Kite-Foiling: Das Regatta-“Segeln” einmal so aussieht… – Überraschende Turbulenzen

Auf der Überholspur

Die Kite-Foiler haben ihren Durchbruch als olympische Segel-Disziplin gefeiert und werden 2024 um Medaillen rasen. Das Teilnehmer-Feld mag noch dünn sein, aber in einem wesentlichen Punkt sind sie schon weiter: Preisgeld.

Klassische Segler mögen dieses Drachen-Fliegen mit Brettern nicht als verwandten Sport wahrnehmen. Aber die Kite-Foiler befinden sich längst auf der Überholspur. Das zeigt sich bei der Kite Foil World Series nach der Olympia-Entscheidung.

Kite Foiling

Kite Foiling. Das Regatta-“Segeln” einmal so aussieht….© IKA / Alex Schwarz

Die Organisation scheint sich nach diversen Streits in geordneten Bahnen zu bewegen. World Sailing richtet seine eigenen Regatten mit den Kite-Foilern aus wie das Test-Event bei der Aarhus-WM und erkennt die International Kiteboarding Association (IKA) an, die mit einer eigenen Serie aktiv ist. 

Für die Sportler hat das aktuell den angenehmen Effekt, dass bei der Kite Foil World Series Preisgelder ausgeschüttet werden. Das schafften schon einmal die Windsurfer, als der Sport boomte, den Seglern gelingt es nur selten. Es liegt wohl an der Organisationsform eingebettet in die diversen Olympischen Klassen.

Rasant, jung, angesagt

Aber es wird auch mit der attraktiven Außenwirkung zu tun haben. Kite-Foiling ist rasant, jung und angesagt, punktet mit hippem Strand-Feeling und leicht bekleideten, gut aussehenden Menschen – also genau das, womit die Olympia-Granden in Zukunft die Massen begeistern und Geld scheffeln wollen. Von diesem Sex-Appeal ist das klassische Segeln immer noch weit entfernt, und die Athleten können nur etwas neidisch zu den Drachenfliegern blicken.

Kite Foiling

Die Kite-Flotte beim Start in China. © IKA / Alex Schwarz

Deren Sport steckt noch in den Kinderschuhen, aber bei der wichtigsten Rennserie, dem Kite Foil Gold Cup, werden sogar schon Preisgelder verteilt. Beim ersten Act von vieren, die zur Weltmeisterschaftswertung zählen, wurde im chinesischen Weifang Binhai 60.000 Euro unter den Fahrern verteilt. Der Sieger erhielt 12.100 Euro. Nicht schlecht für eine Segel-Disziplin.

Der mehrfache Weltmeister Maxime Nocher (24) aus Monaco, der beim Test Event in Aarhus noch mit Rang drei vorlieb nehmen musste, und auch längst nicht so dominierte, wie in den Jahren zuvor ,sicherte sich diesmal den Siegerscheck in Ostchina.

Comeback für den ex Weltmeister

Es war für ihn ein Comeback. Nochers Leistung über die fünf  Wettbewerbstage der Regatta mit 22 Rennen war geprägt von stetigem Fortschritt, der ihn erst am vorletzten Tag an die Spitze der Rangliste brachte. Nach einem vorsichtigen, fehlerfreien Schlusstag lag er schließlich in der Gesamtwertung vorne.

Kite Foiling

Mal eben kurz ausruhen. © IKA / Alex Schwarz

“Im Vergleich zum letzten Jahr war ich diesmal sehr konstant”, sagte Nocher. “Ich habe hart trainiert und das sieht man an meinen Ergebnissen. Anfang des Jahres war ich Zehnter, dann Fünfter bei der EM, Dritter bei den Weltmeisterschaften und nun Erster hier. Ich bin nicht die Schnellste, aber im Moment der Beständigste.”

Der amtierende IKA Formel Kite-Weltmeister und Sieger von Aarhus Nico Parlier aus Frankreich setzte Nocher am Ende immer mehr unter Druck. Er verbesserte sich im Laufe der Regatta stetig und siegte bei den letzten vier Rennen bei Wind zwischen 8 und  11 Knoten.

Parlier schien zu Beginn in China noch um Konstanz zu kämpfen. Er führte das auf wenig Training mit den neuen Kites und Foils zurück, die bei den “offenen”, weniger geregelten IKA KiteFoil-Veranstaltungen verwenden dürfen. Aber er wurde immer schneller und fuhr noch auf Rang zwei vor. 

Hubschrauber sorgt für Crash

Zu Beginn hatte noch der Brite Connor Bainbridge dominiert. Er geriet aber durch einen ungewöhnlichen Vorfall aus dem Tritt. Er raste Seite an Seite mit dem Landsmann Guy Bridge über den Parcours, als sich ein chinesischer Rettungshubschrauber näherte, dessen Besatzung offenbar das Geschehen aus der Luft beobachten wollte. Dabei erzeugten die Rotoren so starke Abwinde, dass beider Kiter stürzten. Sie erhielten zwar eine Punkt-Wiedergutmachung von der Jury, aber Bainbridge sagt, danach habe er irgendwie den Fokus verloren.

Der einzige Deutsche, der im Kreis der Besten mithalten kann ist Florian Gruber. Er sicerte sich unter den 32 Athleten aus 16 Ländern Rang neun. Drei Frauen waren im Kiter-Feld vertreten. Für eine eigene Rennserie reicht die Beteiligung noch nicht aus. Die erst 17 Jahre alte Amerikanerin Daniela Moroz wurde 16. im Männerfeld vor der Russin Elena Kalinina auf Platz 20.

Auch für das Show-Event in Aarhus wurden nur 11 Frauen gefunden im Vergleich zu 65 Männern, die ihre Sportart präsentieren konnten. Das ist noch etwas dünn, denn zur Erinnerung: die Kite-Medaille soll 2024 in einer noch nicht bekannten Art der Mixed-Wertung vergeben werden. Aber bis dahin bleiben noch ein paar Jährchen Zeit, sich an die neue Segel-Sportart zu gewöhnen. Auch einige deutsche Segler orientieren sich schon in diese Richtung.

Ergebnisse Act 1 Kite Foil gold Cup 2018 Weifang

Top Ten von 31 Startern beim Kite Foil Gold Cup 2018 Act 1

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Carsten Kemmling

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