J Class Worlds: 90 Jahre nach letztem J-Class-Cup-Match – Becking siegt mit “Lionheart”

Wiederbelebung gelungen

Zu langsam. Das Design der “Lionheart” war beim Testen der zukünftigen “Ranger”-Linien einst aussortiert worden. Nun stellt es die schnellste J-Class-Yacht der Welt dar.

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Die Flotte vor dem Wind. © Carlo Borlenghi

Vor 90 Jahren war zuletzt ein America’s-Cup-Match mit den riesigen J-Class-Monstern ausgesegelt worden als”Ranger” in Newport, Rhode Island,  4:0 gewann. Das war ein hübscher Anlass, um an gleicher Stelle die endgültige Wiederbelebung der Klasse mit der ersten Weltmeisterschaft überhaupt zu feiern.

Dass nun mit “Lionheart” ausgerechnet ein Entwurf gewann, der damals vor dem Erstellen der “Ranger”-Linien durchgefallen war, ist eine erstaunliche Facette der J-Class-Geschichte.

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Die Flotte der J-Class-Yachten bei der ersten WM. © Carlo Borlenghi

Harold Vanderbilt hatte den America’s Cup mit “Rainbow” nur knapp gegen das vermutlich schnellere Schiff “Endeavour” gewonnen und wollte für die Verteidigung eine neue Yacht an den Start bringen. Dafür ließ er Designer Olin Stephens vier verschiedene Modelle zeichnen und sie erstmals in einem Schlepptank untersuchen.

Version 77-C schien überlegen, und so entstand daraus die”Super-J” “Ranger”. Sie wurde 1941 verschrottet und 2003 vom niederländischen Design Büro Hoek für den US-Eigner John Williams wieder zum Leben erweckt.

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“Ranger” prügelt durch eine Welle und schiebt sich noch auf Rang drei vor. © Carlo Borlenghi

Aber Hoek hatte auch Zugriff auf die weiteren “Ranger”-Designs, und sein Team erkannte, dass auch der nie gebaute Entwurf 77-F großes Potenzial hat. Fünf Jahre später wurde daraus “Lionheart” für einen niederländischen Eigner. Und nun hat die größte J-Class (43,4 Meter) mit dem Sieg bei der ersten Klassen-WM bestätigt, dass sie die Schnellste der zurzeit acht existierenden Yachten ist.

Denn das Schiff gewann den Titel, obwohl es im Gegensatz zu der härtesten Konkurrenz vom Eigner selber gesteuert wurde. Die sechs Besten waren bei der WM an historischer Stätte in Newport am Start, und “Lionheart” lag am Ende nach sieben Rennen mit drei Punkten Vorsprung vorne.

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Wie krass der Großbaum nach Luv gezogen wird. © Carlo Borlenghi

Aber so einfach war es dann auch nicht. Denn die Yacht unter der Leitung des holländischen Volvo-Ocean-Race-Veteranen Bouwe Bekking konnte nur einen Rennsieg verzeichnen. Sie musste auf Fehler des Favoriten “Hanuman” mit Ken Read am Steuer warten, der die Yacht von “Comanche”-Egner Jim Clark nach drei Jahren Pause für diese Saison wieder fit machen durfte.

Die kamen prompt mit einem Penalty im fünften Rennen und einem verkorsten sechsten Lauf auf der falschen Startkreuz-Seite. Bekking reichte eine Serie von Top-Drei-Plätzen. Nun hetzt er wieder zurück nach Spanien, um die unmittelbare Volvo-Ocean-Race-Vorbereitung mit seinem Brunel-Team fortzusetzen. 

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Der Focktrimmer bei der Arbeit. © Carlo Borlenghi

Dabei ist es überraschend, wie eng die Flotte der doch äußerst verschiedenen J-Class-Yachten beisammen liegt. Es gibt zwar eine Handicap-Wertung, aber die Vergütungen sind so gering, dass sich an den Platzierungen in den Rennen selten etwas ändert.

Die Rennen sind so eng, dass vier Teams Rennsiege gelangen und auch die letztplazierte “Velsheda” zu zwei zweiten Plätzen kam. Die überraschende Spannung führt schon dazu, dass sich die internationalen Stimmen häufen, die eine Rückkehr der Monster in die America’s Cup Welt fordern. Das scheint bei aller Euphorie über die gelungene Wiederbelebung der Superyachten aus vergangenen Zeiten aber dann doch utopisch.

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Wenn sich 185 Tonnen ihren Weg bahnen. © Carlo Borlenghi

Overall after seven races

1 Lionheart 17pts (3,3,3,1,3,2,2)
2 Hanuman 20pts (1,4,1,2,5,6,1)
3 Ranger 24pts (5,6,4,3,2,1,3)
4 Topaz 27pts (4,1,6,5,1,5,5)
5 Svea 29pts (2,5,5,4,4,3,6)
6 Velsheda 30pts (6,2,2,6,6,4,4)

Rückblick: J-Class-Faszination in  Bermuda

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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