Knarrblog: Advent, Advent – Die Saison ist vorbei, die Frau will raus aufs Wasser

Am Sonntag will mein Süßer...

Sie meinen das wirklich ernst. Als vor ein paar Monaten die Liebste ihre Bitte äußerte, ich möge mir das erste Dezember-Wochenende für ein Coaching auf der Alster freihalten, nickte ich das schnell ab. In solchen Momenten darf man nicht zögern.

Es ist immer gut, an der Heimatfront zu punkten. Das erweitert erfahrungsgemäß den zeitlichen Spielraum für die eigene Segelsaison – zumindest hilft’s bei den Verhandlungen. Er muss sonst mühsam durch niedere Tätigkeiten im Haushalt – über deren Sinn und Unsinn sich manchmal durchaus streiten ließe – erarbeitet werden.

Aber wer kann denn ahnen, dass die Gattin das wirklich durchzieht. Beim Helga Cup hatte sie mit ihren Mädels aus der alten Heimat vom Duisburg Segel-Club wirklich Spaß. Die Fortsetzung sollte folgen. Aber dann ist Taktikerin Luisa zum Studieren weit in den Süden abgewandert, und das Team drohte sich aufzulösen.

Die Gattinnen der Match-Race-Crew

Leonie galt als potenzielle Ersatzfrau, auch wenn sie nichts davon wusste. Und sie verfiel ob der unerwarteten Offerte nicht spontan in Jubelstürme. Dabei wäre ihr Einsatz in der Damen-Crew ein interessanter Schlenker der persönlichen Segel-Historie. Dann würden mit ihr Michaela und Annette die drei Gattinnen unserer alten Match-Race-Männer-Crew Kemmling-Stein-de Jong zusammen an den Schoten ziehen, mit der wir vor Urzeiten den einen oder anderen Titel holen konnten.

Leonie hat lange auf einer X-99 gesegelt bevor inzwischen drei Kinder einen leichten Fokus-Wechsel erfordert haben. An diesem Wochenende will sie nach langer Segelpause ausprobieren, wie das so ist im Frauenteam auf der J/70. Sie reist per Zug aus Stade zur Alster. Die Duisburger Kolleginnen um Projekt-Initiatorin Kerstin und Michaela bewältigen die 400 Kilometer Anreise per Auto. Ein echter Akt.

Und das ausgerechnet an diesem Wochenende. Es ist der 1. Advent, es regnet in Strömen, die Temperatur nähert sich dem Gefrierpunkt. Aber sie meinen es wirklich ernst. Wenden, Halsen, Spi hoch, Spi runter – das nasse Tuch klebt im Niedergang, die und die Frisuren sitzen überhaupt nicht.

Alster Schwäne im Winterquartier

In den Steg-Boxen schwimmen nur noch eine Handvoll Boote. Die 120 Alster-Schwäne sind seit einer Woche im Winterquartier, und der Regatta-Bojen-Kreis wurde eingezogen.

Am Samstag sehen noch die Wasserschützer vom alte, blauen Polizeiboot WS-19 nch dem Rechten. Eine Opti-Gruppe trifft sich auf dem Wasser und ein 29er dreht seine Runden. Sonntag Morgen ist es dann ein wenig einsam auf dem Wasser, wenn man das von einem See mitten in einer Großstadt sagen kann. Aber auch der gemeine Hamburger, der Schietwetter-technisch viel Kummer gewohnt ist, bleibt an so einem Morgen im Bett.

Am Samstag war’s noch angenehm und äußerst exklusiv auf der Alster. Die Crew im Crazy4Sail-Ölzeug. © SegelReporter

Die Mädels ziehen das durch. Der Glühwein danach auf dem nahen Weihnachtsmarkt schmeckt umso besser. Und auch beim After-Sail-Brunch im HSC verklärt sich der Sonntags-Schlag zum netten Segel-Abenteuer.

Leonie hat auch bei Ekel-Bedingungen und Kälte ordentlich Feuer gefangen. Aus einem “vielleicht” zum neuen Frauensegel-Projekt ist ein “sehr gerne” geworden. Ob es aber wirklich was wird mit dem nächsten Helga Cup? Die Möglichkeiten zum gemeinsamen Segeln sind rar. Und die Gattin hat sich irgendwie den Hals verrenkt. Sie läuft am Tag danach mit einer Halskrause herum. Aber sie trägt sie, wie eine Königin.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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