Olympia 2024: Kiel und Lübeck stellten Hamburg ihre Standortkonzepte vor

Wo wird in zehn Jahren gesegelt?

Vision 2024: Von einem vierstöckigen Besuherpavillon am Kopf der verlängerten Nordermole blicken die Zuschauer in Kiel-Schilksee auf die Regattabahn.  Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Vision 2024: Von einem vierstöckigen Besuherpavillon am Kopf der verlängerten Nordermole blicken die Zuschauer in Kiel-Schilksee auf die Regattabahn. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Nach Willensbekundungen umwerben die Schleswig-Holsteiner Hamburg nun mit konkreten Konzepten für die Austragung der olympischen Segelwettbewerbe 2024. Kiel fährt mit Schilksee oder Holtenau zweigleisig, Lübeck setzt in Travemünde auf Priwall und Grünstrand. Der DSV könnte hier vorentscheidend urteilen. Rostock-Warnemünde hängt derweil weiter an Berlin.

Auf einer Bootsfahrt präsentierte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (vorne links) dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (vorne rechts) sein Olympiakonzept.  © Andreas Kling

Auf einer Bootsfahrt präsentierte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (vorne links) dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (vorne rechts) sein Olympiakonzept. © Andreas Kling

Als die alte Motoryacht „Merkur II“ aus dem grauen Dunst vor Kiel-Schilksee auftauchte, klopften die Herzen der ungeduldig auf dem Fähranleger wartenden Kiel-Befürworter höher. Auf einer einstündigen Fördefahrt hatte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer dem Hamburger Innensenator Michael Neumann die Vorzüge der Landeshauptstadt präsentiert, die nach 1936 und 72 zum dritten Mal die olympischen Segelwettbewerbe austragen will. Dabei überraschten die Kieler mit einer Konzeptstudie zu Kiel-Holtenau, wo die Regatta alternativ zu Schilksee stattfinden könnte. Die zukünftige Nutzung des brach liegenden Geländes am Wasser nördlich des Nord-Ostsee-Kanals, das vormals zum Marinefliegergeschwader 5 gehörte, ist derzeit offen.

Blick vom Wasser auf den für 2024 animierten Olympiastandort Kiel-Holtenau.  Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Blick vom Wasser auf den für 2024 animierten Olympiastandort Kiel-Holtenau. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Neumann schien nach der Dampferfahrt durchaus von beiden Optionen überzeugt und lobte das „auch städtebaulich beeindruckende Potential“ Kiels. Gleichzeitig verblüffte der Senator aber, indem er sich selbst zurücknahm: „Wir sind gut beraten, die Entscheidung nicht der Politik zu überlassen, sondern in sportfachliche Hände zu legen.“ Plötzlich stand DSV-Präsident Andi Lochbrunner im Rampenlicht, der sich beeilte, die Qualität aller drei Segelstandorte auf eine Ebene zu neutralisieren.

Mit Blick auf den einzigen Olympiastützpunkt und das Bundesleistungszentrum in Schilksee dürften die Kieler nun aber selbstbewusst ruhiger schlafen. Ein Votum des Dachverbands gegen Kiel käme einer selbstuntergrabenden Sensation gleich. Teilnehmer des Törns wollen das zwischen den Zeilen schon bei Lochbrunner herausgehört haben. Der Präsident hatte immerhin noch am Vortag der Präsentationen eine späte Einladung nach Travemünde erhalten, wo er eine Empfehlung von sich wies und den Ball nach Hamburg zurückspielte. Zu Warnemünde wurde der DSV bislang nicht ernsthaft gefragt.

Lübecker Demut und Bescheidenheit

Eine etwaige Voreingenommenheit müsste den Lübecker Stadtvätern ein Dorn im Auge sein, wollen sie doch mit kostengünstigen Spielen und großer Nachhaltigkeit an der Travemündung punkten. Die ohnehin geplante Priwall Waterfront soll das Olympische Dorf mit einem sanierten Priwallhafen für die Funktionsboote werden. Liegeplätze für die Teilnehmer gäbe es auf dem Grünstrand, der neben dem Mövenstein von einer neuen, festen und einer zusätzlichen, mobilen Mole gegen Brandung bei Ostwind geschützt werden soll. Üppig vorhandene und sowieso entstehende Hotelkapazitäten werden ebenfalls ins Feld geführt.

Regattasegeln mitten auf der Trave, ein Markenzeichen des Segelstandorts Travemünde.  ©Marina Könitzer

Regattasegeln mitten auf der Trave, ein Markenzeichen des Segelstandorts Travemünde. ©Marina Könitzer

„Bei uns passt sich Olympia der Region an und nicht umgekehrt“, erläuterte Lübecks Verwaltungschef Bernd Saxe die Pläne. Gleichzeitig wetterte der Bürgermeiste gegen die Gigantonomie der Kieler, deren Holtenauer Segelspiele vermutlich am teuersten von allen Varianten würden. Saxes Konzept der Demut und Bescheidenheit mit ökologischer und ökonomischer Zurückhaltung kam auch bei Neumann gut an, der rhetorisch geschickt jede Wertung pro oder contra vermied.

Auch Schilksee würde mächtig ausgebaut

Das olympische Erbe von Kiel-Schilksee wurde beim Ortstermin besonders hervorgehoben, und doch würde das bestehende Olympiazentrum einer Rosskur unterzogen. In Verlängerung einer als Tribüne genutzten Nordermole entstünde ein Boulevard mit vierstöckigem Besucherpavillon am Kopf. Das kleine Hafenmeistergebäude mit dem Olympischen Feuer von 1972 würde zu einer ISAF-Zentrale mit Hotel anwachsen. Das Olympische Dorf haben die Planer hinter die grauen Appartementgebäude gezeichnet.

So sähe der Olympiastandort Kiel-Schilksee 2024 aus der Luft aus.  Visualisierung: Duplex Architekten, Hamburg

So sähe der Olympiastandort Kiel-Schilksee 2024 aus der Luft aus. Visualisierung: Duplex Architekten, Hamburg

„Wir wollen eine direkte Nähe zwischen Sportlern und Publikum“, erklärte Ulf Kämpfer, der in die Auswahl Holtenau oder Schilksee auch die Kieler Bevölkerung einbeziehen will. Vorausgesetzt Hamburg erhält vom DOSB den Zuschlag vor Berlin, was im März 2015 entschieden werden soll, werden die Kielerinnen und Kieler um ihr Ja-Wort zur Olympiabewerbung gebeten. Der Oberbürgermeister ist sich seiner Sache sicher und habe schon „drei Jahresgehälter auf einen positiven Bürgerentscheid verwettet“.

Das Volk soll entscheiden

Ganz so klar scheint der Volkswille anderswo nicht. Stützt sich Hamburg laut einer Umfrage immerhin noch auf 54 Prozent Zustimmung, muss die Bundeshauptstadt wohl am ehesten ein Veto ihrer Bewohner befürchten. Das scheint den auch das größte Risiko von Warnemünde, die zu Hamburg eher distanziert mit Berlin auf Schmusekurs steuern.

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7 Kommentare zu „Olympia 2024: Kiel und Lübeck stellten Hamburg ihre Standortkonzepte vor“

  1. avatar Christian sagt:

    Bitte kein Olympia in Kiel und schon gar nicht in Hamburg. Hamburg kann es nicht, siehe Oper. Und in Kiel möchte ich einigermaßen in Ruhe segeln. Ich möchte nicht wegen Olympia im Stau stehen und kilometerweit weg von meinem Liegplatz parken müssen. Oder noch schlimmer für eine Saison gar keinen Liegeplatz mehr in Schilksee haben.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 15 Daumen runter 24

  2. avatar Egon sagt:

    Ich würd’s denen geben, die am wenigsten dafür (um- oder neu-) bauen wollen, also in diesem Fall den Lübeckern.
    Diese Olympia-Bauwut wird immer schlimmer und ist schwachsinnig, siehe Sotschi.

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  3. avatar WID sagt:

    Der Oberbürgermeister ist sich seiner Sache sicher und habe schon „drei Jahresgehälter auf einen positiven Bürgerentscheid verwettet“.

    … Dem scheint ja noch gut zu gehen…

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  4. avatar Ein Schilkseer Ureinwohner sagt:

    Am besten alles bebauen & zubetonieren. Keinen Baum mehr stehenlassen. Das letzte bisschen Grün in Schilksee vernichten. Alles über die Köpfe der Schilkseer Ureinwohner hinweg. So macht man aus unserem idyllischen Schilksee ein neues Manhattan. Horror-City. Alles für den Profit. Baut vor eurer eigenen Haustür! PRO NATURE!

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  5. avatar Dr. Meyer sagt:

    Es ist eine Unverschämtheit, wie Schilksee entgegen dem Bürgerwillen systematisch verunstaltet wird. Ich muss seit Jahrzehnten miterleben, wie das geruhsame Bauerndorf Schilksee allmählich zu einem Remmidemmi-Viertel verkommt. Die machen, was sie wollen.

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  6. avatar Ragna sagt:

    Daumen hoch für “Schilkseer Ureinwohner ” und Dr. Meyer! Let’s fight unite!

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  7. avatar dubblebubble sagt:

    Merkwürdig daß in Schilksee nicht der Stil der vorhandenen Olympiabauten aufgegriffen und neu interpretiert wird. Und wozu nochmal was in Holtenau hochziehen?

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