Kieler Woche: 49FX Olympiaqualifikation entschieden – Lutz/Beucke im dritten Anlauf

"Es zittert alles"

In ihrem dritten Anlauf auf die Olympischen Spiele haben Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) das Ticket für Tokio gelöst. Nachdem sie 2012 im 470er und 2016 im 49erFX-Skiff noch an der internen deutschen Konkurrenz gescheitert waren, sind sie nun einen uneinholbaren Vorsprung auf die 2016er-Olympiateilnehmerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) herausgesegelt.

Schon vor den letzten beiden Rennen am Sonntag haben Lutz/Beucke die Qualifikation für Tokio geschafft. © www.segel-bilder.de

Die ausstehenden zwei Wettfahrten können in der Kieler-Woche-Wertung zwar noch für einige Verschiebungen sorgen, aber rechnerisch ist es für Lutz/Beucke nicht mehr möglich die Olympia-Ausscheidung zu verlieren. In der dreiteiligen Qualifikation, die die vergangenen beiden Weltmeisterschaften und jetzt die Kieler Woche umfasst, sind sie nun das mit Abstand beste deutsche Team.

Zudem kann die Crew mit großem Selbstvertrauen in den finalen Tag zur Kieler Woche gehen. Denn nach einer starken Serie und mit dem Tagessieg zum Abschluss des Samstag haben sie die Kieler-Woche-Führung übernommen.

In Auckland gekentert

Am vorletzten Tag zeigten Lutz/Beucke dass sie insbesondere bei den vorherrschenden Starkwindbedingungen zu den besten Skiff-Crews der Welt gehören. Das war bei ihrem Karriere-Start im 49erFX lange Zeit eine ihrer Stärken. Aber sie ging etwas verloren im Bemühen, die Leichtwind-Dominanz der leichteren Konkurrentinnen zu matchen. Aber im vergangenen Jahr machten sie auf beiden Gebieten einen Sprung nach vorne, was sie auch auf die Zusammenarbeit mit dem Briten Ian Barker, 49er Silbermedaillengewinner von Sydney 200, zurückführen.

Die Übertragung vom Samstag:

Bei der Weltmeisterschaft 2019 vor Auckland verloren sie zwar noch die Bronzemedaille im letzten Rennen durch eine Kenterung, und Susann Beucke gibt zu, dass ihr dieses Malheur auch heute noch auf der letzten Vorwindstrecke im Kopf herumspukte. Aber auf ihrer Hausbahn vor Strande zeigten sie zum richtigen Zeitpunkt bei für sie perfekten Bedingungen, dass sie sich auch mental weiterentwickelt haben. Der Sieg im letzten Rennen kam durch eine perfekte Balance aus Angriff und Risiko zustande.

Denn der Parcours auf der TV-Bahn direkt vor Schilksee präsentierte sich wie ein Kartoffelacker. Bei sehr wechselhaften Winden mit kurzer Welle lieferten die Skiff-Frauen eine Formel-Eins-Show in Höchstgeschwindigkeit ab, einschließlich diverser Überschläge.

Feier im Familienkreis

Die Ergebnisse purzelten kräftig durcheinander, nur einige wenige Teams zeigten beständige Top-Ergebnisse. Allen voran Tina Lutz und Susann Beucke. Auf ihrem Hausrevier haben sie sich in der gesamten Serie von elf Wettfahrten noch keinen Ausrutscher geleistet. Mit dem Sieg in der letzten Tageswettfahrt katapultierten sie sich sogar auf Gesamtrang eins.

Damit können sie nun ganz beruhigt in den Abschlusstag gehen und sogar den Sekt schon kaltstellen. „Uns fehlen die Worte. Wir sind super happy mit dem Tag, sind über unsere Möglichkeiten hinausgewachsen. Von außen hat es wohl souverän ausgesehen. Aus der Innensicht hat es sich aber gar nicht so angefühlt“, berichtete Susann Beucke und erklärte: „Es zittert alles. Seit Monaten stehen wir unter Anspannung. Heute Abend feiern wir etwas im Familienkreis.“

Tina Lutz ergänzte: „Ich bin völlig fertig.“ Nach der Erfüllung der Olympia-Kriterien wäre der Kieler-Woche-Sieg das i-Tüpfelchen. Die Verfolgerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea (USA) hängen aber mit nur einem Punkt Rückstand dicht am Heck. Auf die drittplatzierten Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey ist das Punktepolster dagegen schon groß.

49erFX-Ergebnisse zwei Rennen vor Schluss:

Ergebnisse Kieler Woche 2020 49erFX

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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