Knarrblog: Wie man die Kids zum Segeln bringt, oder auch nicht

Die Hoffnung stirbt zuletzt...


Der Jüngste auf dem Opti...vor einem Jahr. 2010 hat er das Teil nicht bewegt. Der Funke ist nicht übergesprungen © C. Kemmling

Die Saison ist vorbei. Ich war viel auf dem Wasser, habe die deutsche ORC Meisterschaft, den Rolex Cup der Zwölfer, die erste Mittwochsregatta im Drachen und die Rheinwoche gewonnen, und die dramatischen Erlebnisse bei der Laser SB3 WM am Gardasee fühlen sich – je länger die Zeit vergeht – auch sehr positiv an.  Nur bei der wichtigsten Aufgabe versage ich jämmerlich.

Ich schaffe es einfach nicht, den Segel-Funken bei meinen Jungs übergesprungen zu lassen.  Der Große (13) tritt nach wie vor enthusiastisch vor den Ball – verdammtes Sommermärchen! – Aber bei dem Kleinen (11) hatte ich noch Hoffnung. Zumal er Ende vergangener Saison eine C-Regatta am Club gewonnen hatte und stolz wie Oskar war.

Darum geht es doch. Ein wenig Selbstbewusstsein tanken, und schon hat man seinen Sport gefunden. Soweit die Theorie. Deshalb war ich mit der Hoffnung in die Saison gestartet, meinen Vater-Pflichten endlich nachgekommen zu sein. Das Pflichtbewusstsein basiert auf der Annahme, Segeln sei der coolste Sport für Heranwachsende. Wenn man die Anfangshürden genommen hat und Angst vor den Elementen genommen hat, kommt der Rest von alleine.

Aber die Euphorie verflog nach dem Kauf eines Trockenanzuges. Opti-Training konnte den Jungen in diesem Jahr nicht begeistern. Es ist ein Rätsel. Segeln sei zu stressig. Und Wettkämpfe möge er eigentlich nicht so gerne. Na ja. Ich bin ja ein toleranter Vater. Dann eben nicht.

Aber es wurmt. Haben wir igendetwas falsch gemacht? Kommt das Interesse noch? Pubertät? Ich gebe mich noch nicht geschlagen. Natürlich nur gedanklich, heimlich. Man muss ja einen Plan haben. Der Zugang zum Segeln ist eben mühsam. Er funktioniert nicht von alleine, wenn man nicht nahe am Wasser wohnt. Aber ich will mir nicht in ein paar Jahren von den Jungs vorwerfen lassen, dass ich nicht alles versucht hätte, die Vorzüge meines Sports deutlich zu machen.

Es ist ja nicht so, dass sie Segeln hassen. Die Saison war nicht ganz verloren. Beide Jungs verbrachten ein Opti Sommercamp am See und hatten ihren Spaß. Seitdem gefällt sich der Große darin, dem Bruder Vorträge über die optimale Höhe am Wind zu halten. Der Kindergeburtstag wurde auf dem Laser gefeiert und der alljährliche Sommertörn gab keinen Anlass zur Kritik. Dazu verbrachten wir eher bei Badewetter so viel Zeit wie möglich am Oortkaten-See.

Aber etwas Hoffnung keimt. Ein neuer Plan reift über den Winter. Der Junge segelte in diesem Sommer einige Minuten mit unserem Radial beriggten Laser über den See. Erst saßen wir zusammen drauf, dann warf er mich über Bord. Eigentlich ist er dafür zu klein. Aber von diesem Erlebnis schwärmt er noch immer. Und auch der Große sagt: Es wäre toll, wenn wir ein paar Laser hätten.

Nun ja, es gibt ein paar Clubboote. Die sind allerdings sicher zum ernsthaften Segeln gedacht. Dabei finden die Jungs das Kentern, Schwimmen und Toben gut. Aber genau das ist es doch. So ging es bei mir auf dem Baggerloch in Duisburg auch los.Vielleicht ist also noch alles drin. Vielleicht bekommen sie noch eine Idee davon, was es mit diesem bekloppten Segelsport auf sich hat.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. Der Kleine ist jetzt in den Hamburger Basketball-Kader aufgenommen worden. Verdammt. Der Vater ist natürlich stolz. Aber wie blöd ist Basketball im Vergleich zum Segeln…

Auf der Messe traf ich Helge Sach, den Kat-Segler. Wir fachsimpelten über das Thema Kinder und wir heulten uns gegenseitig etwas vor. Seine drei Kinder üben alle möglichen Sportarten aus, aber sie segeln nicht. Als Höchststrafe empfindet Helge die Handballspiele, die in der stickigen Halle nahe dem Strand stattfinden. Draußen schönstes Segelwetter und er sitzt Daumen drückend in der Halle.

Aber auch Helge hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Irgendwann müssen die Kids doch alt genug sein, um die Faszination zu begreifen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Knarrblog: Wie man die Kids zum Segeln bringt, oder auch nicht“

  1. avatar Turnvater Kuschel-Jahn sagt:

    Lieber Carsten,

    als kleinen Erziehungsratgeber für dein pädagogisches Problem empfehle ich die Autobiographie von Andre Agassi:
    Open: Das Selbstporträt
    Der Vater hatte es wirklich drauf, aus klein Andre einen Tennis Star zu machen.
    Und seine vorbildlichen Methoden lassen sich hervorragend auf den Segelsport übertragen.
    Mir schwebt da eine Hängebank vor, die erst ab einer vorher festzulegenden Newtonzahl (aufrichtendes Moment) den Fernseher laufen lässt. Wahlweise ließe sich die Hängebank mit dem Kühlschranköffnungsmechanismus koppeln, so dass bereits frühzeitig die zwingende Korrelation zwischen grundlegenden menschlichen Bedürfnissen und Hängeausdauer in die Synapsen eingebrannt wird.
    Und dieser ganze Tuntensport (Fußball etc.) wird mit heavy jack absolviert, damit zumindest ein Restnutzen bleibt.
    Und jetzt nimm dir endlich die Jungs zur Brust, VERDAMMT, und werd deiner Vaterrolle gerecht!!!

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  2. avatar Judith sagt:

    Meine Erfahrung (3 Kids): Es funktioniert nur über die Gruppe. Ein paar coole Jungs (ab einem gewissen Alter noch besser für Söhne: viele coole Girls), die gemeinsam durch die Lande von Regatta zu Regatta ziehen, möglichst ohne lästige Eltern, die ständig an der Bändselbindung des Opti-Segels rummäkeln – das motiviert ungemein …

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  3. avatar Tommy Strohm sagt:

    hallo carsten

    3 Kids denen ab dem ersten tag gesagt wurde pferde sind von natur aus böse
    manschaften wollen einen nur als kanonenfutter
    und tennis gibt hässliche schürfwunden
    der rest stinkt

    als schlaflied “bahn delta queen” und statt nachthemd
    besser den neopren shorty

    mit den obigen vorschlägen zusammen sollte es dann klappen

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  4. avatar Oliver von Sail & Surf Pollensa sagt:

    Hallo an alle Väter,
    der größte Horror eines Segelvaters ist hier sehr schön beschrieben worden.
    Die Lösung des Problems könnte auch fast vor der Haustür liegen, wenn dort halt nicht die teuren Clublaser wären, oder das Wetter zu schlecht, zu kalt, deshalb der Trockenanzug….. Immer ein Grund.
    Die Lösung: Kommt nach Mallorca genauer gesagt zur Segelschule SAIL & SURF Pollensa. Gleich zu Beginn des Sommers im Juni ein geniales Revier mit Sonne, thermischem Wind und Wasser um die 23!!!! Grad. Jeder kann, aber nichts muss. Laser Pico, und ganz neu in 2011 SECHS RS Feva. Auf HC 16 hat auch Helge noch Spaß und für Einrumpfsegler den RS 500 oder eine Runde mit Segellehrer auf dem 49er.
    Na Lust bekommen??? Am 21. März gehts wieder los…..
    Viele Grüße von der Insel
    Oliver

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  5. avatar Andreas Ju. sagt:

    Lieber Fuchs

    1. Schön, dass du altersweise deinen Frieden geschlossen hast mit dem Lago – der jetzt bei Schneegestöber in seiner Schönheit ja auch deutlich zunimmt.

    2. Zieht endlich nach Kiel – der rest kommt dann von alleine

    3. Wieso Club-Laser: Ihr habt doch selbst ein legendäres rosa Meister-Boot?

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  6. avatar Marina sagt:

    Hallo Carsten,
    ich reihe mich hier ein in den Verein „enttäuschte Eltern nicht-seglender Kinder“…
    Nein, stimmt nicht ganz: Immerhin werden Mittwochsregatten in unserem Club mit
    Begeisterung mitgesegelt, wenn es der Dienst der Tochter am Klinikum Westend zuläßt.
    Und der kleine große Sohn beweist nach vielen Jahren, daß er’s auch immernoch kann,
    nachdem er in Opti B abräumte was abzuräumen war, zu früh nach „A“ umgestiegen war, leider
    den Anschluß versäumte und vom Berliner Kader wieder aussortiert wurde.
    Da braucht’s nach dem bestandenen Abi nur einen kurzen Urlaub in Palma und einen Sprung auf’s
    Surfbrett, um zu sehen: Alles geht noch. Inzwischen werden Gedanken laut ausgesprochen, ob es
    nicht eine Möglichkeit gäbe, in den Sommer-Semesterferien während der TW (Travemünder Woche)
    mal wieder irgendwo als Steuermann oder Vorschoter auszuhelfen / einzusteigen…
    Und der Beruf der Mutter läßt die Kids niemals vergessen, wo sie eigentlich herkommen und groß
    geworden sind: Nämlich auf dem Wasser unter Segeln!!!!
    INDIVIDUELLE KALENDER gibt’s bei mir! Bitte anfragen unter marina.koenitzer@web.de
    ICH verbringe meinen Winter jedenfalls damit, meine Segel-Bilder von diversen nationalen und
    internationalen Events zu sortieren und immernoch den ein oder anderen Kalender – auch im
    Februar / März / April oder in einem anderen Monat anfangend für Kunden herzustellen.
    So ist die Sehnsucht oder Seensucht (wie Sarahs Europe hieß) nicht so schwer… 
    Ich wünsche allen eine frohe und erholsame Weihnachtszeit und vor allem:
    Bleibt gesund für die nächste Saison!
    Marina

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