Kieler Woche nach 27 Jahren: Finn Master Uli Breuers Resümee

"Grenzerfahrung"

Finn Dinghy Master Uli Breuer (47) gibt zurzeit Vollgas in der olympischen Einhandklasse. Bei der Kieler Woche lag er kurzzeitig sogar auf Medalrace Kurs. Am Ende fiel das Fazit seines KiWo Comebacks nach 27 Jahren aber ernüchternd aus.

Uli Breuer

Uli Breuer (47) im Finn Dinghy. © Breschi

Der ehemalige Weggefährte und Europe Vize-Weltmeister Uli Breuer beendete die Kieler Woche im Feld der meist halb so alten Finn Dinghy Konkurrenz als bester Deutscher auf Platz 19. Er berichtet per Facebook von seinem Abenteuer:

Nach 27 Jahren Abstinenz habe ich es noch mal gewagt und bin zur Kieler Woche gefahren. Aber nicht wie viele andere in meinem Alter mit der Benetau 25, B/one, Melges oder J80, nein im Finn Dinghy.

Vor 27 Jahren in der Europe ging die Kieler Woche noch über sechs Tage und jeden Tag wurde eine oder zwei Wettfahrten gesegelt. Immer gab es zwischendurch einen Ruhetag. So kamen dann maximal sechs Läufe zustande. Die Feten in der Vasahalle waren legendär. Doch bevor ich jetzt in „früher war alles besser“ verfalle, schreibe ich über meine KiWo 2013:

Nur 40 Boote waren am Start, aber das war verglichen mit den anderen Klassen schon die drittstärkste Meldezahl nach den Lasern und Laser Radial. Die Qualität war hoch. Es fehlten zwar der eine oder andere erfahrene Finnsegler, aber alle ambitionierten Jungsegler aus Europa waren angereist.

Dann der erste Schock beim Blick in das Programm. Zwölf Läufe waren ausgeschrieben in vier Tagen. Das bedeutete an jedem Tag drei Renen, sogenannte Kurzwettfahrten.

Am ersten Tag konnte wir dann schon schnell feststellen, was “Kurzwettfahrt” bedeutet. Startkreuz 20 min. Outerloop und eine Gesamtzeit von 55 min. Das soll eine Kurzwettfahrt sein? Ich fands ziemlich heftig. Sonst segeln wir auch nicht länger.

Nach zwei Tagen und sechs Läufen im Sack fuhren wir dann wieder fröhlich auf die Bahn. Eine Stunde raus, eine Stunde rein. Zum Erstaunen stellten wir fest, das die noch verblieben 37 Finns in zwei Gruppen gestartet wurden. 25 in der Goldgruppe und 12 in der Silbergruppe. Man sich vorstellen, dass es den Silber-Seglern keinen besonderen Spaß macht, ers mit zwölf Booten am nächsten Tag nur noch mit neun Booten auf der Ostsee einen so riesigen Kurs abzusegeln. Ich hatte das Glück, dass ich mit Platz 23 noch gerade in die Goldgruppe rutschte.

Dort verlief der erste Tag für mich bei moderaterem Wind (2 bis 4 Bft) mit drei Läufen und der Serie 10/10/9 sehr erfolgreich. Da konnte ich die 24 Vollprofis etwas ärgern und verbesserte mich auf Platz 10 in der Gesamtwertung. Das war für mich ein toller Erfolg. Diesen Stand der Ergebnisliste habe ich fotografiert 🙂

Der zweite Tag war für mich dann eine Grenzerfahrung. Nach neun absolvierten Läufen noch mal drei bei 4-5 Bft. Freies Pumpen! Da war mein Akku schon nach der ersten Kreuz leer. Es ging nur noch ums Durchhalten. Ich habs geschafft auch wenn dann noch die einstündige Kreuz zurück zum Hafen wartete.

Sehr negativ empfand ich den Umgangston auf der Bahn. Das war beschämend. Ich möchte die Wörter gar nicht alle wiederholen, die sich die Segler an den Kopf warfen. Der Ton da vorne ist sehr rauh und leider ist sich jeder selbst der nächste. Aber das ist wohl in einer Einhandklasse so.

Mein Fazit nach dieser Kieler Woche im Finn: Mit diesem Format war es für mich das letzte Mal.

Das alles macht keinen Spaß:
– 12 Läufe mit normaler Kurslänge beim viel Wind in vier Tagen
– Silbergruppe mit nur neun Booten
– eine Stunde reinkreuzen
– mieser Umgangston auf dem Wasser

Ich hoffe, dass die Verantwortlichen an der Stelle überlegen, was sie wollen, nur noch die 24 Vollprofis oder auch noch 26 „Touristen/Friseure“ (Anmerkung: Bezeichnung kommt von Michael K. aus der Silbergruppe). Und auch die angeblichen „Vollprofis“ sollten ihren Umgangston mal überdenken und mal darüber nachdenken was die Finnklasse eigentlich ausmacht. Sonst segeln die in Zukunft alleine.

Mit meinem Gesamtplatz 19. als bester Deutscher bin ich allerdings zufrieden. Das Ergebnis war besser als gedacht.

 

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5 Kommentare zu „Kieler Woche nach 27 Jahren: Finn Master Uli Breuers Resümee“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    > Aber nicht wie viele andere in meinem Alter mit der Benetau 25, B/one, Melges oder J80, nein im Finn Dinghy.

    Gegen die Herren rechts im Bild bist Du aber noch ein ziemlicher Jungspund 😉

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Glückwunsch! In dem Feld als 19. rauszukommen – Respekt!

    @Super-Spät-Segler: Das Bild ist kein aktuelles aus Kiel sondern von den Finnworldmasters 2013 in La Rochelle.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar Scheibenwischer sagt:

      Was´n das für ein unerwachsenes Gejammer hier?

      Als ob es Klassen gäbe, wo man respektvoll “Nach Ihnen” an der Tonne zuruft.

      Segeln war, ist und wird nie ein Kindergeburtstag werden. Und wenn was aussem Ruder läuft, gibt es Regeln und die Möglichkeit zum Protest, z.B. wegen Unsportlichkeit aber in Berichten rumheulen ist etwas albern.

      Für Finn war das ein eher schwaches Feld in Kiel.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 29

      • avatar fastetwinner sagt:

        Ich denke Herr Breuer ist über den Anwurf des unerwachsenen und des jammerns erhaben. Unter anderem Respekt und Fairness sind es, was den Segelsport ausmacht, und ich denke es es eine gute Idee, sehr geehrter Scheibenwischer, diese Ideale nicht unqualifiziert über Bord zu schmeissen. Immerhin haben die Herren Pöbler sich ja mit Abgabe ihrer Meldung der Einhaltung der WRs verschrieben, und Leute deren Unterschrift nichts gilt sollten dann doch einfach mal zu Hause bleiben, oder, und das ist der bessere Weg, laut, kräftig, aber nicht unverschämt schreien. Geht nämlich auch, und ist auch durch Regeln und Fairness gedeckt.
        Ansonsten finde ich Ullis Bericht sehr auf den Punkt. Ich habe mich nach Abreise aus Kiel ebenfalls ernsthaft gefragt, was die Klassen eigentlich machen, wenn die Basis nicht mehr mitspielt. Was passiert eigentlich, wenn alle heutigen Silberfleetkandidaten gar nicht mehr nach Kiel kommen, weil sie keinen Bock haben als Ausschuss zu gelten. Dann gibt es demnächst tatsächlich nur noch 25 Boote auf der LInie. Oder füllt Audi das dann mit schwimmenden Q7s auf??? Auch verstehe ich die RCs nicht bezgl der Bahnenverteilung. Ein Finn fährt auf der Kreuz 4,8 Knoten, daß sind vielleicht 3,5 Knoten VMG. Was sollen die da ganz draussen auf dem Stollergrund??? Vielleicht sollte das RC mal die gute alte Yardstickliste rauskramen und darin mal ablesen, welche Boote wie schnell sind. Und alles über 105 nicht mehr ganz nach Damp schicken.
        All in all stimme ich Ulli voll zu! Die KiWo braucht weniger Pommesbuden und weniger Q7s und mal eine echte Markt-Forschung unter Ihren Kunden (uns Seglern), was wir eigentlich wollen.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 24 Daumen runter 0

  3. avatar 12er Enthusiast sagt:

    Glückwunsch, Uli zu dem Resultat und der Leistung.

    Die KW hat leider sehr viel von dem was sie früher ausmachte verloren. Und da ist der Bericht von Uli kein Gejammer, sondern konstruktive Kritik. Ich hatte auch schon eine längere Diskussion mit den Veranstaltern wg der Nicht mehr Teilnahme der Drachen. Auch dort war das RC nicht bereit auf die Wünsche der Klasse einzugehen. Und so wird es m.E. immer mehr ein Veranstaltung mit immer mehr austauschbaren Werftklassen (die eben gerade envogue sind – s.o.) und für die angeblichen Profis. Die kommen aber in den meisten olympischen Klassen auch nicht mehr (jedenfalls nicht aus dem Ausland). m.E. hat die KW ihre Ausrichtung (olympische Klassen und große nationale/internationale Klassen) mit einem Mix aus Spitzenseglern und guten Amateuren völlig verloren. An viele der nationalen/internationalen Klassen mit großen Feldern und tollem Segeln (Pirat, Drachen, Zugvogel, etc.) hat die KW ganz offensichtlich kein INteresse mehr. Und dann kommen noch die weiten Wege zu den Bahnen und der Kirmescharakter auf dem Hafenvorfeld dazu. Und so wird die KW (leider, leider muß ich sagen als alter Kieler) immer mehr zu einer Kirmesveranstaltung mit angehängter Segelveranstaltung unter Aufsicht von Audi und für die Sehlauten. Segeln und Segler sind eigentlich nich mehr so wichtig.

    Schade.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

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