A-Cat EM Gardasee: Deutsch-Aussie Landenberger siegt nach Beckenbruch

Wunderbare Genesung

A-Cat EM am Gardasee. Traumbedingungen für die Speed-Klasse © Roberto Vuilleumier

Es dürfte einer der erstaunlichsten Genesungsprozesse sein, die je ein Segler durchgemacht hat. Noch vor wenigen Monaten musste Andrew Landenberger wochenlang das Krankenhausbett hüten. Erst war er auf seiner Schafsfarm in Queensland/ Australien von einem herunterstürzenden Balken verletzt worden. Dann stürzte er beim Reiten von einem Pferd und zog sich einen ebenso schmerzhaften wie komplizierten Beckenbruch zu. Die Ärzte machten ihm keinerlei Hoffnung, je wieder Leistungssport betreiben zu können.

Doch das Wunder geschah. Kaum konnte der Olympia-Silbermedaillengewinner im Tornado von 1996 (Vorschoter von Mitch Booth) vom Krankenbett aufstehen, jettete er nach Deutschland. Denn im tiefsten Südschwarzwald, betreibt er am Titisee eine Zweigstelle seiner Segelmacherei, die insbesondere für Katamaran-Segler eine der weltweit ersten Adressen ist.

Landenberger, der für 2004 eine deutsche Olympia Tornado-Kampagne mit Johannes Polgar an der Vorschot unternommen hat, testete Dutzende selbst designte Segel, trainierte mit seinem werftneuen A-Cat erst auf dem Schluchsee im Schwarzwald und dann am Gardasee. Prompt dominierte er vom ersten Tag an die Europameisterschaft im Seglermekka Torbole so deutlich, dass er zum heutigen letzten Lauf gar nicht mehr antreten muss.

F18-Profi Heemskerk wird 23.

Landenbergers Europameistertitel ist umso höher einzuschätzen, als am Gardasee ein Weltklassefeld mit 96 Startern angetreten ist. Zwar fehlten diesmal die ganz großen Namen aus der America’s Cup-Szene wie James Spithill oder Dean Barker, die den hochsensiblen A-Cat gerne als Trainingsplattform nutzen. Und auch der vielfache A-Cat-Weltmeister Glenn Ashby ist derzeit beim America’s Cup Team Oracle Racing nicht abkömmlich.

Aber die Spitze bei den A-Cats ist breit, und bei der EM in Torbole waren die besten Australier Scott Anderson, Steve Brewin oder Brad Collett ebenso vertreten wie die Topleute aus Neuseeland (Mike Drummond) und den USA (Ben Moon).

Welch hohes Niveau mittlerweile in der Klasse herrscht, demonstriert beispielsweise das Abschneiden des niederländischen Katamaran-Segelprofis Mischa Heemskerk, zuletzt 2011 Vizeweltmeister bei den F18-Kats: Er kam am Gardasee nicht über einen 23. Platz hinaus. Und auch der zweimalige A-Cat-Weltmeister Nils Bunkenberg aus Kiel musste mit dem 27. Platz vorlieb nehmen. Besser lief es für den amtierenden deutschen Meister und vormaligen Europameister Bob Baier, der auf dem 6. Platz liegt.

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Christian Stock

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13 Kommentare zu „A-Cat EM Gardasee: Deutsch-Aussie Landenberger siegt nach Beckenbruch“

  1. avatar Jorgo sagt:

    Spannender und anschaulicher Bericht, vielen Dank!
    Und Glückwunsch an Landi – zur erfolgreichen Genesung!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Wilfried sagt:

    keine gute Werbung als Segelmacher erst teure Hightech-Segel an die Kunden zu verkaufen und dann mit dem alten Design zu gewinnen. Ich würde mich verarscht fühlen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 10

    • avatar T.K. sagt:

      Manchmal gibt es eben auch schlicht bessere Segler. Nicht das Material alleine entscheidet. ist doch beruhigend

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar Flyer2 sagt:

    Interessanter Report, vor allem zum Material!

    Was bitte darf man unter 3D-laminierten Patches verstehen? Aus wieviel Patches besteht ein Segel? Membrane suggeriert Durchlässigkeit… ?

    Die Hersteller setzen leider immer noch viel zu oft auf Mundpropaganda und als kleiner A-Cat’ler erfährt man das alles nur per Zufall oder gar nicht. Ein echtes Ärgernis in der A-Szene.

    Da freut einen so ein Artikel um so mehr. Schapo! 😉

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    • avatar Christian sagt:

      Hallo Flyer2,
      das Membrane-Segel besteht aus mehreren Einzelstücken, die an den Lattentaschen zusammengeklebt werden. Die Einzelstücke bestehen aus zwei miteinander verklebten Folien, in die lastabhängig Fäden einlaminiert wurden. Obwohl die Fäden schwarz sind, sind sie nicht aus Kohlefaser, damit wäre das Segel zu steif. Das Profil des Segel entsteht im wesentlichne durch das Zusammnkleben der Einzelstücke, deshalb ist es kein echtes 3DL-Segel, das ja am Stück laminiert wird.

      (Das alles ist ein offenes Geheimnis, deswegen kann es hier ausgeplaudert werden ;-).

      Andrew Landenberger sagt zum Sinn und Zweck der Membran-Segel: “Our objective for a Membrane Sail Project was to achieve a very ‘automatic’ sail which is easy to trim under racing conditions.Achieving a greater range in the sail between upwind and downwind has been a major goal.

      After a lot of work on fibre types and layouts with our partners we have reached a very balance membrane offering excellent stretch characteristics.These sails are also significantly lighter than standard sails and our lamination appears to be much more durable than the sails offered by others.

      With the extreme mast development in the class over the past two seasons, there has been real opportunities to to make big steps in sail design. The major mast builders in the class, such as Saarberg, Fiberfoam and Hall have all worked hard to develop softer fore aft bending masts.Sail development has followed closely, and it is now possible to sail the A class downwind on the trapeze in very marginal conditions.
      Two years ago in similar conditions, most sailors were only able to lift a hull while sitting on the trampoline. Now it is possible to go into the trapeze and develop a much higher apparent, even in these very light conditions.”

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      • avatar Seven sagt:

        Sehr gut , aber nur teilweise richtig !
        Die schwarzen Fäden können durchaus Carbonfäden sein ! Könnte aber auch Tecnora Black (ein Aramid welches schwarz ist und wohl das UV beständigste der in der Aramid Familie).
        Der ausdruck “Membran Segel” hat sich mittlerweile durchgesetzt, ist eigentlich der falsche Ausdruck – Es handelt sich eben um Foliensegel mit Fasern (welche Fasern auch immer) in allen Lastrichtungen. Dadurch hat man sehr Dehnungsarme und Form stabile Segel und keine überflüssigen Fasern ,respektive: keine überflüssiges Gewicht.
        Die unterschiedlichen Produkte (D4 , 3DL/3DR , Stratis, Epex , ect.) sind alle sehr ähnlich ,haben aber unterschiedliche vor und nachteile………daher kann man auch nicht eindeutig sagen welches Produkt nun das beste !

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        • avatar Christian sagt:

          beim A-Cat Membrane-Segel ist es definitiv kein Carbon. Landy hat das getestet und wieder verworfen. Das Segel wird derart unelastisch und trimmempfindlich, dass man ständig den Großschotzug nachjustieren müsste. Weichere Segel ergeben bessere “gust response”. Die Kunst ist, das richtige Verhältnis zwischen Profiltreue und Elastizität zu finden.

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  4. avatar hendrix sagt:

    wer sagt denn das das benutzte Segel nicht “Hightech” ist?! der Autor kennt sich anscheinend besonders gut aus!

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    • avatar Christian sagt:

      das benutzte MAXX-Segel ist definitiv ebenfalls ein High-Tech-segel. Wie heutzutage eigentlich alle Segel in High-Performance-Bootsklassen….

      Aber wie oben von TK schon ganz richtig bemerkt wurde: Es ist der Segler, der gewinnt, nicht das Segel.

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  5. avatar Abcdcat sagt:

    Wie wird der Traveller jetzt gefahren, mehr mittig? Wieviel mehr Tiefe ist nunmehr möglich?

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    • avatar Christian sagt:

      an der Travellerstellung hat sich m.W. nichts groß geändert.

      Die Boote mit neuem Set up fahren downwind bei Flyer-Bedingungen nicht unbedingt tiefer, sondern vor allem deutlich schneller. Sie können gerade bei viel Wind stärker pushen – wenn ältere Boote bereits vorne abtauchen. Das liegt vor allem an den gebogenen Schwertern mit ihrem Auftrieb, der besonders bei hohen Geschwindigkeiten zum Tragen kommt. Nur wenn es eine steile Welle hat, müssen auch die neuen Boote bremsen, dann ist z.B. downwind segeln im Trapez nicht mehr möglich.

      Wer das downwind segeln im Trapez auf die Spitze getrieben hat, war bei der letzten australischen Meisterschaft Nathan Outteridge – inklusive einiger spektakulärer Überschläge. Das ist er vom 49er gewohnt 😉

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  6. avatar Gabriel sagt:

    In meiner Erfahrung wird bei den A-Cats der Einfluss des Materials meist überschätzt. Wie bei eigentlich allen richtig schnellen Booten kosten schon kleine Fehler schnell mehr als man mit Material rausholen kann. Klar hilfts (vor allem im Kopf), aber längst nicht so viel wie die meisten denken.

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    • avatar Flyer2 sagt:

      Bei gleichem Können und vergleichbaren Booten kann das Segel sehr wohl den Unterschied machen.

      Piet Saarberg als anerkannte Größe im A-Cat-Sport hat es mal so zusammengefasst:

      60% der Segler, 30% die Mast-, Segelkombination und 10% das Boot.

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