Ramloese, Denmark: DANISH DN ICEBOAT CHAMPIONSHIPS - approx 30 ice sailors competed for the Danish Championship on Lake Arresoe 50 kilometers north of Copenhagen, Denmark. © www.mickanderson.dk

Eissegel-WM der DN-Klasse

(K) Eine einfache Formel

Ramloese, Denmark: DANISH DN ICEBOAT CHAMPIONSHIPS - approx 30 ice sailors competed for the Danish Championship on Lake Arresoe 50 kilometers north of Copenhagen, Denmark. © www.mickanderson.dk

Ramloese, Denmark: DANISH DN ICEBOAT CHAMPIONSHIPS - approx 30 ice sailors competed for the Danish Championship on Lake Arresoe 50 kilometers north of Copenhagen, Denmark. © www.mickanderson.dk

Zum Segeln braucht man Wind und Wasser. Eigentlich eine ganz einfache Formel. Manchmal ist es jedoch nicht ganz so einfach. Beim America`s Cup in Valencia wird nicht gesegelt: wegen zu viel oder zu wenig Wind, und auch die Welle ist ein weiterer entscheidender Faktor, ob auf dem Wasser etwas passiert oder nicht. So weit so gut. Beim Eissegeln sieht die Sache anders aus. Die Welle zum Beispiel spielt hier keine Rolle. Einfacher wird die Formel für den Sportbetrieb hier dennoch nicht, denn das Wasser muss gefroren sein und die Eisläche möglichst glatt – im besten Fall spiegelglatt.

Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im DN wurde kurzfristig der Austragungsort von Polen an den ungarischen Plattensee verlegt, da sich dort das (vermeintlich) beste Eis befand. Nachdem die fast 170 Teams vor Ort die Eröffnungsfeier genossen hatten, waren sie bereit ihren Weltmeister auszusegeln. Leider jedoch ging es nun nicht gleich aufs Eis, sondern erst einmal auf die Straße.

Spontan wechselte das WM-Feld an den Neusiedlersee in Österreich. Starke Schneefälle hatten über Nacht das ursprüngliche Revier unbefahrbar gemacht. Soviel zum Thema „einfache Formel“. Vielleicht sollten sich die Organisatoren des America’s Cup in Valencia – wo auch heute noch auf eine bessere Formel fürs Segeln gewartet wird – ein Beispiel an dieser Flexibilität nehmen.

Endgültig fand die Eissegel-Weltmeisterschaft nun also bei gutem Wind und Eis vom 7. bis 10. Februar auf dem angesprochenen Neusiedlersee statt. Wie jedoch funktioniert eine Eissegel-WM mit knapp 170 Schlitten, die ihrerseits mit über 100 Stundenkilometer, atemberaubend schnell werden? Wie können die Boote auch schon bei geringen Windgeschwindigkeiten so rasant übers Eis gleiten? Und: ist das nicht gefährlich?

Eissegler werden auf speziell geschliffenen Stahlkufen gefahren, unter denen sich durch den Druck ein feiner Wasserfilm bildet. Der Schliff gleicht dabei einer Messerklinge (im Gegensatz  zum Hohlschliff beim Schlittschuh), um den Reibungswiderstand auf ein Minimum zu reduzieren. Durch die geringe benetzte Fläche ist der Reibungswiderstand des Schlittens auf dem Eis sehr niedrig, wodurch wiederum enorm hohe Geschwindigkeiten möglich werden.

The DN Iceboats go up to 100 km/h in perfect conditions. © www.mickanderson.dk

Um starten zu können, benötigt der Eisschlitten zunächst eine Initialzündung: den Anschiebemoment durch den Segler mit Spikes unter dessen Schuhen. Bei diesem Start ist ein tiefes Profil im Segel erforderlich, um möglichst schnell eine Strömung am Segel zu entwickeln und Geschwindigkeit aufzunehmen. Liegt die Strömung an, springt der Segler in sein Boot und holt das Segel dicht. Je höher die Beschleunigung wird, desto mehr kommt der scheinbare Wind von vorne (genau wie beim Segeln auf dem Wasser), und desto flacher muss das Segel getrimmt werden, um den Anstellwinkel zu reduzieren. Dazu haben Eissegler enorm biegsame Masten, die zusätzlich routieren. Erhöht man die Schotspannung, wird durch das Biegeverhalten und die Drehung des Mastes das Segel flach getrimmt. Das Boot beschleunigt weiter und auch der scheinbare Wind nimmt zu. Im Prinzip ist die Höchstgeschwindigkeit eines Eisseglers nur über die Flachheit seines Segels begrenzt.

Der eigene Fahrtwind trägt maßgeblich zu Beschleunigung bei, wobei der scheinbare Wind ab einer gewissen Geschwindigkeit immer in einem spitzen Winkel von vorne kommt. Das heißt, man fährt auch auf einem Raumschotkurs mit dichtem Segel. Im Prinzip wird jeder beliebige Kurs durch die hohe Geschwindigkeit so gesegelt.

Abgesehen von den Kufen gibt es erstaunliche Parallelen  zu den America`s Cuppern in Valencia. Eissegelschlitten und Katamarane sind von ihrem Prinzip her sehr ähnlich. Kommen zum Beispiel heftige Böen ins Spiel, hebt sich der Rumpf beim Schlitten genau wie bei einem Katamaran. Allerdings können Böen auf der Eisoberfläche nicht beobachtet werden. Sie fallen meist überraschend ein und machen somit Eissegeln zu einer ganz besonderen Herausforderung. Eine sensible Zusammenarbeit zwischen Großschot und Steuern ist daher entscheidend nicht nur für den Speed, sondern auch für die Sicherheit. Bedenkt man diese Fakten wird deutlich: Regattasegeln bekommt hier eine neue Dimension.

Nach insgesamt sieben Wettfahrten bei leichtem Wind stand bei der WM 2010 der Pole Michal Burczynski (POL-114) am Mittwoch als Weltmeister vor seinen Landsmännern Adam Baranowski (POL-235) und Lukasz Zakrewski (POL-155) fest. Gegen die polnische Übermacht konnte auch Bernd Zeiger (GER-107) nichts ausrichten, der sich als bester deutscher Teilnehmer den vierten Platz sicherte. Für den Europameister von 2007, Andreas Bock, reichte es nur für den 16. Rang.

Fazit: Segeln ist nicht immer eine einfache Formel. Immerhin wurde nach der zweifachen Umzugs-Odyssee der Eissegler-Gemeinschaft mittlerweile ein Weltmeister ermittelt. Beim America`s Cup hingegen wird immer noch auf die erste Wettfahrt gewartet. Manchmal reichen Wind und Wasser allein eben nicht zum Segeln.
Die komplette Ergebnisliste

Video von der WM 2007:

Kathrin Kadelbach
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