Knarrblog Drachen-Regatta: Von Unglücksboten und -Booten

Schlechte Vorzeichen

Jan Woortmann peitscht seinen Drachen durch die Alster, die für ihre hohe Dünung berüchtigt ist. © Peter Kähl

Verdammtes Feder-Viech. Flattert von Backbord nach Steuerbord vorbei und holt mich fast vom Rad. Wäre es nur eine tumbe Taube gewesen, würde man nichts Böses denken. Aber ein rabiater Rabe, der schwarze Unglücksbote, auf dem Weg zur Regatta? Wenn das mal keine Warnung vor Unglücksbooten ist. Eigentlich ein deutliches Zeichen: Umdrehen und bloß nicht um die Wette zu segeln.

Aber unsereins weiß es ja besser. Pah, wir leben nicht im Mittelalter. So weit kommt es noch, dass Aberglauben vom Sonntagsvergnügen abhält. Alle sonstigen Utensilien, wie das schnelle Sockenpaar und die roten Puma-Treter sind schließlich am Mann. Und der zweite Samstag der Drachen Frühjahrsregatten verlief auch ordentlich.

Der SR-Drachen vor dem Atlantik-Hotel auf der Alster. © Matthias Reith

Bei der Fortsetzung der Serie vom vergangenen Wochenende ging es mit zwei astreinen Rennen samt euphorischer Aufholjagd und Platz fünf und vier im 44 Boote-Feld noch einmal einen Rang in der Gesamtwertung nach vorne auf den Zweiten.

Dabei wundere ich mich wieder über den beruhigenden Effekt knatternder Segel. Erst ist es noch ein typischer Samstag Morgen. Chaos pur. Der eine Junge muss zum Fussi-Auswärtsspiel beim FC Am-Arsch-der-Heide, der andere zum Körbe-Werfen beim BC Weit-weit-weg. Ein Orga-Drama, nach dem nächsten. Kommunikation mit diversen Trainern. Dazu noch Haushalt-Aufgaben wie Wohnung saugen, einkaufen, Fahrrad flicken,  und irgendwas war auch noch mit den Kaninchen.

Mechanisches Nicken, zustimmendes Murmeln

Dabei gelingt es nur knapp, eine größere Szene zu vermeiden, als ich mich kurzzeitig und vermeintlich unbemerkt dem fortlaufenden Input der Liebsten verschließe. Meistens gelingt die Verschleierungstaktik, aber diesmal hat mich irgendetwas verraten. Der Blick mag zu leer gewesen sein, das Kopfnicken zu mechanisch das zustimmende Murmeln zu wenig passend zum Thema. Dabei arbeite ich gedanklich hart an Frage, ob die Wantenspannung angesichts der Wettervorhersage eine Viertel-Drehung erhöht werden sollte.

Schweiß gebadet rase ich schließlich mit dem Rad zu irgendeinem Treffpunkt, wo das Auto irgendwo in der Pampas abgestellt ist. Die folgende Hast zum Schiff gelingt gerade noch rechtzeitig. Ölzeug muss nicht. Aufspringen, Segel hoch und durchatmen. Ahhhh… Die Tücher knattern wohlig im Wind. Das ist es. Das Leben ist plötzlich gaaaanz einfach. Es geht nur noch um links oder rechts. Wo setzen die Böen ein?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Knarrblog Drachen-Regatta: Von Unglücksboten und -Booten“

  1. avatar hanseatic sagt:

    Sehr schöner Bericht Carsten! Ach ja – und das Kaninchen sollte übrigens in den Ofen, für’s Entschuldigungs-Candlelight-Dinner 😀

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

    • avatar Marc sagt:

      Dann würde ich aber gerne den Moment miterleben wo seine Kinder den Braten auf dem Tisch sehen und sagen: “Irgendetwas stimmt mit Hasi nicht!”

      Wenn er Vio trinkt, kann er ihn ja nach dem braten vielleicht mit zwei Luftballons wiederbeleben 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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