F18 EM Las Palmas: 5. Platz und Master Titel für Helge und Christian Sach

"Das Treppchen war drin"

Helge und Christian Sach segeln in der F18-Klasse bei der EM extrem stark bei relativ leichtem Wind. © Andreas Kling

Ein fünfter Platz im letzten Rennen der vorgezogenen Segeleuropameisterschaft 2012 der Formula-18-Katamarane bedeutete für Helge und Christian Sach aus dem schleswig-holsteinischen Zarnekau am Sonntag (11. Dezember) den gleichen Gesamtrang im Endklassement.

Zwar verpassten die Brüder vom Lübecker Yacht-Club das Podium um sechs Punkte und Platz vier nur um einen einzigen, doch den Titel in der Masterwertung der über 50-Jährigen gewannen sie überlegen.

Mit einem grandiosen Schlusstag holten sich die Franzosen Olivier Backes und Arnaud Jarlegan souverän die EM-Krone vor ihren Landsleuten Francois Morvan/Maithien Vandame. „Bronze“ ging an die jungen Lokalmatadoren Javier Padrón und Miguel Pérez vom EM-Gastgeber Real Club Náutico de Gran Canaria (RCNGC).

Die Sachs an der Leetonne. Christian reißt den Gennaker noch stehend in die Röhre am Bugspriet. © Andreas Kling

„‚Nur‘ Fünfter klingt vielleicht vermessen, aber wir hatten eine Position auf dem Treppchen selbst in der Hand“, mochte Steuermann Helge Sach eine kleine Enttäuschung nicht verbergen. „Das vorletzte Rennen hätten wir gewinnen müssen, so klar war unser Vorsprung schon nach der halben Startkreuz.“ Vorschoter Christian pflichtete ihm bei: „Taktisch haben wir uns kleine Fehler erlaubt, wodurch ein paar Gegner durchfahren konnten.“

Auf der anderen Seite waren vor der EM die Top Ten erklärtes Ziel. Schließlich starteten gleich mehrere Ex-Weltmeister auch aus dem ehemals olympischen Tornado-Katamaran, darunter der Olympiasieger von 1996 und aktuelle America’s Cup-Steuermann, Fernando Leon (RCNGC), der nur 21. wurde. Und die Sechsplatzierten Grant Piggott und Mary Rook aus Großbritannien lagen als beste Mixed-Crew 27 Punkte, also deutlich hinter den Sachs zurück.

Der neue und alte Weltmeister Olivier Backes mit Arnaud Jarlegan mit ihrem F18 vom Typ Phantom. © Andreas Kling

Wie die gesamte Europameisterschaft war auch der Finaltag zunächst von überwiegend leichtem Wind aus östlichen Richtungen geprägt, der nur gegen Ende durchgehend Trapezsegeln zuließ. Nach vielen Frühstarts zum EM-Auftakt wurden die Mannschaften immer vorsichtiger, um nicht nochmals disqualifiziert zu werden.

Dennoch schenkten sich die Teams an der Startlinie keinen Zentimeter und schrien lauthals um freien Raum. „Wir haben versucht, uns aus dem engsten Gedrängel herauszuhalten“, so Christian Sach, „schließlich konnten wir mit guter Geschwindigkeit immer noch nach vorne fahren, wenn wir mal nicht so gut wegkamen.“

SegelReporter Andreas John fällt mit Sven Lindstädt am letzten Tag als zweitbestes deutsches Team aus den Top Twenty noch auf Rang 26 zurück. © Andreas Kling

Auf der Bahn staunte so manch junge Konkurrenz, als „GER 258“ mal wieder „angeflogen“ kam und sie in Lee stehenließ. „Mit der sportlichen Leistung dürfen wir wohl hochzufrieden sein, völlig unabhängig vom Stand in der Ergebnisliste“, sagte das Sach-Duo unisono.

Als dann mit der zehnten Wettfahrt aufgrund der Ausschreibung die beiden schlechtesten Ergebnisse aus der Wertung gestrichen werden durften, wurde das Feld nochmal durcheinander gewürfelt. Nur ein Rechenspiel: Ohne die Streicher wären die Sachs Europameister geworden. Als einzige Crew gelangen ihnen nur Top-20-Plätze, ein 18. war das schlechteste Rennen.

Die Dominanz der neuen Europameister Backes/Jarlegan war indes beeindruckend. Nach Platz drei und zwei hatten die Weltmeister von 2010 den Titel am Sonntag schon vorzeitig gewonnen, setzten dem jedoch mit einem klaren Tagessieg noch einen drauf.

John/Lindstädt zerren ihren Gennaker an der Leemarke herunter. © Andreas Kling

„Das Boot läuft bei diesen Bedingungen sehr gut“, erklärten die Franzosen, die einen F-18 vom Typ Phantom segeln. Die Kat-Szene ist von mehreren Herstellern umworben. Auf Platz zwei und vier landeten Cirrus-Modelle, die Spanier segeln einen Hobie Wild Cat. Die Sach-Brüder punkteten mit einem Nacra Infusion in der „Konstrukteurswertung“.

Der Schlusstag kostete Andreas John und Sven Lindstädt aus Hamburg und Norderstedt als zweitbeste Deutsche noch einige Plätze. Sie kämpften in den drei letzten Wettfahrten mit einem sich auflösenden Gennaker. Die Topklebenaht löste sich trotz Flicken zwischen den Wettfahrten immer wieder. Vom 18. fielen sie auf den 26. Gesamtrang unter 84 Crews aus 13 Nationen zurück. In der oberen Tabellenhälfte landete nur noch der Berliner Ex-Eishockeycrack Thomas Haupt mit Johanna Hector als 33. Saisonhöhepunkt in 2012 wird die Weltmeisterschaft im September in Long Beach/Kalifornien (USA).

 

Endstand der Formula-18-Europameisterschaft in Las Palmas/Gran Canaria (Spanien)

1. Olivier Backes/Arnaud Jarlegan (Frankreich) 28 Punkte
2. Francois Morvan/Maithien Vandame (Frankreich) 40
3. Javier Padrón/Miguel Pérez (Spanien) 51
4. Gurvan Bontemps/Benjamin Amiot (Frankreich) 56
5. Helge und Christian Sach (Zarnekau) 57
6. Grant Piggott/Mary Rook (Großbritannien) 84
7. Coen de Koning/Thijs Visser (Die Niederlande) 87
8. Mitch Booth/Janne Riihela (Spanien/Finnland) 90

 

Spenden
http://nouveda.com

3 Kommentare zu „F18 EM Las Palmas: 5. Platz und Master Titel für Helge und Christian Sach“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Komisch, vom Tornado hört man nie was über so große und aktive Felder. 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  2. avatar bredi sagt:

    Jaja, die alten “Säcke”, die habens echt noch drauf!!! Glückwunsch zu dieser formidablen Leistung in einem hochklassigen Feld. Wenn der Olympiasieger von 1996 nur 21er wird, spricht das wohl für die Qualität – schließlich kann er ja nicht alles verlernt haben!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  3. avatar jorgo sagt:

    Das Teilnehmerfeld war sicherlich hochklassig. Leider wurde die Wettfahrtleitung dem nicht ganz gerecht. Nach mehreren Blackflag-Starts am ersten Tag (mit Strömung von Lee) wurden fortan alle Starts stumpf laufen gelassen. Meistens waren über 50 % beim Start vor der Linie. Das ließ sich auch am Live-Tracker beobachten. Glück hatten wohl diejenigen, die nicht identifiziert oder gute Beziehungen hatten – Pech dagegen z.B. das Team Heemskerk/Tentji aus NED mit ihrem orangfarbenem Kat – nach zwei BFD und einem OCS war da nix mehr zu holen.
    Die Segelbedingungen vor Las Palmas waren darüberhinaus äußerst anspruchsvoll. Chaotische Wellen und wenig Wind machten den Seglern das Leben schwer und nicht jeder Favorit kam damit auf Anhieb zurecht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *