J/70 Worlds: Amerikaner dominieren größte Kielboot-WM aller Zeiten – Bei Mistral zählt Gewicht

Spektakulär zum Sieg

Der Amerikaner Peter Duncan hat mit der schwergewichtigen US-Legende Jud Smith (60) im Vorschiff (Chef von Doyle Sails) überlegen die J/70 WM in Porto Cervo gewonnen. Der letzte Tag lieferte noch einmal spektakuläre Bilder.

Wenig Platz an der Startlinie. © Taccola & Lanfrancotti

Die vierte Weltmeisterschaft der J/70 wird als größte Kielboot-WM aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Und wieder einmal haben die Amerikaner dieser Klasse ihren Stempel aufgedrückt. Das Land, in dem das Sportboot seine Erfolgsgeschichte begann, hat seinen Start-Vorsprung bewahren können.

Der Eigner und Steuermann Peter Duncan vom American Yacht Club in New York hat ein starkes Profi-Team beschäftigt, mit dem er den Titelgewinn in Sardinien mit dem großen Vorsprung von 15 Punkten nach nur sechs Rennen feiern konnte. Das Quartett segelte kein Rennen schlechter als Rang drei.

J/70 Worlds

Auf der Zielinie aus der Kurve geflogen. Das Flaggensignal bedeutet den Abbruch aller weiteren geplanten Rennen. © Zerogradinord

Eigentlich ein Wunder, denn Duncan belegte bei der vergangenen WM in San Francisco ebenfalls bei sehr starkem Wind chancenlos Platz 18. Aber diesmal hat sich der langjährige Etchells-Segler Doyle-Chef Jud Smith ins Boot geholt, der 2016 selbst auf den Bronze-Platz steuerte.

Mit dem gewichtigen Smith kaufte sich Duncan auch ein effektives Segel-Tuning-Programm ein. Der Segelmacher entwickelte in endlosen Test-Fahrten mit einer hochkarätigen Trainingsgruppe schnelle Schnitte aus einem speziellen, auffälligen grauen Material von Dimension Polyant.

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Die Weltmeister

Doyle hält das Tuch für besonders leistungsfähig. Ob es wirklich seine Form länger hält, muss sich noch zeigen, aber über fehlenden Speed bei Starkwind konnten sich die Doyle-Piloten nicht beschweren. Im vergangenen Jahr hat noch Joel Ronning mit John Kostecki mit North Sails die WM gewonnen. Diesmal segelten die Titelverteidiger auf Rang 12.

Der WM-Titel war besonders Victor Diaz de Leon ein großer Erfolg. Denn bei seinen J/70-Erfolgen zuvor – Vize-WM 2014, Bronze 2016 – segelte der im Kindesalter aus Venezuela eingewanderte 26-Jährige als Vorschiffsmann. Diesmal agierte er erstmals als Taktiker neben seinem Freund und Mentor Willem van Waay, der als einer der begehrtesten Trimmer in der Sportboot-Szene gilt und schon Weltmeister in der Melges 32 und Farr 40 Klasse war.

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Glitsch zum Sieg

Das Team hat sich intensiv auf diese WM auf Sardinien vorbereitet und schon Anfang August mit seinem Sieg bei der italienischen Meisterschaft klar gemacht, dass es auch gegen die besten einheimischen Teams bestehen kann.

Die Italiener mussten sich mit Bronze und dem Amateur-Titel begnügen und kosteten zumindest diesen Sieg für Gianfranco Noè und sein Team ausgiebig mit dem Abspielen der National-Hymne aus. Die viel beachtete Doppel-Europameisterin Claudia Rossi verpasste nach einem Frühstart im letzten Rennen knapp als Vierte das Podium.

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Amateur-Weltmeister zu Fünft.

Sie manifestierte mit ihrer Fünfer-Crew schon früh den Trend zu hohem Gewicht auf der Kante. In Porto Cervo traten die besten Mannschaften mit einem Gewicht von über 350 Kilogramm an, das in den meisten Fällen durch fünf Segler erreicht wurde. Die britische Olympiasiegerin im 470er segelte sogar gleich mit sechs Frauen an Bord. Ein Crewgewicht-Limit gibt es in der J/70 bisher nicht.

 

Die nächste WM wird im September 2018 (22-29) ausgesegelt beim Eastern Yacht Club in Marblehead, MA, USA.

Ergebnisse Gold Fleet

Ergebnisse Silver Fleet

Der Sieger-Taktiker im Interview:

Der Abschluss-Tag:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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