J/70: Budvar Cup mit Rekord-Rennen und alternativem Format – Bremer dominieren

Segeln, bis das Licht ausgeht

37 Rennen an einem halben Tag, das dürfte rekordverdächtig sein. Beim J/70 -Budvar-Cup wurde ein neues Rennschema ausprobiert. Am Ende dominierten Bremer in Hamburg.

J/70

Abendhimmel über der Alster beim Einlaufen der J/70 Flotte. © Sven Jürgensen /Vela Mente

Eigentlich war es klar, dass dieses Regatta-Wochenende möglicherweise eine längere Anreise nicht verdient hätte. Die Wind-Vorhersagen für den Sonntag sahen schon Tage vor dem Budweiser Budvar Cup auf der Alster unsegelbar aus. Sonne, aber null Wind. Und genauso ist es gekommen.

Das Erstaunliche: Die meisten Segler der 30 Teams waren am Ende zufrieden. Denn sie segelten wohl noch nie so viele Rennen in so kurzer Zeit. NRV-Wettfahrtleiter Klaus Lahme zog am Samstag nach dem Start um 12 Uhr insgesamt 37 Rennen durch. “Es wird gesegelt bis die Sonne untergeht”, sagte er. Das klang wie eine leere Drohung, wurde aber schließlich Realität.

J/70

Phillipp Kadelbach kommt am besten durch das Chaos an der Luvtonne. © Sven Jürgensen /Vela Mente

Ein spezielles Format machte die rekordverdächtige Rennanzahl möglich. Zuerst wurden fünf Rennen in der großen Flotte gestartet, dann entsprechend der Liste nach einem Streicher Achter-Gruppen gebildet und diese dann nacheinander auf einen speziellen Kurs geschickt.

Nach desem Schema segelten vier Achter-Flotten hintereinander auf einem Kurs.

Die Goldgruppe segelte einen Bundesliga-Kurs mit Schiedsrichtern, der Rest wurde nacheinander von der selben Startlinie aus auf einen außen liegenden Sprint-Kurs geschickt. Die zehnminütigen Rennen gingen nur kurz nach dem Zieldurchgang des Gruppenletzten über die Bühne.

Das spezielle Format hat den Hintergund, dass der Budweiser Budvar Cup aus den Bundesliga-Trainings der Nord-Teams im vergangenen Jahr entstanden ist. Viele Liga Teams wollten sich auf die Saison vorbereiten, und das ist perfekt gelungen.

Bremen in Frühform

Besonders gut in Form zeigte sich die Bremer Erstligisten vom Wassersport-Verein Hemelingen. In der vergangen Saison schlitterten sie nur knapp an der Relegation vorbei (Video-Reportage vom Hamburg Finale) und der Auftritt am vergangenen Wochenende war von einem ungewollten Landausflug beim Kult-Cafée Alsterperle geprägt. Aber auch da schlugen sich die Bremer mit Rang sieben schon ordentlich.

J/70

30 J/70 auf der Alster. © Sven Jürgensen /Vela Mente

Diesmal kamen sie besonders gut durch die Flottenrennen, die durch großes Gedränge auf dem kurzen Kurs und viele Kollisionen geprägt waren. Und Steuermann Jan Seekamp trumpfte bei seinem ersten Saison-Einsatz auch in den Finals groß auf, so dass am Ende ein Sieg mit sieben Punkten Vorsprung gelang.

J/70

Die Sieger vom Bundesligisten aus Hemelingen um Skipper Jan Seekamp mit dem Budweiser-Vertreter. © Sven Jürgensen /Vela Mente

Auf Rang zwei platzierte sich Gordon Nickel, der für den Bremer wieder-Aufsteiger SKWB steuert, aber auch ein Team bei Klassenregatten führt, und damit die German Open der J/70 2016 gewonnen hat. Auch SKWB-Teamkollege Björn Beilken platzierte sich mit Rang acht im Finale

Lokalmatador und 49er Olympia-Teilnehmer Tobias Schadewaldt führte das NRV-Team  auf Rang drei und dominierte insbesondere die Finalrennen mit einer starken Serie. So überholten die Hamburger auch noch den Berliner Philipp Kadelbach, der bei den Zweitliga-Absteigern aus Steinhude (SLSV) an Bord gegangen war, und nach einer enorm starken Serie im großen Feld geführt hatte.

J/70

Kurz nach dem Start. © Sven Jürgensen /Vela Mente

Sehr stark segelten auch die Youngster vom Mühlenberger Segel-Club, die 2016 so knapp den Aufstieg in die erste Liga verpasst hatten. Steuermann Magnus Simon (21) bereitet sich zurzeit zwar primär auf die Teilnahme am Youth America’s Cup in Bermuda vor, aber das Junior-Team knüpfte mit Rang fünf nahtlos an die starken Ergebnisse der vergangenen Saison an.

msc, magnus simon

Das starke Youngster Team vom MSC um Steuermann Magnus Simon, der auch beim Youth America’s Cup startet. © MSC

In der zweiten Liga werden sie es insbesondere mit den Absteigern der Segler-Vereinigung Itzehoe zu tun bekommen, die schon mit Rang zwei am vergangenen Wochenende mit dem vom ex Kieler Yacht-Club gewechselten Steuermann Julian Ramm und seinen Mitstreitern großes Potenzial bewiesen haben. Christian Soyka selber steuerte nun unter anderem mit seinem Neffen Moritz Burmester, der ebenfalls zum Youth America’s Cup Team gehört, auf Platz sechs.

Besonders überrascht über ihren Platz in den Top acht war aber Suzy Willim mit ihrer Zweitliga-Crew vom Schleswiger Segel-Club. Am vergangenen Wochenende hatten sie ihre nagelneue J/70 noch frisch ausgepackt und sehr verhalten gesegelt, nun gelang gleich der Sprung auf Rang sieben.

Ergebnisse Budweiser Budvar Cup Alster J/70

J/70

© Sven Jürgensen /Vela Mente

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *