Knarrblog: Laser SB3 Match Race am Berliner Yacht-Club. Auf der letzten Rille weiter

Rüssel unter den Hintern geschoben

Romantisches Abendmatch auf dem Wannsee. © Sven Gauter

Internationales Grade 3 Match Race beim Berliner Yacht-Club am Wannsee. Zwölf eingeladene Teams aus fünf Nationen, zwei Sechser Gruppen, gesegelt wird mit Laser SB3, die ersten beiden qualifizieren sich für das Profi-Grade-1-Match beim VSaW in 14 Tagen.

Heute morgen Eis auf dem Deck und spiegelglattes Wasser. Aber bei den ersten Duellen stellt sich ein wenig Wind und sogar Sonne ein. Es wird schnell warm. Erstes Rennen gewonnen, zweites übelst verprügelt worden.

Ein blinder Anfängerfehler vor dem Start resultiert in einen Penalty gegen den Top gesetzten Dänen Sehested. Start auch noch verloren, auf die falsche Seite gesetzt und eine halben Bahnschenkel hinterher gedümpelt. Peinlich.

Dann wieder gewonnen und erneut verloren. Der zurzeit beste deutsche Match Racer Felix Oehme wählt nach dem Start rechts, wir links, und das war es schon. Der erwartete Linksdreher kommt nie an. Nach knapp 20 Minuten ist das Rennen durch.

Eis an Bord am Morgen. Aber beim Laser SB3 Duell wird es schnell warm. © Sven Gauter

Dann gegen den Polen Zbroga. Gleiche Strategie. Links am Pin-End sieht es einfach besser aus. Es passt. Der erste Dreher am Strandbad Wannsee ist unser, die Verteidigung auf dem schwierigen Gennakerkursen passt. Also 3:2 Siege. Reicht das für die topp drei in unserer Gruppe? Reicht das für die nächste Runde der besten sechs?

Nicht ganz. Der Däne ist mit 4:1 durch. Dahinter sind noch zwei Plätze frei. Oehme, der Pole und wir kommen auf 3:2. Jeder hat gegen den anderen gewonnen. Der Gleichstand ist nicht aufzulösen. Wir drei müssen nachsitzen.

Treffen auf dem Startschiff. Losverfahren. Ich ziehe den Zettel mit der drei. Niete. Toll. Zbroga und Oehme segeln ein Duell, der Sieger kommt weiter, der Verlierer muss zum Shoot-Out gegen uns. Die beiden haben zwei Chancen, wir nur eine.

Oehme liegt gegen den Polen an der Luvtonne eine Länge hinten, zieht den Bugspriet raus und schiebt ihn dem Gegner sauber unter den Hintern. Penalty für Deutschland, Zbroga schubst noch erbost aber fachgerecht den feindlichen Rüssel samt Boot achteraus und entscheidet den Lauf für sich.

Also sind wir im Knock Out gegen Felix dran. Ein schöner Start am Pin-End, erster Cross für uns und dann ein Wendeduell bei sterbendem Wind. Diese blöde oberste Latte im Groß wird zum Problem. Sie will bei den Wenden ohne Druck nicht durchschlagen. Aber so langsam bekommen wir es hin. Man muss im Manöver am Baum reißen.

Das KO-Duell verläuft zu unseren Gunsten. Bei untergehender Sonne und sterbendem Wind retten wir die entscheidenden Längen Vorsprung ins Ziel.

Sechs Teams fliegen raus, sechs dürfen noch einmal jeder gegen jeden ran, wenn der Wind ausreicht. Alles ist offen. In Gruppe B hat Stefan Meister alle Läufe gewonnen. Außerdem ist der Ungar Litkey und der Holländer Feitsma weiter. Mal sehen, was noch geht.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Knarrblog: Laser SB3 Match Race am Berliner Yacht-Club. Auf der letzten Rille weiter“

  1. avatar ng sagt:

    macht sie kalt! Sven hat sicherlich ganz persönliches Interesse am BMW Berlin Matchrace…

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  2. avatar k sagt:

    “beste deutsche Match Racer Felix Oehme?” – Herr Tresen hat doch gerade noch die DM gewonnen, da gebührt ihm doch wohl der Titel!?

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    • avatar Wilfried sagt:

      das dürfte sich dann doch eher nach der Weltrangliste bemessen

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      • avatar Perry Rhodan sagt:

        Wen interessiert eine “Weltrangliste”? Was zählt sind Titel! Wer weiß im Fußball schon wer in der Weltrangliste an welcher Position steht, den Weltmeister kennt jeder!
        Ranglisten geben ein eher verzerrtes Bild, stark beeinflusst von der Wahl der Events und der Häufigkeit mit denen man an “gegradedeten” Events teilnimmt.

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        • avatar Christian sagt:

          @Perry: Was du schreibst, mag für den Fußball zutreffen – aber nicht für den Segelsport, und schon gar nicht fürs Matchrace.
          Es geht schon damit los, dass die Ranglistenplatzierung bei den Matchracern maßgeblich dafür ist, bei welchen Events mit welchem Grade man überhaupt starten darf. Die Punkteverteilung ist so gestaltet, dass eine gute Ranglistenplatzierung mitnichten ein “Fleißpreis” ist. Man muss sich schon ziemlich oft ziemlich weit vorne platzieren, um unter die Top 50 zukommen.

          Ein Titel ist eine Momentaufnahme von max. fünf Tagen Segeln (und insofern eher “verzerrt”), eine Ranglistenwertung gibt hingegen Auskunft über dauerhafte Leistungsvermögen eines Matchracers.

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          • avatar Christian sagt:

            beim nochmaligen Nachdenken fällt mir auf, dass du nicht mal beim Fußball recht hast, Perry. Was ist denn bitteschön die Bundesliga: Eine Rangliste aus insgesamt 34 Spielen. (bin Fußballlaie, aber es sind doch 34 Spiele, die jeder Verein bestreiten muss, oder?) 😉

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          • avatar Perry Rhodan sagt:

            Moin Christian,
            ja stimmt, sind 34 Spiele, die jeder bestreiten MUSS!
            Und genau das ist eben in der MR-Weltrangliste anders, da kann man bzw. wird nur eingeladen wenn ggf. auch über Wild-Cards usw.
            Zu Zeiten als Jochen Schümann mit Alinghi den Americas Cup gewann rangierte er in der Weltrangliste auf 200irgendwas, weil z.B. der Americas Cup dort nicht zählt, was etwa gleichbedeutend wäre damit, dass das Wimbledon-Finale nicht für die Tennisrangliste zählt.

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          • avatar Markus O sagt:

            Die alte Diskussion, was höher einzuschätzen ist, der Meistertitel oder der 1. Platz der Rangliste. Wie beim Geschmack kann man sich wohl endlos darüber streiten.
            Die Diskussion bliebe erspart in diesem Fall, wenn Carsten Felix als Besten Deutschen der Rangliste beschrieben hätten.

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  3. avatar Christian sagt:

    Glückwunsch zur geglückten Qualifikation, Carsten!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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