller sowie zwei Japanern als Grinder erwischte eine starke Rechtsdrehung auf dem ersten Vorwindkurs deutlich besser und schnappte sich Sieg und Tabellenführung jeweils vor Spithill.

Start beim Gastspiel auf dem Mittelmeer. © SailGP

Auf Platz drei landete Phil Robertson mit den Spaniern. Der Neuseeländer muss das Steuer aber wohl bald an den 470er-Bronze-Gewinner Jordi Xammar abgeben. Der vielfach bestrafte, aggressive Starter, der als Sechster der Moth WM überrascht hatte, fand sich diesmal in der ungewohnten Opferrolle. Ben Ainslie hatte ihm bei einem haarigen Start ein Loch ins Boot gefahren.

“Zu Beginn des fünften Rennens fuhr er uns ein riesiges Loch in das Heck”, beschreibt Robertson den Vorfall. “Das war ein bisschen beunruhigend und nicht ideal. Es hat uns nicht geholfen und ihm wahrscheinlich auch nicht. “Es ist nicht einfach, wenn man ein großes Loch im Boot hat. Man muss es reparieren und sicherstellen, dass es strukturell in Ordnung ist.” Das habe bei der Vorbereitung auf das Finale nicht gerade geholfen.

Ainslie entschuldigt sich

Ainslie entschuldigte sich für sein aggressives Manöver. Die Strafe kostete seinem Team die beste Position im Rennen und letztlich die Chance auf das Podium. Die Lücke zwischen Spanien und Dänemark habe sich im letzten Moment geschlossen. Die Strafe sei richtig gewesen.

Ainslies Harakiri-Start:

Outteridge schreibt den Sieg schließlich seinem britischen Trimmer Chris Draper zu, dem ehemaligen Luna Rossa-Steuermann. Er hab wohl die meiste Zeit mit dem neuen großen Wing zubringen dürfen, weil die Organisatoren ihn als Tester einsetzten.

Die “Japaner” mit Outteridge (AUS), Draper (GBR) und Bruni (ITA) siegen in Frankreich. © SailGP

Spithill lässt das allerdings nicht als Ausrede für das Überholmanöver der Japaner gelten. “Ich glaube, sie sind am Ende einfach besser gesegelt.” Er war froh, wieder über den nach seinem Beinbruch vor drei Wochen in Aarhus genesenen Wing Trimmer Paul Campbell James verfügen zu dürfen. Allerdings musste er mit Taylor Canfield einen neuen Mann als Flight Controller einbauen. Der mehrfache Match-Race-Weltmeister und mögliche Skipper des zukünftigen America’s-Cup-Teams Stars&Stripes ersetzte Rome Kirby.

Ergebnisse SailGP France
1. Japan
2. Vereinigte Staaten
3. Spanien
4. Neuseeland
5. Dänemark
6. Großbritannien
7. Frankreich
8. Australien

Tabelle nach fünf von acht Regatten

  1. Japan, 37 Punkte
  2. Vereinigte Staaten, 35 pts
  3. Australien, 35 Punkte
  4. Großbritannien, 34 Pkt.
  5. Spanien, 31 Pkt.
  6. Neuseeland, 30 Pkt.
  7. Dänemark, 28 Pkt.
  8. Frankreich, 27 Pkt.

Die nächsten SailGP Regatten der Saison:
9.-10. Oktober 2021 – Großer Preis von Spanien – Andalusien
17.-18. Dezember 2021 – Großer Preis von Australien – Sydney
29.-30. Januar 2022 – Großer Preis von Neuseeland – Christchurch (ABGESAGT)
26.-27. März 2022 – Großer Preis der Vereinigten Staaten – San Francisco (Großes Finale der Saison 2)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „SailGP St. Tropez: Outteridge und Bruni siegen für Japan – Dänen sind die großen Pechvögel“

  1. avatar Alf sagt:

    Zu “Er war froh, wieder über den nach seinem Beinbruch vor drei Wochen in Aarhus genesenen Wing Trimmer Paul Campbell James verfügen zu dürfen” – die Jungs haben offenbar nicht nur auf bzw. über dem Wassen den Turbo drin 🙂

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