Knarrblog – Bilderstory: Formula 18 Katamaransegeln auf Gran Canaria. Teil vier

Wie sich die Pinne anfühlt...

SegelReporter auf Kurs. Kat-Novize mit der Pinne in der Hand unter Gennaker. Nicht einfach, den richtigen Winkel zu treffen. © SegelReporter.com

„Willst du?“ Andreas hält mir die Pinne hin und möchte offenbar, dass ich diesen Kat steuere. Nun ist nicht besonders viel Wind. Und das geradeaus segeln dürfte im Vergleich zu gestern nicht besonders dramatisch werden.

Aber es steht wieder ein Wettrennen an. Neun Schiffe haben sich versammelt. Es geht also ums Schnellsegeln. Und das stelle ich mir dann doch äußerst schwierig vor.

Tatsächlich liegt dieser Kat ungewohnt in der Hand. Unter Gennaker geht es zum Start runter. Und auf diesem Kurs sollte man den Luvrumpf heben. Also anluven, Speed aufnehmen und mit zunehmendem Fahrtwind kommt der scheinbare Wind immer weiter von vorne. Man kann abfallen und nach Lee rauschen.

Leicht gesagt. Schon bei minimalen Böen droht der Balance-Verlust. Ich habe die Tendenz, zu schnell abzufallen. Dann reißt die Strömung ab und der Luvrumpf platscht ins Wasser. Man muss wieder stark anluven, um erneut Speed aufzubauen.

Leicht liegt so ein Formel 18 Kat nicht auf dem Ruder. Es hängen hinten eben zwei Blätter im Wasser. Zwei Finger reichen nicht. Die Steuerbewegungen müssen vorsichtig ausfallen.

Aber sehr schnell macht es Spaß. Hin und wieder erwischen wir sogar eine der langen Dünungswellen, die schräg zur Windrichtung verläuft. Es wäre wohl undenkbar mit einer Jolle bei diesem schwachen Wind.

Schwieriger wird es am Wind ohne Trapez-Bedingungen. Die Welle platscht unangenehm unter beiden Rümpfen. Das Wasser gurgelt hinten. Beide Hecks sind tief ins Wasser gedrückt, auch wenn man weit vorne sitzt. Dafür ist dieser Kat nicht gemacht.

Ich hätte gedacht, dass man auch beim Kreuzen den Luvrumpf zu entlastet. Aber das macht man offenbar nicht. Lieber platschend durch die Welle. Der Luvschwimmer titscht nur über das Wasser. Der Bremseffekt ist wohl nicht so groß.

Schön fühlt es sich nicht an. Halb im Trapez mit angewinkelten Beinen. Rein, raus, ja was denn nun? Möglichst tief fahren, möglichst Speed aufnehmen, dann wird es auch mit der Höhe.

Der erste Rennstart. Wir starten mit Wind von Backbord am Startschiff hinter der Flotte. Das ist eine gute taktische Option, wenn die rechte Seite der Kreuz besser ist. Ist sie wahrscheinlich auch. Aber wir werden es nie erfahren.

Denn bei der Wende, bei der man den verdammt langen Ausleger-Schwengel in ästhetisch unwürdiger Haltung rückwärts gewandt über die Hecks schwingen muss, fehlt plötzlich der Gegendruck.

Man kann den Kohlefaser-Stab per Handumdrehen in einen mannshohen Stab verwandeln. Wenn man diesen Mechanismus aber in der Wende betätigt, geht das Abfallen ins Leere. Und das ist nicht besonders schnell. Wir stehen einig Zeit im Wind. Die Konkurrenz ward nicht mehr gesehen. Toll!

Immerhin schaffe ich es über den Parcours ohne einen weiteren groben Schnitzer. Vermutlich nicht besonders schnell. Aber am Ende liegt doch noch ein Kat hinter uns.

Dann übernimmt Andreas wieder, zeigt mit den Plätzen 4/2, dass auch ein Nacra trotzt meines Gewichtes bei solchen Bedingungen schnell sein kann.

Das wars. Auf dem Rückweg beginnt der Neo zu jucken. Da ist es wieder dieses nervige Gefühl. Schnell die Trapezhose aus. Aber man kann angenehm liegen auf dem Trampolin und das Umfeld genießen.

Wieder fliegen Fische umher. Wenn die Frachter nicht vor dem Containerhafen auf Reede lägen und ihre Tanks säuberten. Wenn nicht die zahlreiche Bettenbunker das Ufer säumen würden, wäre es richtig hübsch vor Las Palmas. Das Klima funktioniert allemal unter den zahlreichen Palmen. In Deutschland warten wohl wieder Minusgrade.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

2 Kommentare zu „Knarrblog – Bilderstory: Formula 18 Katamaransegeln auf Gran Canaria. Teil vier“

  1. avatar Matti sagt:

    Wunderbar – vor allem die Bildunterschriften. Ich hab laut gegrinst!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar Minnisemmel sagt:

    Glücklich sieht aber anders aus!
    Hey! Ihr fahrt im Golfstrom herum!
    Bitte mal lächeln!!!
    Der Neo macht aber ein schlankes Bein 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0