Knarrblog: Drachen Meisterschaft auf der Alster – Krasser Crash im zweiten Lauf

Wink mit dem Zaunpfahl

Es mag ein schlechtes Zeichen sein, wenn man bei der Rad-Anfahrt zur Regatta fast von einem Leichenwagen überfahren wird. Der Gedanke keimt auf, dass an diesem Tag irgendetwas auf dem Wasser passieren könnte.

Stimmungsvoller Tagesabschluss auf der Alster. © Sven Jürgensen

Segler schütten gerne Alkohol ins Wasser,  um die Götter gnädig zu stimmen. Ich halte das für Unfug. Schließlich müsste man wohl literweise Sherry opfern, um einen solchen Wink mit dem Zaunpfahl zu neutralisieren. Doch die Ungewissheit bleibt. Wäre dieser Einschlag mit etwas mehr Respekt vor Rasmus Alkoholsucht vermieden werden können?

Die deutsche Drachen-Elite ist nach Hamburg gekommen Gruppen © Sven Jürgensen

Es passiert im zweiten Rennen bei der Drachen-Meisterschaft, die zum 150. NRV-Geburtstag in Hamburg stattfinden darf. 62 Teams sind gekommen, darunter ein paar Profi-Teams, die direkt vom Gold Cup in Finnland angereist sind. Je zwei Gruppen segeln um die Wurst. Nach sieben Stunden Startverschiebung geht doch noch was auf der Alster.

“Geht das?” Ein solcher Ruf ist auf dem Wasser nicht unüblich. Wenn das vorfahrtsberechtigte Schiff mit Wind von Steuerbord nur leicht abfallen muss, und eher nach links segeln möchte, kann es Sinn machen auf die Vorfahrt zu verzichten. Der Gegner kann durchgewinkt werden. Aber in diesem Fall?….

31 Boote starten pro Gruppe bei der IDM. © Sven Jürgensen

Ich kann gar nicht glauben, was da passiert. Es war ein guter Start. Wir segeln mit um die Führung, und plötzlich fährt dieses Boot vor den Bug. “Geht das?” “Nein – Nein! – Neiiiiiin!!!!…” Es ist zu spät zum Abfallen. Und das Manöver des letzten Augenblicks bei etwa sechs Knoten Wind dauert generell so lange, dass man eigentlich nicht mehr von Augenblick sprechen kann. Unser Bug schiebt sich knapp hinter dem Want an der gegnerischen Bordwand hoch. Bis zum Großbaum. Gott sei Dank wird niemand getroffen!

Wo kommt der Wind über die Bäume? Bei Nordost ist der Beginn des Spikurses schwer einzuschätzen. © Sven Jürgensen

Ein krasser Crash. Was für ein Schock. Der Skipper beteuert, mich falsch verstanden zu haben. Es wird wohl so sein. Anders ist es auch nicht zu erklären. Im Drachen-Feld muss man wohl auf so etwas vorbereitet sein. Er dreht seinen Strafkreis, aber uns hilft es für das Rennen wenig. Statt topp drei an der Luvtonne treiben wir erstmal rückwärts und hängen am Tampen.

Doof. Aber das Ereignis passt zu einem gebrauchten Tag. Ich bekomme die Kiste noch nicht richtig zum Laufen. Nach zu viel J/70-Segelei fehlt wohl etwas Gefühl für den schweren Langkieler. Dabei hilft es nicht, dass der Pinnenausleger schon vor dem ersten Rennen abreißt. Diese Steuerbank im Cockpit könnte für solch einen Fall helfen. Aber ich bringe es nicht übers Herz, sie zu benutzen. Irgendwie nicht schön, diese Position tief unten im Schiff.

Drachen, Alster

Der Ranglisten-Erste Stephan Link vom Bayerischen Yacht-Club hat sich bestens auf die Hamburger Bedingungen eingestellt. Die beeindruckende Serie zum Auftakt : 2/1/1. © Sven Jürgensen

Immerhin reicht es nach 9/13/9 noch für einen ordentlichen 12. im Gesamtergebnis. Schließlich ist es ein Wunder, dass wir kurz vor der einbrechenden Dunkelheit überhaupt drei Rennen auf die Alster bringen.

Aber die Favoriten haben vorne schon einen ordentlichen Vorsprung. Allen voran der Ranglisten-Erste Stephan Link vom Bayerischen Yacht-Club, der seit Jahren mit Frank Butzmann und Michael Lipp segelt. In der Woche zuvor haben sie beim Gold Cup in Finnland einen starken siebten Platz ersegelt und bestätigen hier ihre hervorragende Form.

Alster-Champ Hans Werner Zachariassen führt als Fünfter die Amateur-Wertung an. © Sven Jürgensen

Mal sehen, ob die Alster mitspielt. Der Freitag-Morgen fällt seglerisch dem fehlenden Wind zum Opfer. Das erste Rennen wird kurz vor der Luvtonne abgebrochen. Wir liegen ganz ordentlich. Mal sehen, ob da noch was drin ist. Immerhin war ein Leichenwagen diesmal noch nicht in Sicht.

Ergebnisse Drachen IDM 2018 NRV

Drachen, Alster

Abendstimmung. © Sven Jürgensen

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Knarrblog: Drachen Meisterschaft auf der Alster – Krasser Crash im zweiten Lauf“

  1. avatar Hanns Hermann Lagemann sagt:

    “Das vorfahrtsberechtigte Schiff mit Wind von Backbord” – so ein Fehler passiert eben, wenn Regeln statt in die deutsche Sprache in eine Kunstsprache übersetzt werden, die unter Booten auf verschiedenem Bug das Wegerecht demjenigen auf dem “Steuerbordschlag” gibt. Wo wir doch “Backbordbug”, “mit Wind von Steuerbord” und das gute alte “Steuerbordhalsen” gehabt hätten. Wird Zeit, daß wir Segler ein Protestkomitee einrichten. Ach so, das war ja jetzt auch wieder was anderes …

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 6

    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Rechts…..backbord…..steuerbord…..backbordschoten…..starboard…..links….steuerbordhalsen……port….wer kann das schon auseinander halten!? Und dazu noch das Ding mit der Überlappung an der Wendemarke (wieviel Längen waren es doch gleich? 2? 3? 5?….), ein echtes Special bei den Drachen, besonders im hinteren Drittel. Wo die hinten auch noch so unangenehm ausschwenken mit ihren VA-bewehrten Ecken! LONG VEHICLE!

      Im Zweifel lieber hinter (aussen) ‘rum – da haben alle was von: die Segler, die Stimmung und die Versicherung!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

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