Audi mit eigenem Boot beim MedCup

Jochen Schümann startet erneut mit Partner Audi. Der Meister im Interview

2008 steuerte Jochen Schümann die "Platoon powered by TEam Germany" mit der Unterstützung von Audi auf einen starken fünften Platz beim MedCup © Audi MedCup

Zwei Wochen vor dem Start des Audi MedCups in Portugal hat Jochen Schümann sein All4One Team für die hochkarätige Rennserie gemeldet. Möglich wird das durch den kurzfristigen Einstieg von Sponsor Audi, der offenbar den Segelsport wiederentdeckt hat. Audi ist auch neuer Partner der Kieler Woche. Das deutschfranzösische Team geht unter dem etwas komplizierten Namen “Audi A1 Team powered by All4One” an den Start.

Es hat kurzfristig die russische TP52 “Valars” gekauft, die 2008 von “Mean Machine” bebaut worden war. “Das ist das Beste, was es noch so kurzfristig auf dem Markt gab”, sagt Schümann im Interview Mit SEGELreporter. Das Schiff werde in Valencia auf der Basis des Team New Zeland für den ersten Start am 11. Mai in Cascais vorbereitet. Unter anderem wird in dieser Saison mit Bugspriet statt Spibaum gesegelt. Heute nacht sei das neue Audi-Branding aufgetragen worden.

Die alte "Valars", wird in Valencia in der Halle vom Team New Zealand zur neuen All4One TP52 © All4One

Schümann glaubt, dass ihm das Judel/Vrolijk Design durchaus die Chance eröffnet, den einen oder anderen Überraschungserfolg in der Serie zu landen. “Wenn wir permanent chancenlos hinterher segeln würden, hätte Audi und auch ich das sicher nicht gemacht.” Die neueren Boote dürften mit einem etwas höheren Kielgewicht “einen Tick mehr horsepower” haben. Aber nur die Briten hätten ihren Neubau genau den neuen Regeln anpassen können.

Schümann glaubt auch nicht, dass der überlegene Sieg des Team New Zealand beim vergangenen Audi MedCup durch ein deutlich schnelleres Boot zustande kam. Seine Analyse ergibt: “Die sind oft besser gesegelt und haben bei einigen Rennen viel Glück gehabt.” Für All4One habe ein Neubau wenig Sinn gemacht, da im nächsten Jahr noch einmal die Design Regeln geändert werden sollen. Der dreifache Olympiasieger sieht sich auf Augenhöhe mit den Yachten “Bribon” oder “Artemis”. Insgesamt gehen 2010 elf Schiffe an den Start.

“Für uns ist es aber einfach wichtig, in der Champions League dabei zu sein.” Der Regattaplan solle “mit Leben gefüllt” werden. Das Engagement bei der Louis Vuitton Series sei für All4One nicht genug. “Die TP 52 Serie ist eine logische Fortsetzung.” Wer sich mit den Top Teams messen wolle dürfe ihnen nicht aus dem Weg gehen. Das Problem an der derzeitigen Situation sei die Tatsache, dass alle internationalen Teams eigentlich nicht trainieren würden.

“Die Teams sind noch nicht so professionell aufgestellt, dass sie einem geregelten Trainingsalltag nachgehen. Deshalb sucht man sich viele Regatten, wo Sponsoren auch Flagge zeigen können.” Diese Situation gelte im Moment für alle Teams. Es gibt noch keine America´s Cup Syndikate, weil es noch keinen Plan gibt. “All4One ist auch kein AC-Team. Es ist eine Teamplattform. Die ist nötig, weil niemand einen Jump-Start hinlegen wird, wenn es wieder um den Cup geht.”

Schümanns Ziel ist es nach wie vor, ein deutsches Team beim nächsten America´s Cup an den Start zu bringen. Wenn es wirklich um den Cup gehe, werde wohl die deutsche und französische Abteilung nach einem Weg suchen, die eigene Flagge zu zeigen. “Aber ohne den Zusammenschluss hätten beide Teams nicht überlebt.” Schümann betont deshalb, dass es ihm nach wie vor darum gehe, die deutschen Kräfte zu mobilisieren.

Deshalb liege ihm auch das Sailing Team Germany am Herzen. “Das Zusammenspiel mit der STG ist enorm wichtig. Wir brauchen die ambitionierten Olympiasegler bei uns. Sie sind einfach besser ausgebildet als alle anderen.”

Wenn es um den America´s Cup geht ist offenbar auch United Internet noch nicht vom Tisch. Dort wollte man zwar Schümanns Weg nicht mitgehen, um ein funktionierendes deutsches Team aufzubauen. Aber wenn die Eckdaten des nächsten Cups bekannt sind, sei UITG immer noch ein potenzieller Partner.

Carsten Kemmling
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Andreas John

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