Knarrblog: Drachen-Saison eröffnet – Peinlicher Moment beim Start

Luven, fintieren, antizipieren

Hans Herbert Hoffmann hebt die Arme auf seinem Startschiff und zuckt mit den Schultern. “Was soll ich machen?” Vor Sekunden hat er den rotweißen Antwortwimpel mit dem blauweißen Tuch darunter gesetzt. Abbruch. Es geht nichts mehr auf der Alster. Alle ab in den Hafen.

Es regnet in Strömen. Mehr als 40 Drachen kommen der Aufforderung nicht ungerne nach. Nur wir würden gerne noch mal. Ein klitzekleines Rennen noch. Es wäre das zehnte, und würde den zweiten Streicher bringen. Wir könnten ihn gut gebrauchen.

Aber das wäre wohl zu viel verlangt. Die Drachen-Freunde haben am ersten der zwei Regatta-Wochenenden, die für die Frühjahrs-Verbandsregatta zählen, nur zwei Rennen geschafft. Und wir waren nicht dabei.

Zum Training verdonnert

NRV Bundesliga Team Manager Klaus Lahme hatte mich zum J/70 Training verdonnert. Während die Drachen auf der Alster wartend auf Wind herumtrieben, segelten wir mit bis zu acht Liga Teams nebenan unerlässlich unsere Kurzrennen.

Ordentliches Timing. Und mit richtig viel Glück hätte dann auch noch die kleine Chance bestanden, dass mit einem zügigen Wettfahrtverlauf am zweiten Wochenende insgesamt zehn Rennen gesegelt werden könnten. Dann wären die beiden ausgefallenen Rennen streichbar gewesen.

Aber das wäre wirklich zu perfekt gewesen. Denn auch so lief für diesen Drachen Auftakt schon sehr viel zusammen, was sonst daneben geht. Es gibt diese Tage, da öffnet sich die Lücke am Start im richtigen Moment, da biegt sich der Wind genau im Rhythmus, den das Gefühl im Hintern vorgibt.

Die Kiste läuft

Die Entscheidungen passen, das Crew-Arbeit stimmt, und die Kiste läuft. Die Anpassung von der J/70 zum Bleitransporter ist zwar gewöhnungsbedürftig. Aber wenn dieser Flow Effekt erst einmal an Bord ist, dann kann er auch 1,7 Tonnen Flügel verleihen.

Es mögen die neuen Segel von Clown Sails sein, oder das überholte Unterwasserschiff, von dem im vergangenen Jahr noch die Farb-Placken abfielen, aber vielleicht hatte auch der Segelgott einfach ein Einsehen.

So wie im vierten Rennen. Endlich mal das hart umkämpfte Pin End der Startlinie erobert. Das Timing schien perfekt zu passen. Dann einmal die Nase etwas zu weit in den Wind gedreht, die Genua steht back, sie dreht den Bug durch den Wind und auf einmal sind wir Empfänger zahlreicher Kraftausdrücke – zurecht. Wie peinlich.

Aufholjagd nach Strafkreis

Aber nach dem fälligen Strafkreis öffnen sich plötzlich überall freie Spuren, Boote wenden weg, kurz bevor sie Windschatten spenden, der Wind dreht im richtigen Moment, und so endet die Aufholjagd noch auf Platz sechs.

Richtig viel Spaß machen die Duelle mit Hans Werner Zachariassen am Sonntag. Der alte Fuchs, der seit Jahren die Drachen-Szene auf der Alster beherrscht, ist immer in der Nähe. Wenn der ehemalige Finn Dinghy Spitzensegler eine Wende vorbereitet, ist es immer Wert nachzudenken, was er sich nun wieder dabei denken könnte.

Luven, fintieren, antizipieren – ein schönes Match. Mit versöhnlichem Ausgang. Wir teilen uns jeweils die ersten beiden Plätze.

Ex Hanse Chef Schmidt immer besser

Aber in der Gesamtwertung kommen wir an den Besten der beiden Wochenenden nicht vorbei. Der ex Hanse Chef Michael Schmidt hat nach dem Verkauf seiner Werft wieder richtig Spaß am Regattasegeln bekommen. Und er wird immer besser. Besonders mit der Hilfe von Drachen Weltmeister Malte Philipp und Mario Wagner.

Auf der Alster schwächelten sie nur am letzten Tag ein wenig nach zu vor vier gewonnenen Rennen. “Da waren wir gestern Abend in Hamburg ein wenig lange unterwegs”, entschuldigt sich Schmidt. Aber schließlich gewinnt er dennoch souverän mit sechs Punkten Vorsprung.

Ergebnisse Drachen Frühjahrs-Verbandsregatta 2015

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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