Onyx Klasse. Mitgesegelt bei der Ruf Swiss Open am Zürichsee

Eine echte Leichtwindrakete

Interessante Dame im im Onyx-Dreikampf am Zürichsee. © Martin Tschupp

Das Angebot war viel zu verlockend, um es auszuschlagen: Mit einem kostenlos gestellten Onyx-Kielboot drei Tage lang an der Swiss Open teilnehmen. Kein Ein- und Auskranen, einfach auf das Boot steigen, die Segel hoch ziehen und segeln gehen. Herrliche Aussichten!

Zu verdanken hatten wir sie unserem Teamkollegen Felix, der als Segelmacher einen Großteil der Segel für die aufstrebende Sportboot-Klasse fertigt. Onyx-Konstrukteur Thomas Cantz hatte noch ein Boot übrig, und somit war die Sache klar: Auf zum Segelclub Stäfa an der „Goldküste“ des Zürichsees, dort, wo die Millionärs- und Milliardärsdichte fast so hoch wie in Monaco ist.

Die Onyx kann mit Fug und Recht als eines der elegantesten Segelboote bezeichnet werden, die derzeit auf dem Markt sind. Bei 8,50 m Länge und 2,2 m Breite  ist sie schlank wie ein traditioneller Schärenkreuzer. Doch der angedeutete Wavepiercer-Bug, das futuristische Heck, der tiefe Bombenkiel, der ausziehbare Kohlefaser-Bugspriet und das hochgestreckte Fathead-Großsegel zeigen, dass die Onyx ein Kind der heutigen Zeit ist. Thomas Cantz wollte ein Boot mit einem „dynamischen Wesen, ohne der Mannschaft Akrobatik abzuverlangen“.

Das ist ihm gelungen. Ausreiten ist der drei- bis vierköpfigen Mannschaft laut Klassenvorschrift verboten. Aufrichtendes Moment produziert allein der 500 kg schwere Kiel. Bei einem Gesamtgewicht von nur 900 kg, einer Amwind-Segelfläche von satten 40 qm und einem Gennaker von 75 qm ist das Boot eine echte Leichtwindrakete.

Die Onyx legt sich zwar schon bei zwei Windstärken ordentlich auf die Seite, doch selbst von 30 Grad Krängung bleibt sie völlig unbeeindruckt und zieht ihre Spur wie mit dem Lineal gezogen. Spätestens ab drei Windstärken muss man massiv depowern, was dank Cunningham, Kicker und Achterstag keine Probleme bereitet. Das Großsegel ist ohnehin so flach geschnitten wie bei einem Katamaran.

Offenes Heck, steiler Steven, die Onyx macht etwas her © Martin Tschupp

Bemerkenswert ist nicht nur das Boot selbst, sondern auch das mit ihm verbundene Veranstaltungskonzept. Die Onyx Sailing AG vergibt an die aktivsten Segelvereine des Zürichsees insgesamt sieben Boote. Für die damit verbundenen Kosten kommen diverse Sponsoren auf. Titelsponsor Ruf spendiert dann obendrein Preisgelder, die von den Clubs für die Jugendförderung eingesetzt werden müssen. Dieses Modell ermöglicht vielen Seglern die Teilnahme an einer Onyx-Regatta, ohne selbst viel Zeit und Geld investieren zu müssen.

Die ganz besonders Angefressenen leisten sich freilich lieber ein Privatboot. Wie zum Beispiel Aldo Meyer, einer der versiertesten Onyx-Segler. Er hat sich zur Swiss Open die namensgleiche, aber nicht mit ihm verwandte Spitzenseglerin Corinne Meyer an die Pinne geholt. Sie hat eine mehrjährige Olympiakampagne im Laser Radial hinter sich und gilt als eines der besten jungen Segeltalente der Schweiz. Ihr Bruder ist ebenfalls mit von der Partie.

Als der Startschuss zum ersten Lauf fällt, hat sich der am Vortag noch kräftige Wind verdünnisiert. Die folgenden drei Tage herrscht mit wenigen Ausnahmen Flaute – und zwar aus allen Richtungen. Selbst mit der Onyx als Leichtwindrenner ist das Segeln ölig, unter 2 Knoten Wind ist beim besten Willen kein Gennaker zum Stehen zu bringen.

Der junge, engagierte Wettfahrtleiter ist bestrebt, aus den schwierigen Bedingungen möglichst viele Läufe zu holen. Das gelingt ihm, doch die Kehrseite ist: Von den sechs durchgebrachten Wettfahrten sind vier echte Schweinerennen.

Während wir als einziges ausländisches Team mit fiesen Windlöchern und 150-Grad-Drehern hadern und an unseren seglerischen Fähigkeiten zu zweifeln beginnen, nehmen es die Schweizer gelassen. „S’isch ä chli weng drümmelig gsi“, geben sie zwar diplomatisch zu, aber den Spaß an ihrer Klassenmeisterschaft lassen sie sich davon noch lange nicht verderben. Abends wird mit einer Band und einer Tanztruppe ordentlich gefeiert und gebechert.

Die drei Meyers kommen mit den Bedingungen am besten zu Recht. Sie überzeugen durch enormen Bootsspeed, saubere Taktik und haben zudem das notwendige Quentchen Glück. Überlegen gewinnen sie die Swiss Open, den lokalen Cracks vom Zürichsee blieb keine Chance.

Konstrukteur Cantz gibt uns zum Abschied einen erfahrungsgesättigten Kalauer auf den Heimweg mit: „Was kommt nach drei Tagen Flaute? Ein Montag.“

Ergebnisse

Klasse

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Christian Stock

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Ein Kommentar „Onyx Klasse. Mitgesegelt bei der Ruf Swiss Open am Zürichsee“

  1. avatar Eric Scherer sagt:

    Super Bericht!
    Habe dich Regatta ebenfall’s so wargenomme, troz unserem OCS im letzten Lauf! 😉
    Hoffe auf ein Wiedersehen! 😉

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