Knarrblog: Die Jungs fürs Club Match Race schanghait

Wenn der Vater mit den Söhnen...

Beim NRV Club Match Race mussten beide Söhne nacheinander beim Vater an Bord aushelfen. Eine logistische Meisterleistung und jede Menge Segel-Action trotz fehlender Butterbrote.

Laser Bahia

Finn hängt sich rein, der Vater ist im Wettkampf-Eifer gefangen. © Peter Kähl

“Hast du eine Ahnung, wo meine Fußballtasche ist?” Sohn Finn (16) klingt am Handy ehrlich ratlos. Gleich startet sein Landesliga Match. Der Trainer fragt schon, wo er bleibt. Meine Güte, hat der Junge seine Sachen und Gedanken nicht beisammen. Was weiß ich, wo sein Sch… wieder rumfliegt. Irgendwo unter dem Müllberg in seinem Zimmer.

Ich stehe gerade mit laufendem Motor vor dem NRV Clubhaus und überlege, wie ich den anderen Sohnemann Lasse (14) sicher über die brausenden Alster bekomme. Freund Klaus Lahme hat 14 Teams zum Club Match Race auf Laser Bahia Jollen geladen. Da dachte ich, es sei eine gute Chance, mal wieder den lieben Kindern meinen bekloppten Sport nahe zu bringen.

“Ist das diese Regatta, bei der wir letztes Jahr gekentert sind?” fragte Lasse vorsichtig, als ich im Familienrat den Vorschlag einer Team Kemmling Teilnahme einbringe. “Äh, jepp.” Erstaunlicherweise scheint diese Erfahrung aber weniger ein Ausschluss-Kriterium zu sein, als ein Zeichen für Coolness.

Werben mit Hundeblick

Vielmehr sind es die anderen Sporttermine, die einen Strich durch meine Rechnung machen könnten. Lasse ist wie jedes Wochenende mit Basketball beschäftigt und Finn mit Fußball. “Meine Güte, könnt ihr nicht einmal?…” Ich setze den Hundeblick auf, den nur die Frau durchschaut.

Man könne doch die Mannschaft nicht im Stich lassen, sagt sie. Hätte ich doch selber immer gepredigt, wenn die Jungs keinen Bock auf Training hatten. Toll. Das ist ja wohl was anderes. Mit dem Vater segeln gehen. Meine Güte. Einmal im Jahr. Sollte doch wohl klappen.

Ich bereite mich darauf vor, so richtig beleidigt zu sein. Das klappt oft ganz gut beim “schlechtes Gewissen Machen”. Aber plötzlich findet sich ein Weg. Lasse wolle ohnehin sein Samstag-Spiel absagen und nur Sonntag Körbe werfen und Finns Punktspiel ist Samstag. Die Jungs wollen sich das Vorschoter-Vergnügen teilen.

Fünkchen Begeisterung?

Ihr Interesse an dem geplanten Segel-Ausflug scheint auch gar nicht so gespielt. Sollte da doch ein Fünkchen Begeisterung sein? Ist das schon der America’s Cup Effekt? Im Sommer haben sie zwar hin und wieder die Familien-Laser bewegt.

“Haben wir diesmal denn Wind?”, fragt Lasse. Auf Rumtreiben hätte er nicht so viel Bock. “Ja Wind is, und wie.” Das ergibt sich nach dem Blick auf den Wetterbericht. Vielleicht sogar etwas zu viel des Guten,  Bin gespannt, wie der Junge das hinbekommt.

Aber erst einmal ist da die Sache mit der Fußballtasche. Kann das nicht die Mutter…? Nee, sie ist außerhäusig mit ihren Freundinnen beim wohlverdienten Frauenwochende einmal im Jahr. Sähe nicht gut aus, sie anzurufen und nach der blöden Tasche zu fragen. Würde nur bestätigen, dass wir Männer nicht alleine klarkommen.

Es geht auch ohne warmen Kakao

Dabei möchte ich beweisen, dass die Jungs auch ohne doppelte Wechselsachen, ohne geschmierte Brötchen, ohne warmen Kakao am Morgen diesen Tag überleben werden. Bloß keine Blöße geben.

Ich will beim Telefonat mit Finn schon genervt aufbrausen. Bis ich realisiere, dass es mich meinen Vorschoter für den nächsten Tag kosten könnte. Außerdem kommt da ein schrecklicher Gedanke. “Wo hattest du die Tasche denn hingestellt?” “Na in den Flur…” Ein verstohlener Blick auf die Auto-Rückbank… “Okay, ich fahr jetzt los.”

Und ich hatte mich beim Einpacken schon gewundert, was Lasse da so alles einpackt. So viele Taschen. Bestimmt doppelte Wechselsachen, geschmierte Brötchen…Hab einfach alle Taschen gegriffen. Mist! Ich Hornochse. Halbe Stunde Autofahrt zum Fußballplatz, halbe Stunde wieder zurück. Zum Glück sind wir erst im dritten Flight dran.

Raus in die Umkleide. Was dem Jungen anziehen? Habe im Keller alles zusammengeklaubt, was so rumlag. Alte Neos, Spraytops, Gummifüßlinge, Overalls. Draußen hackt es und ist kalt. Der Junge soll nicht frieren, andererseits darf das Outfit aber auch nicht zu uncool aussehen. Mist die Füßlinge passen nicht. Wie kann es sein, dass er schon größere Füße hat als ich?

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „Knarrblog: Die Jungs fürs Club Match Race schanghait“

  1. avatar Kritik sagt:

    Ich schätze die Berichte hier ja sonst sehr…aber was interessiert mich und alle anderen hier die Kemmling Familienstory?! (Verbessert mich wenn ich da falsch liege)
    Bitte weniger Selbstverwirklichung und mehr fachliche und interessante Berichterstattung!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 99

    • avatar Leon sagt:

      Der Artikel läuft unter der Kategorie “knarrblog”. Und das hier sieht mir nach einem Paradebeispiel von Blog-Eintrag aus 😉

      Super Bericht, Carsten! Macht Spaß zu lesen 🙂

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    • avatar todo sagt:

      Lieber Herr Kritik,
      1. Ich finde genau die persönlichen Storys interessant !
      2. Dies ist ein freies Land ! Du musst es nicht lesen, wenn es dich nicht interessiert, !
      3. Gute Arbeit Carsten, schöner Artikel !

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  2. avatar k sagt:

    Ich find diese Berichte das beste an SegelReporter!

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  3. avatar bredi sagt:

    Toller Bericht, Carsten! So ist halt das echte Leben zum Thema Segeln – wenn man ne Familie hat.
    Worüber ich mich nur wundern kann: Wie oft und wie penetrant sich irgendwelche Leute zu öffentlicher KRITIK hinreissen lassen – sollen sie doch einfach Dein Zeug nicht lesen! Und ja, Herr “Kritik” (komischer Name auch), ich vebessere Dich gerne: Du liegst falsch! Was ich mich auch frage: Wer gibt Dir das Recht, für “alle anderen hier” zu sprechen?

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  4. avatar Lars sagt:

    Ich finds klasse. Sport und Familie unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach. Bei Carsten hat es geklappt. Glückwunsch. Das Leben kann so einfach sein.

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  5. avatar 4MastBark sagt:

    Stimme der Mehrheit hier voll zu.
    Hab ich eigentlich Euren Sommertörn verpasst? 🙂

    Beste Segelseite 2013, 2012, 2011 und 2010 – es geht nicht ohne!

    Mir gefallen im übrigen die knarrenden Blöcke auch am besten.

    Gruss
    Jörg

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  6. avatar andreas borrink sagt:

    Ist Journalismus nicht immer auch ein Stück weit Selbstdarstellung?! Klar, in einer seriösen Zeitung wie der Süddeutschen oder der Zeit würde Kritik (auch die von Kritik) an Karsten’s Stil und seinen Inhalten sicher viel Zustimmung finden.

    Aber der Segelreporter ist für mich vor allem Unterhaltung. Hier geht es ja nicht um Politik oder Finanzen, sondern letztendlich um einen ziemlich unwichtigen Freizeitspaß. Und da sollt erlaubt sein, was gefällt, finde ich. Mir gefällt jedenfalls die lockere Sprache und der stets etwas selbstironische Grundton. Und einer, der mal eben ein Bundesliga-Event gewinnt oder bei der MdM ganz vorn dabei ist, darf auch ruhig mal etwas selbstgefällig sein……

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  7. avatar Marc sagt:

    besser wie die übernommenen Pressemitteilungen! Ich finde auch, dass genau das Segelreporter ausmachen sollte. Berichte von aktiven Seglern die nah am Geschehen sind. Nicht steril und bis ins kleinste durchdachte Berichte von PR Beratern oder Pressesprechern die vom Segeln keine Ahnung haben.

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  8. avatar Helden vom Mittelfeld sagt:

    Wieso sind eigentlch (fast) alle Beiträge (und nicht nur die von Carsten Kemmling) auf segelreporter.com über America’s Cup, Deutsche Meisterschaften, Clubregatten, Mittwochssegeln etc.gleich spannend zu lesen ???

    Ich glaube das nennt man einfach

    Guten Journalismus.

    Bitte weiter so.

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  9. avatar Sven sagt:

    Ich habe über diesen Artikel sehr geschmunzelt. Meine beiden sind noch klein, aber nun habe ich eine Ahnung, wie es mir in 10 Jahren gehen könnte. Die Postion Selbstironie in Carsten Berichten von seien Regatten sind das Besondere daran.
    Ich finds gut und freue mich, dass eine Seite nicht nur von offiziellen Ergebnissen und Neuankündigungen schreibet, sondern auch vom Leben auf dem Wasser. Ob das nun Carstens Erfahrungen oder die von Digger sind. Die meisten sind kurzweilig, unterhaltsam und manchmal auch lehrreich oder halten einem den Spiegel vor.
    SEHR GUT!

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  10. avatar hanseatic sagt:

    Und letztes Jahr hat er mir noch die Ohren vollgeheult:”Hast Du das gut – meine beiden spielen lieber Fussball und Basketball”. Genau Herr Kemmling – aber zwischendurch räumen sie mittlerweile offenbar auch ganz gerne mal mit Papa die Gegner auf dem Wasser aus dem Weg oder? 😉 Papa, wat willste mehr! Habt ihr gut gemacht!

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