Iskareen-Bordbuch: Auf Rang 16 im Ziel – 4704 Meilen mit einem Schnitt von 9,20 Knoten

"Ein letzter traumhafter Segeltag"

Sönke und Arnt Bruhns haben mit ihrer “Iskareen” die Transat Jaques Vabre auf Rang 16 beendet. 27 Zweimann-Crews waren in der Class 40 an den Start gegangen. Die letzten Videos von Bord.

“Iskareen” angekommen in Salvador de Bahia. © TJV

Die Bruhns-Brüder haben ihr erstes gemeinsames Atlantik-Abenteuer mit ihrer “Iskareen” bestens überstanden.  Sie absolvierten die 4.350 Meilen lange direkte Strecke der Transat Jaques Vabre von Le Havre nach Salvador de Bahia in 21 Tagen, 7 Stunden und 19 Minuten. Dabei erreichten sie über die tatsächlich gesegelte Distanz von 4707 Meilen einen Durchschnitt-Speed von  9,20 Knoten. Der Rückstand zum überragenden Siegerschiff “Crédit Mutuel” betrug drei Tage und 15 Stunden.

Das Amateur-Duo hat sich beachtlich auf hoher See geschlagen, und es ist ihm auf beachtliche Art und Weise gelungen, die Faszination des Hochsee-Regattasegelns an die Fans zuhause weiterzugeben.

Schade, dass es vorbei ist. Hier nun die letzten Stimmen von Bord:

Day 21 – Die Küste herunter, Samstag, 16.11.2019

Morgens endlich mal wieder Action – während wir uns zwischen den Fischerbooten durchschlängeln, wird erst der Code 0 gesetzt. Dann tauschen wir ihn zwei Stunden später gegen den großen Kite. Da darf natürlich auch die Trinquette als Stagsegel nicht fehlen.

Bei bestem Sonnenschein und guten 20 Knoten Wind jagen wir Salvador entgegen: wir wollen die Ankunft am späten Nachmittag, da müssen noch ein paar Meilen weg……
Die Routings schlagen uns eine Halse unter die Küste vor, wir können windtechnisch keinen Vorteil sehen, möchten aber vermeiden, nachts mit großem Kite und viel Druck durch die Fischerboote an der Küste zu metern. Insofern bleiben wir weiter auf See und halsen später.

Ein letzter traumhafter Segeltag im Südostpassat, die Sonne scheint auf ein tiefblaues Meer, ein paar Schäfchenwölkchen, 30 Grad Luft und Wasser, damit kann man arbeiten! Gegen Abend wird das Ganze durch einen grandiosen Sternenhimmel abgelöst.

Dies wird voraussichtlich unser letzter Report von Bord sein, morgen wollen wir ankommen, dageht so etwas erfahrungsgemäß unter. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle an unser Landteam, das die Neuigkeiten stets in Echtzeit weitergab und uns als Backoffice unterstützte. Ein weiterer Dank an alle, die uns verfolgt und sich mit uns gefreut und gelitten haben, leider versiegt der tägliche Newsletter von Bord nun bis auf weiteres.

Bits & Bites

Waterworks: Wir nutzen die letzten Meilen im tiefen Südatlantik zur finalen Wasserproduktion für die verbleibenden zwei Tage, in den schlammigen, verdreckten Küstengewässern möchte man kein Frischwasser herstellen. Produktionsmarathon für den Watermaker!

Pittoresk – was bei Dunkelheit nur am Licht zu erkennen ist, entpuppt sich bei Tag als fröhlich angemalter Schuhkarton mit Korbfallen auf dem Dach: Wir treffen die brasilianischen Fischerboote live und in Farbe, wir müssen Ihnen ja nicht erzählen, wie viele Ihrer Fischerbojen wir nachts überfahren haben…

Take the long way home – am Horizont taucht ein Segler auf, der sich bei näherem Hinsehen als Imoca entpuppt und als “La Fabrique” identifiziert wird. Die Kollegen sind schon wieder auf dem Weg nach Hause und nutzen wie viele andere Imoca Teams die Gelegenheit, um Qualifikationsmeilen für Vendeé Globe zu sammeln. Happy Kreuzing, die Strecke verläuft größerenteils upwind…..

Die Brüder Bruhns happy kurz vor dem TJV-Ziel. © Iskareen

Day 19  Zielgerade Donnerstag, 14.11.2019

Am Ende hat der Wind ein Einsehen und dreht langsam aber sicher über den Tag zurück Richtung SE, später sogar noch weiter. Wir können unseren Waypoint vor Recife erst anliegen, dann sukzessive anfangen etwas voller im Speed mode zu fahren und schließlich nachts die Schoten etwas aufmachen. Das ist im Effekt gut für unseren Speed und schlecht für unseren Komfort: U 138 geht auf Tauchfahrt, kommen wir über die Welle nicht drüber fahren wir halt hindurch – nasse Angelegenheit draußen.

Vormittags entschließen wir uns bei wieder nachlassendem Wind dann auch, die Trinquette mal wegzupacken, die bislang im VO65 Style aufgerollt im Vorsegeldreieck hing und vorerst wohl nicht mehr verwendet wird. Sönke übt sich zumindest mit einem Singlehanded-Stunt auf dem Vordeck und pfercht die um sich schlagende Wurst in den Sack.

Und was machen Sie so? Zugegeben, allzu aufregend ist die Schipperei derzeit nicht – große Lücken im Feld nach hinten und vorne, keine taktischen Optionen, ein Kurs, auf dem Autopilot eigentlich besser steuert als wir (das wird tatsächlich auch über den Performance-Monitor verifiziert), ab und an nachtrimmen und Wasserballast anpassen, das wars.

Da bleibt tatsächlich so etwas wie Muße um sich die Zeit zu vertreiben – gute Gespräche, das Buch (Sönke hat eins dabei), Hörbücher vom Handy oder ein bisschen basteln. Wir fangen hier jetzt nicht mit Stricken, Walzähne schnitzen oder Fancywork an, aber am Boot gibt es immer etwas zu tun, laufendes Gut ist dafür prädestiniert, etwas Liebe zu benötigen.

So zum Beispiel der Tauschäkel am Spifall, Nobelmodell mit Knebel, bloß leider hat er Hersteller versäumt, das nackte Dyneemaende zu ummanteln, so dass die Fasern mit der Schlaufe im Spifall eine molekulare Einheit eingehen wollten, sprich unter Zug und Druck geschmolzen sind. Einmal auf, alles neu und diesmal mit Mantel darum, vielleicht hält es ja mal etwas länger.

Bits & Bites

Wie weit ist es denn noch und wann kommen wir endlich an? Wieder quengelt keiner. Heute Nacht ein F, das ist bekanntlich die jedem Hochseesegler geläufige Maßeinheit Fastnet und damit eigentlich keine Distanz mehr.

Weißt du welche Sternlein stehen? Normalerweise nicht so unsere Stärke, kurz nach Polarstern und großem Wagen verlässt uns die Astronomie; das Kreuz des Südens jedoch haben wir soweit noch auf dem Schirm und das scheint gerade auf uns herab.

Einer von Sönkes Wasserfreunden scheint uns durch die Lappen gegangen zu sein: Zumindest riecht es im Cockpit in Luv verdächtig nach Fisch. Vermutungen gehen in Richtung des Segelstapels auf der Kante, bisher haben wir nichts entdecken können. Klingt nach dickem Ende…

Ein Blick hinter die Kulissen

Tägliche Reports und Videos von Bord setzen natürlich Einiges voraus. Da ist zum einen die redaktionelle Seite, zum anderen die technische. Hier müssen Videos angefertigt, geschnitten und schließlich übertragen werden. Wir haben als Kameras unsere Iphones sowie eine GoPro7 im Einsatz, eine GoPro 5 steht als Backup bereit. Das Equipment ist klein, leicht und robust, was an Bord im Offshorebereich natürlich wichtig ist.

Darüber hinaus haben sowohl Iphone als auch GoPro zwischenzeitlich so gute Stabilisierungsalgorythmen, dass verwackelte Bilder eigentlich kaum noch möglich sind. Zum Videoschnitt muss das Iphone dann nochmal ran. Die Prozessoren und Speicher von Smartphones sind heute so schnell, dass kein Computer mithalten könnte. Lediglich beim Herunterrechnen der Auflösung darf der Bordrechner noch mal ran. Eine uralte französische Version von Movie Maker hilft, die Videos auf eine halbwegs transportable Größe zu verringern.

Dann wird’s spannend: Via WETransfer, einem Übermittlungsdienst für große Dateien, werden die Videos an Land übertragen. Ein heikler Punkt: Bricht die Übertragung ab, was bei wackeligen Satellitenverbindungen durchaus mal vorkommt, sind die bereits gesendeten Bits und Bites verloren, man kann von vorne anfangen. Und Daten über Satellit zu verschicken ist nicht billig…. Die Übertragung der Äquatortaufe hatte einen Umfang von 40 MB und mich einige Nerven und Adrenalin gekostet.

2 Kommentare zu „Iskareen-Bordbuch: Auf Rang 16 im Ziel – 4704 Meilen mit einem Schnitt von 9,20 Knoten“

  1. avatar Olli sagt:

    Schön (oder auch Schade) dass ihr angekommen seid und Glückwunsch.
    Eure erfrischenden Berichte werden fehlen

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

  2. avatar Olli sagt:

    Schade natürlich wegen der Berichte…

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 2

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