Knarrblog Drachen Herbstregatta: Schon wieder in den Bach gegangen

Bademeister

Uups, Spi-Chaos an der Leetonne. Verwicklungen drohen. © Peter Kähl

Uups, Spi-Chaos an der Leetonne. Verwicklungen drohen. © Peter Kähl

Die Ausgangslage ist perfekt. Nach dem ersten Wochenende der zweiteiligen Herbst-Verbandswettfahrten im Drachen auf der Alster hat sich die alte “Dragonheart” zwischen das scheinbar unschlagbare Zachariassen-Bruder-Skipper-Duo geschoben. Ein Punkt fehlt zu Gerd. Hans Werner liegt im 37-Boote-Feld zwölf Punkte achteraus. Vier Rennen sind noch zu wuppen. Das muss doch zu machen sein.

Entsprechend euphorisch starten wir in den Tag des zweiten Wochenendes. Ein fieser West weht ruppig und drehend quer über den Stadt-See. 20 Grad-Dreher knallen schon mal von Lee in die Genua und zwingen zur ungewollten Wende. Der Platz für die Startkreuz ist knapp bemessen. Gute Starts sind wichtig.

Perfekt. Mit Vollgas nahe dem Startschiff über die Linie, Wende klar vor den Luv-Schiffen, freier Schlag nach rechts auf die Land-Ecke, zack, da ist der Rechtsdreher, freie Passage vor dem Feld, ha, das wird ein guter Tag. – Denkste!

Der mit Tape geflickte Spi kommt am letzten Tag nicht mehr zum Einsatz. Abbruch wegen Flaute. © SegelReporter

Der mit Tape geflickte Spi kommt am letzten Tag nicht mehr zum Einsatz. Abbruch wegen Flaute. © SegelReporter

Schon die letzten Meter vor der Luvtonne passen nicht. Hans-Werner rutscht durch, wir hängen uns dran und sollten wenigstens den zweiten Platz mit gutem Abstand nach Hause fahren. Aber der Wind wird stärker, die Manöver schlechter, die Taktik hektischer, plötzlich sind wir nur noch fünfter.

Wie Ben Hur

Dann das ultimative Leetonnenmanöver. Die linke Tonne vom Tor ist angepeilt, eine Halse direkt an der Marke nötig. Der Spi soll vorher weg. Wie gewohnt übernehme ich die Spischoten. Jörg baut den Spibaum vorne weg. Dirk zerrt den Mast in Position.

Wie Ben Hur, der alte Wagenlenker, reiße ich an den Zügeln und steuere mit der Pinne zwischen den Beinen. Der Bronco will mir durchgehen. Der Druck auf den Schoten zieht mich nach vorne, “Ho Brauner, Ho.” Eine für Alster-Verhältnisse unglaubliche Welle wirft  den Kahn hin und her. Die Drachenflotte selber gräbt sich ihre Riefen in den Parcours.

Das Spifall klemmt, die Blase will nicht im Bug verschwinden, die Tonne liegt querab, Pinne mit den Knien herumwerfen, der Baum schlägt herum. Die Nock hakt irgendwie an den schlabbernden Backstagen, ich versuche sie zu lösen und werde aus dem Boot gezogen.

Toll, da war doch was. Kaum eine Woche ist es her, dass ich den Bademeister gemacht habe. Nun hänge ich wieder am Tampen. Die Leetonnenrundung ist gar nicht so schlecht. Enge Kurve und das Groß geht zackig dicht. Klar, weil ich mich frei schwimmend in der Alster einige Körperlängen hinter dem Schiff an der Schot festhalte.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „Knarrblog Drachen Herbstregatta: Schon wieder in den Bach gegangen“

  1. avatar T.K. sagt:

    Immer wieder gut Deine Beiträge vom Drachen.
    Aber ich glaube Du kommst langsam in das Alter wo man eine Reling braucht um nicht über Bord zu gehen 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

  2. avatar armchairadmiral sagt:

    Vielen Dank für diesen Morgenspaß!
    Schadenfreude und Spaß am Erkennen selbst erlebter Situationen halten sich die Waage.
    Ship happens!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar seven sagt:

    …das Wasser hat Ihn schon immer, wie magisch, angezogen…..

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *